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Aktuelle Umfrage: Warum die Politik für Unternehmen zum Problem wird

Aktuelle Umfrage  

Die Politik wird für Unternehmen zum Problem

19.02.2020, 08:19 Uhr
Aktuelle Umfrage: Warum die Politik für Unternehmen zum Problem wird. Jobabbau: Viele Unternehmen der Autoindustrie wollen laut DIHK-Umfrage noch in diesem Jahr Stellen streichen. (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)

Jobabbau: Viele Unternehmen der Autoindustrie wollen laut DIHK-Umfrage noch in diesem Jahr Stellen streichen. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Eine Umfrage unter mehr als 26.000 Unternehmen in Deutschland belegt: Fast jede zweite Firma betrachtet die politischen Rahmenbedingungen als Risiko für ihre Geschäfte. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe.

Bürokratie, Brexit, Handelskrieg: Für immer mehr Unternehmen in Deutschland stellen wirtschaftspolitische Einflüsse ein Erfolgsrisiko dar. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor.

Demnach gab fast jede zweite Firma an, dass sie unter politischen Rahmenbedingungen leiden, sie deshalb skeptisch auf die Entwicklung ihrer Geschäfte blicken – so viele wie nie zuvor. Ein noch größeres Geschäftsrisiko stellt lediglich der Fachkräftemangel dar.

Der Anteil der Unternehmen, die die wirtschaftspolitische Lage als Risiko betrachten (rote Linie) steigt an.Der Anteil der Unternehmen, die die wirtschaftspolitische Lage als Risiko betrachten (rote Linie) steigt an.

"Das hat zum einem zu tun mit den internationalen Unsicherheiten wie dem anhaltenden Handelskonflikt zwischen den USA und China, dem Brexit sowie den noch unabsehbaren Folgen des Coronavirus", sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Hinzu kommt aber auch eine wachsende Sorge über ausbleibende Impulse am Standort Deutschland."

Ein Problem dabei seien die "europaweit höchsten Strompreise", so Wansleben. Zudem sorgten die relativ hohen Steuern sowie langsame und lückenhafte Internetverbindungen dafür, dass sich gerade in der Industrie viele Unternehmen fragten, wie sie in Deutschland dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben können. Ein weiteres Problem, das die Unternehmen bei der Politik verorten, sind die steigenden Bürokratiekosten.

Mehr als 26.000 Unternehmen in Deutschland befragt

Als Dachverband der regionalen Industrie- und Handelskammern befragt der DIHK dreimal jährlich mehr als 26.000 Firmen nach ihrer Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung und Meinung zu bestimmten Themen. Neben der allgemeinen Bewertung der Geschäftslage und den Geschäftserwartungen fallen darunter etwa auch Fragen zur Beschäftigungsabsicht, Exporterwartungen und Erfolgsrisiken.

Die Umfrage gilt als bedeutender Indikator für die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland. t-online.de erläutert die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Geschäftslage: Die meisten Unternehmen (42 Prozent) beurteilen die aktuelle Geschäftslage als "gut", nur 12 Prozent als "schlecht" – die übrigen Firmenchefs halten die Lage für "befriedigend". Gegenüber der vergangenen DIHK-Umfrage im Herbst 2019 bleibt der Saldo aus positiven und negativen Angaben mit einem Wert von 30 Punkten damit zwar unverändert. Im Vergleich zum Beginn des Vorjahres aber ist der Wert deutlich gesunken: 2019 betrachtete noch jedes zweites Unternehmen (50 Prozent) die aktuelle wirtschaftliche Lage als gut, für nur 7 Prozent war sie schlecht. Der Saldo lag damit bei 43 Punkten.
  • Geschäftserwartung: Mit Blick auf künftige Aufträge und Gewinne sind Deutschlands Unternehmen eher pessimistisch. Nur 18 Prozent der befragten Firmen gehen von besseren Geschäften aus, 20 Prozent von schlechteren. Der überwiegende Teil (62 Prozent) erwartet gleichbleibende Geschäftslage. Auch diese Werte haben sich gegenüber dem Herbst leicht verbessert, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch stark verschlechtert.
  • Exporte: Der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU setzt vielen Firmen weiter zu, der DIHK spricht in seiner Mitteilung von "großen Herausfoderungen" für die Außenwirtschaft. Trotzdem steigen die Exporterwartungen der deutschen Industrie erstmals seit Mai 2018 wieder an. Ein Grund dafür: Viele Firmen haben inzwischen auf die Handelsstreitigkeiten reagiert und ihre Lieferketten umgestellt. Gleichzeitig sieht fast jedes zweites Export-Unternehmen in der geringeren Auslandsnachfrage ein Risiko für künftige Geschäfte.
  • Beschäftigung: Fast jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) plant in diesem Jahr Stellen abzubauen. Ebenso viele Firmen wollen neue Jobs schaffen. Nach einem Einbruch zum Jahresende 2019 stabilisieren sich die Beschäftigungsabsichten damit ein wenig. Besonders schlecht sieht es im Fahrzeugbau aus: Mehr als die Hälfte aller Kfz-Zulieferer rechnet mit einem Abbau von Arbeitsplätzen. Besser geht es der Bauwirtschaft: Wegen der weiterhin starken Nachfrage nach Wohnraum planen 15 Prozent der Bauunternehmen neue Arbeitskräfte einzustellen.

Umweltschutz für viele Unternehmen immer wichtiger

Die DIHK-Umfrage gibt ferner Aufschluss über die Investitionspläne der befragten Firmen. Auffällig hierbei: Das Thema Nachhaltigkeit spielt für viele Firmen eine immer größere Rolle. Ein Fünftel aller Unternehmen, die im laufenden Jahr Geld in den Auf- und Ausbau ihrer Geschäfte stecken wollen, gibt als Motiv "Umweltschutz" an.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben kritisiert die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland. (Quelle: dpa/Ulf Mauder)DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben kritisiert die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland. (Quelle: Ulf Mauder/dpa)

"Das ist der höchste Wert seit dem Start unserer Erhebung im Jahr 2003", sagt Wansleben. "Umso wichtiger ist es, dass die Unternehmen national wie international auf faire Bedingungen stoßen. Sonst drohen sie, auf den höheren Kosten sitzen zu bleiben."

Neben den Umfrageergebnissen veröffentlichte der DIHK am Mittwoch außerdem eine aktuelle Prognose zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung für das laufende Jahr. Der Verband rechnet für 2020 mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Die Bundesregierung hatte zuletzt ein Wachstum von 1,1 Prozent prognostiziert.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • DIHK-Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2020
  • DIHK-BIP-Prognose
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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