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Finanzpsychologin im Interview: So gelingt die Geldanlage

Von dpa
Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Geldanlage ist eigentlich nicht schwer.
Geldanlage ist eigentlich nicht schwer. Man muss es nur mit positiven Bildern verkn├╝pfen. (Quelle: Benjamin Nolte/dpa-tmn./dpa)
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Berlin (dpa/tmn) - Der Anfang eines Jahres ist f├╝r viele Menschen Anlass, endlich mal Dinge in die Hand zu nehmen, die sonst zu kurz kommen: Ges├╝nder ern├Ąhren, mehr Sport machen, Zeit f├╝r die Kinder nehmen. Oft mit dabei: Sich endlich mal um die Altersvorsorge k├╝mmern. Warum ist das Thema nur so schwierig?

F├╝r viele ist Geld mit positiven und negativen Eigenschaften zugleich verbunden, erkl├Ąrt Monika M├╝ller das Ph├Ąnomen. "Einerseits wollen wir es haben", sagt die Finanzpsychologin aus Wiesbaden im Interview. "Andererseits kann es auch Angst machen."

Ist Geld f├╝r uns ein unangenehmes Thema?

Monika M├╝ller: Geld ist eher ein ambivalentes Thema. Es zieht uns an und st├Â├čt uns gleichzeitig ab. Es bedeutet Freiheit und Sicherheit, aber auch Konkurrenzkampf und Druck.

Geld ist eine Projektionsfl├Ąche, mit der wir alles M├Âgliche verbinden. Zum Teil haben wir das schon als Kind so gelernt von unseren Eltern. Denn der Umgang im Elternhaus mit dem Thema pr├Ągt auch unsere eigene Einstellung gegen├╝ber Geld.

Geld wirkt also positiv und negativ zugleich und wird so zu einem st├Ąndigen Begleiter. Geld nimmt all das an, was wir damit verbinden - die St├Ąrken und Schw├Ąchen. Meistens ist uns das aber nicht bewusst.

Hat das vielleicht auch mit Angst zu tun?

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M├╝ller: Angst entsteht oft, wenn uns etwas unbekannt ist. Jeder kennt das von Reisen. In einem Land, in dem ich noch nie war, bin ich erst mal vorsichtig und wachsam. Erst wenn ich mich ein wenig auskenne, l├Ąsst das nach und ich bewege mich unbefangen.

Das ist mit Geld ├Ąhnlich: Wirklich bewusst besch├Ąftigen wir uns mit Geld eher selten. Auch die Ambivalenz ist uns nicht wirklich bewusst. Es ist nur ein Gef├╝hl, das wir nicht sofort einordnen k├Ânnen. Und das kann unsicher machen.

M├╝ssen wir also lernen, ├╝ber Geld zu reden - schlie├člich ist es f├╝r viele Menschen fast ein Tabu?

M├╝ller:Unbedingt. Und zwar auf verschiedenen Ebenen. Es reicht ja nicht nur, sich mit den Fakten auszukennen. Also zum Beispiel Fragen wie: Wie funktioniert ein Konto? Was ist ein Dispokredit? Was bedeutet der Zinseszins? Das ist zwar wichtig, aber nicht alles.

Die emotionale Ebene ist ebenso wichtig. Welche Gef├╝hle habe ich bei dem Thema? Welche Gedanken verbinde ich damit? Welche Erfahrungen habe ich mit Geld gemacht?

Und nicht zu vergessen, meine Identit├Ąt mit Geld. Wenn wir bestimmte Dinge auf das Thema projizieren, verbindet uns das damit. Wenn wir das erkennen, gibt uns das ein tieferes Verst├Ąndnis. Und dann wird es auch einfacher, sich mit der ersten Ebene, den Fakten, zu besch├Ąftigen.

Welchen Stellenwert, welche Bedeutung hat Geld in unserer Gesellschaft ├╝berhaupt?

M├╝ller:Geld verbindet uns alle. Es ist eine Ressource, die wir Menschen selbst erschaffen haben. Es ist ein Wertspeicher, ein Tauschmittel, ein Statussymbol. All das funktioniert nur, weil wir dem Geld diese Dinge beimessen. Fr├╝her haben sich die Menschen Embleme an die Kleidung gesteckt, um ihren Status zu zeigen. Heute funktioniert das oft ├╝ber Geld.

Es ist auch ein beziehungsgestaltendes Element. Ein Sprichwort sagt ja: "Bei Geld h├Ârt die Freundschaft auf." Aber das muss nicht so sein. Wenn wir bewusst unsere Einstellung ├Ąndern, kann es auch eine ganz andere Wirkung haben.

Wir haben gerne Geld, wollen uns aber nicht gerne damit besch├Ąftigen - woran liegt das?

M├╝ller: Negative Erfahrungen halten uns oft unbewusst davon ab. Wir nehmen die Erfahrungen unserer Eltern an und tragen sie weiter. Wurde in ihrem Elternhaus ├╝ber Geld geredet? Wenn ja, wie? Hinzu kommt oft das Unwissen ├╝ber die Fakten. Das macht unsicher. Wer sich nicht gut auskennt, will das oft nicht zugeben. Da ist es einfacher, zu versuchen, das Thema zu ignorieren.

Mit welchen Tricks kann ich mich selber motivieren, mich um mein Geld zu k├╝mmern?

M├╝ller: Ich muss mir erst einmal selbst klarmachen, welche Bedeutung das Thema f├╝r mich hat. Was verbinde ich damit? Welche Projektionen bestimmen meinen Umgang mit Geld? Reden Sie dar├╝ber ruhig auch mal mit Freunden oder ihrer Partnerin oder ihrem Partner. Das kann bei der Standortbestimmung helfen.

Und ich sollte mir klarmachen: Wenn ich mich um mein Geld k├╝mmere, k├╝mmere ich mich um mich selbst. Das ist Selbstf├╝rsorge. Ich ├╝bernehme damit Verantwortung f├╝r mich. F├╝r meine Bed├╝rfnisse, Ziele, W├╝nsche, Tr├Ąume.

Und dann braucht es vor allem Routinen. Setzen Sie sich feste Termine, zum Beispiel einmal im Monat, an denen Sie sich um ihre Geldangelegenheiten k├╝mmern. Wichtig dabei ist, dass Sie nicht versuchen, alles auf einmal anzugehen. Setzen Sie sich lieber kleinere Ziele. In kleinen Schritten kommen Sie schlie├člich auch zum Ziel und die Aufgaben erscheinen nicht gleich so gro├č.

Wenn Sie dann noch ihre Ziele visualisieren, also mit positiven Bildern verbinden, schafft das eine emotionale Bindung. Nehmen wir als Beispiel mal ein so langfristiges Ziel wie die Altersvorsorge - normalerweise ein sperriges Thema. Wenn Sie sich hier selbst zum Beispiel am Strand oder in den Bergen sehen, dann haben Sie ein klares Bild vor Augen, was Sie erreichen wollen.

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