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Steigen die Mieten in der Corona-Krise langsamer?

Von dpa-afx
Aktualisiert am 26.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Ein Altbau in Hamburg: Die Mieten d├╝rften wegen der Corona-Krise langsamer steigen.
Ein Altbau in Hamburg: Die Mieten d├╝rften wegen der Corona-Krise langsamer steigen. (Quelle: Markus Scholz/dpa-bilder)
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Weil die Menschen wegen der Corona-Krise verunsichert sind, sinkt das Interesse an Immobilien und Umz├╝gen. Das wirkt sich auch auf die Preise aus. F├╝r Mieter k├Ânnte das eine gute Nachricht sein.

Die Corona-Krise d├╝rfte nach Einsch├Ątzung von ├ľkonomen den Anstieg der Mieten und Immobilienpreise d├Ąmpfen. Selbst ein Ende des zehnj├Ąhrigen Immobilienbooms in Deutschland sei denkbar, wenn sich die Krise noch Monate hinziehe und der Alltag der Menschen stark eingeschr├Ąnkt bleibe. Das w├╝rde Mietern und Immobilienk├Ąufern nach den rasanten Aufschl├Ągen der vergangenen Jahre Luft verschaffen. 2019 verteuerten sich Wohnungen und H├Ąuser laut Zahlen des Statistischen Bundesamts erneut um mehr als 5 Prozent.

Angesichts der Unsicherheit ├╝ber die Folgen der Pandemie und der Ausgangsbeschr├Ąnkungen d├╝rfte der Wohnungsmarkt nun aber in den n├Ąchsten beiden Monaten zum Erliegen kommen, sagt Michael Voigtl├Ąnder, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW): "Besichtigungen finden kaum statt, und viele K├Ąufer halten sich zur├╝ck, weil sie um ihre Jobs bangen oder schrumpfende Einkommen erwarten."

Bei Google-Suchen zu Kaufen, Mieten oder Wohnen seien schon R├╝ckg├Ąnge zu beobachten, was Voigtl├Ąnder als Indikator wertet. Auch Vermittler von Baufinanzierungen wie H├╝ttig & Rompf verzeichneten zuletzt einen R├╝ckgang bei den Kundenanfragen.

Eingeschr├Ąnktes Potenzial f├╝r Mietsteigerungen

Er erwarte eine Stagnation der Immobilienpreise oder leichte R├╝ckg├Ąnge, sagte Voigtl├Ąnder. "Ich bezweifle, dass etwa die ambitionierten Preise bei Neubauten derzeit noch durchzusetzen sind." Der Immobilienmarkt k├Ânne sich einem Einbruch der Wirtschaft, wie ihn ├ľkonomen vorhersagen, nicht entziehen. Das glauben auch Volkswirte der Landesbank Helaba: Alle Immobilienzyklen in Deutschland h├Ątten in den vergangenen Jahrzehnten mit einer Rezession geendet.

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Das Potenzial f├╝r Mietsteigerungen sei ebenfalls beschr├Ąnkt, sagte Voigtl├Ąnder, denn die Einkommen d├╝rften weniger stark steigen als vor der Krise. Daneben belasten auch neue Vorschriften zum Mieterschutz bei Zahlungsverzug die Vermieter: Sie d├╝rfen Mietern nicht mehr k├╝ndigen, wenn diese wegen der Corona-Krise die Miete nicht zahlen k├Ânnen. Gelten soll dies zun├Ąchst f├╝r Mietschulden von April bis Ende Juni, wie das Bundeskabinett am Montag beschloss.

Gro├če Wohnungskonzerne haben Mietern bereits Zugest├Ąndnisse gemacht: So verzichtet LEG Immobilien im Zusammenhang mit der Corona-Krise vorerst auf Mietsteigerungen oder K├╝ndigungen. Auch Vonovia sieht wegen der Pandemie bis auf Weiteres von h├Âheren Mieten ab, und Deutsche Wohnen hat zugesagt, Zahlungen zu stunden.

"Verhandlungsspielraum f├╝r Mieter k├Ânnte wachsen"

"Die rosigen Zeiten f├╝r Vermieter sind vorbei, und der Verhandlungsspielraum f├╝r Mieter k├Ânnte wieder wachsen", sagt Voigtl├Ąnder. "Viele Vermieter d├╝rften erst mal froh sein, wenn sie zuverl├Ąssige Mieter nicht verlieren."

├ähnlich sieht G├╝nter Vornholz, Professor f├╝r Immobilien├Âkonomie an der Bochumer EBZ Business School, die Lage. "Wer nicht muss, kauft in der Krise keine Immobilie oder verschiebt den Umzug in eine gr├Â├čere Wohnung", sagte er. Ein Anstieg von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit verringere den finanziellen Spielraum, den Haushalte f├╝r die Miete h├Ątten. "Einige Vertr├Ąge k├Ânnten f├╝r Mieter zu teuer werden."

Bei Immobilienk├Ąufern komme dazu, dass Menschen mit Aktienverm├Âgen im j├╝ngsten B├Ârsencrash viel Geld verloren h├Ątten - das fehle nun zum Wohnungskauf. Der Druck auf die Immobilienpreise wachse, so Vornholz. F├╝r Gro├čanleger blieben Immobilien zwar attraktiv. Doch es sei unklar, ob sie die hohen Preise zahlten, wenn es Unsicherheit ├╝ber die Mieteinnahmen gebe. Auch ein Ende des langen Immobilienbooms sei denkbar, meint Vornholz. "Wenn die Corona-Krise lange dauert und die Einschr├Ąnkungen im Alltag bleiben, k├Ânnte das die Wende bedeuten."

Kein Einbruch bei Mieten und Kaufpreisen

Mit "schweren und l├Ąngerfristigen Verwerfungen" auf dem Wohnungsmarkt rechnet auch das Institut f├╝r Stadt-, Regional- und Wohnforschung (Gewos). Mietausf├Ąlle und Liquidit├Ątsengp├Ąsse d├╝rften gerade Privatvermieter und kleinere Eigent├╝mer treffen. Die Forscher glauben, dass der Immobilienmarkt st├Ąrker unter der Corona-Krise leiden wird als unter der globalen Finanzkrise. 2008 brachen die K├Ąufe demnach um 12 Prozent ein und erholten sich danach nur langsam. Die Pandemie k├Ânnte die deutsche Wirtschaft nun st├Ąrker schrumpfen lassen als die Finanzkrise und breitere Teile der Gesellschaft treffen, argumentierte Gewos.

Ein Einbrechen der Mieten und Kaufpreise sieht IW-Experte Voigtl├Ąnder aber nicht. Preisr├╝ckg├Ąnge um 30 Prozent, wie manche Beobachter schon prophezeiten, halte er f├╝r unwahrscheinlich. "Die Wohnungsknappheit in den St├Ądten bleibt, die Zinsen f├╝r Finanzierungen sind niedrig, und viele Menschen haben hohe Verm├Âgen." Mit Zinssenkungen in der Corona-Krise haben Notenbanken j├╝ngst die Niedrigzinsen zementiert.

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Gegen einbrechende Preise und Mieten auf breiter Front spricht auch die Wohnungsknappheit in den St├Ądten. Daran d├╝rfte sich so schnell nichts ├Ąndern. Denn die Corona-Krise trifft auch die Baubranche. Mancherorts kommt es zu Verz├Âgerungen. "Gro├če Baufirmen haben Probleme, da bei Subunternehmen ausl├Ąndische Arbeitskr├Ąfte fehlen", berichtet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Die Bauarbeiten gingen weiter, wenn auch mit mehr Vorsichtsma├čnahmen. "Die Arbeiter m├╝ssen Abstand halten und notfalls in versetzten Schichten arbeiten."

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