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Echtzeitüberweisung: Wie funktioniert die Turbo-Überweisung?

Instant Payments  

Echtzeitüberweisung: Wie funktioniert die Turbo-Überweisung?

25.04.2019, 11:01 Uhr | sm, t-online.de

Echtzeitüberweisung: Wie funktioniert die Turbo-Überweisung?. SEPA-Überweisung: Die übliche Überweisung wird mit Zeitverzögerung ausgeführt. Doch nach der HypoVereinsbank (HVB) wollen auch die Sparkassen Echtzeitüberweisungen einführen. (Quelle: Getty Images/ollo)

SEPA-Überweisung: Die übliche Überweisung wird mit Zeitverzögerung ausgeführt. Doch nach der HypoVereinsbank (HVB) wollen auch die Sparkassen Echtzeitüberweisungen einführen. (Quelle: ollo/Getty Images)

Geldtransfer in Sekundenschnelle, das verspricht die Echtzeitüberweisung. Die sogenannten Instant Payments revolutionieren den modernen Zahlungsverkehr. Was bringt das den Kunden und welche Folgen hat die neue Zahlungsform?

In der Bankenbranche ist es bislang üblich, Überweisungen zu sammeln und dann stapelweise abzuarbeiten. Auch Aufträge, die Kunden online einstellen, werden in der Regel erst mit Zeitverzug ausgeführt. Doch mit sogenannten Instant Payments landet das Geld innerhalb von Sekunden auf dem Empfängerkonto. Was sich hinter den Echtzeitzahlungen verbirgt:

Was bedeutet "Echtzeit" bei einer Überweisung?

Bei Instant Payments (deutsch: Sofortige Zahlung) versprechen die teilnehmenden Banken, dass das Geld binnen zehn Sekunden von einem Konto auf das andere Konto überwiesen wird. Das bedeutet aber auch: "Zahlungsdienstleister, die Instant-Überweisungen anbieten, müssen rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres für die Abwicklung dieser Zahlungen erreichbar sein", betont die Bundesbank.

Welche Vorteile haben Echtzeitzahlungen?

Der große Vorteil bei Instant Payments ist: Anders als bei einer Papierüberweisung oder einer herkömmlichen Online-Überweisung weiß man direkt, ob das Geld angekommen ist. Denn: Die empfangende Bank muss eine Bestätigung ausstellen.

Vorteile der Echtzeitüberweisung im Überblick: 

  • elektronisches Massenzahlungssystem in Euro 
  • rund um die Uhr verfügbar, das heißt 24/7/365 
  • Überweisung innerhalb von zehn Sekunden 
  • maximaler Überweisungsbetrag in Höhe von 15.000 Euro 
  • nicht gedeckte Überweisungen werden sofort zurückgewiesen

Wer zum Beispiel sein altes Auto privat verkauft, muss bisher zumindest das Risiko einkalkulieren, dass der Käufer nicht zahlt. Würde das Geschäft via Echtzeitzahlung abgewickelt, hätte der Verkäufer direkt die Gewissheit, dass das Geld auf seinem Konto ist. Auch wer online shoppt, hat Vorteile: Je schneller der Händler das Geld hat, umso schneller wird die Ware verschickt. 

Welche Nachteile haben Überweisungen in Echtzeit?

Das Geld wandert in Sekundenschnelle von einem Konto auf ein anders. Bis zu 15.000 Euro können so – praktisch im Nu – den Besitzer wechseln, wenn dieser auch das Onlinebanking nutzt. Alle anderen können diesen Geldturbo nicht nutzen. Ein wesentlicher Aspekt, den die Bankkunden nicht vergessen sollten, sind die Gebühren, die zum Teil erheblich zu Buche schlagen. Sie sollten sich vorab beim entsprechenden Kreditinstitut über die Kosten für eine Echtzeitüberweisung erkundigen.

Nachteile der Echtzeitüberweisung im Überblick:

  • Deckelung der Überweisungssumme
  • Kosten für Echtzeitüberweisung
  • Onlinebanking-Zugang erforderlich
  • Kein Zurückbuchen möglich

Eine Überweisung ist generell keine Lastschrift, das gilt auch für die Echtzeitüberweisung. Sprich: Bei einer fälschlichen Überweisung kann der Betrag nicht einfach zurückgebucht werden. Die Kunden müssen sich dann an ihr Geldinstitut wenden. Zuerst einmal ist das Geld jedoch weg. Und das eben ganz schnell.


Stoppuhr: Echtzeitüberweisungen müssen innerhalb von zehn Sekunden ausgeführt werden. (Quelle: Getty Images/PeterAustin)Stoppuhr: Echtzeitüberweisungen müssen innerhalb von zehn Sekunden ausgeführt werden. (Quelle: PeterAustin/Getty Images)


Kostet der sekundenschnelle Service?

Das hängt vom Kontomodell ab. So veranschlagen zum Beispiel manche Sparkassen 50 Cent pro Transaktion – in manchen Fällen aber auch mehr. Kunden sollten sich im Vorfeld bei ihrem Kreditinstitut oder der Filiale informieren, ob mit der Echtzeitüberweisung Kosten verbunden sind. In der Regel informieren Banken und Sparkassen ihre Kunden über Änderungen im Preis- und Leistungsverhältnis. Also: Am besten vorab ins Postfach schauen.

Allerdings ist die Echtzeitüberweisung zumeist eine günstigere Alternative als eine Expressüberweisung, für die zum Teil zehn Euro veranschlagt werden. Zudem können diese nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in Auftrag gegeben werden. Für Echtzeitüberweisungen gelten keine zeitlichen Beschränkungen.

Können Instant Payments unbegrenzt genutzt werden?

Für Echtzeitüberweisungen gelten im SEPA-Zahlungsraum (Single Euro Payments Area) einheitliche Standards. Überweisungen in Echtzeit sind bislang auf eine Höhe von bis zu 15.000 Euro begrenzt.

Welche Voraussetzungen haben Instant Payments?

Voraussetzung für Echtzeitüberweisung ist, dass beide Kreditinstitute – die Bank des Geldzahlers und die des Geldempfängers – den neuen Service anbieten. Das kann bei einigen Instituten noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Können Echtzeitüberweisungen zurückgerufen werden?

In einer Studie von 2016 warnen Wissenschaftler vom ibi-Competence-Center Digital Commerce der Universität Regensburg: "Im Falle einer unwissentlich oder versehentlich durchgeführten Überweisung – wie es beispielsweise bei einem Hacker- oder Phishing-Angriff passiert – kann die Transaktion nicht rückgängig gemacht werden und der überwiesene Betrag ist verloren."

Banken versichern, bei Instant Payments sei es wie bei einer herkömmlichen Überweisung möglich, einen irrtümlich transferierten Betrag zurückzuholen. "Wenn ein falscher Betrag eingetippt wird, ist das Geld erstmal weg. In einem solchen Fall kann der Kunde dann aber einen normalen Überweisungsrückruf machen", sagt Gerhard Bystricky von der HypoVereinsbank (HVB).

Digitale Datenübertragung: In Zukunft werden immer mehr Überweisungen in Echtzeit übertragen. Die Schnelligkeit birgt auch Risiken. (Quelle: Getty Images/nadla)Digitale Datenübertragung: In Zukunft werden immer mehr Überweisungen in Echtzeit übertragen. Die Schnelligkeit birgt auch Risiken. (Quelle: nadla/Getty Images)

Seit wann gibt es Instant Payments?

Seit dem 21. November 2017 sind in Europa die "SCT Inst" genannten schnellen Überweisungen möglich. Noch am selben Tag testete die zum italienischen Unicredit-Konzern gehörende HVB das System. Die erste Transaktion von Deutschland nach Italien konnte innerhalb von 2,5 Sekunden abgewickelt werden. Heute werden 95 Prozent der Instant-Payments-Überweisungen in weniger als drei Sekunden durchgeführt, so Bystricky, bei der HVB zuständig für die Produktentwicklung im Zahlungsverkehr. Seit dem 27. November 2017 können HVB-Kunden über das reguläre Online-Banking Überweisungen in Echtzeit in Auftrag geben.

Welche deutschen Banken machen noch mit?

In Deutschland war die HVB lange alleine auf weiter Flur, denn die Teilnahme an dem Verfahren ist für Banken freiwillig. Somit waren die Nutzungsmöglichkeiten von Instant Payments eingeschränkt: Denn Echtzeitzahlungen funktionieren nur, wenn auch die Bank des Empfängers diese anbietet. Seit Mitte 2018 an können es auch die rund 50 Millionen Kunden der 385 Sparkassen in Deutschland nutzen.

Seit Anfang 2019 haben sich über 1.700 Finanzinstitute in Deutschand über sieben Teilnerhmerbanken dem Echtzeitzahlungssystem angeschlossen. Weitere Institute bereiten sich auf die Teilnahme vor, so die European Banking Association.

Teilnehmende deutsche Geldinstitute (Stand Q1 2019):

  • Commerzbank
  • Deutsche Bank
  • DZ Bank (Genossenschaftsbanken)
  • Hanseatic Bank (Sparkassenderbung)
  • Landesbank Baden-Württemberg (Sparkassenverbund)
  • Landesbank Hessen-Thüringen (Sparkassenverbund)
  • UniCredit (HVB)

Der Zahlungsverkehrsraum SEPA, der Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen grenzüberschreitend standardisieren und so beschleunigen soll, umfasst 34 Länder mit insgesamt 4.200 Zahlungsdienstleistern: Neben den 28 EU-Staaten sind Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz, Monaco und San Marino dabei.


Verwendete Quellen:
  • Bankenverband
  • European Bankin Association
  • Europäische Zentralbank
  • dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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