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Deutsche Flughäfen rechnen auch 2021 mit Milliardenverlust


"Es wird ein kalter Winter werden"  

Deutsche Flughäfen rechnen mit Milliardenverlust

28.09.2021, 17:59 Uhr | mak, rtr, dpa, t-online

Deutsche Flughäfen rechnen auch 2021 mit Milliardenverlust. Flugzeuge parken im März 2021 auf dem Rollfeld des BER: Der Flughafenverband ADV rechnet weiterhin mit schwierigen Zeiten. (Quelle: imago images/Stefan Zeitz)

Flugzeuge parken im März 2021 auf dem Rollfeld des BER: Der Flughafenverband ADV rechnet weiterhin mit schwierigen Zeiten. (Quelle: Stefan Zeitz/imago images)

Die Wirtschaft erholt sich vom Corona-Einbruch. Doch die Flughäfen stecken noch immer in der Krise. Auch 2021 erwarten sie einen Riesenverlust – 27.000 Jobs seien in Gefahr.

Die wirtschaftliche Lage an den deutschen Flughäfen bleibt trotz gestiegener Passagierzahlen im Sommer angespannt. Für das laufende Jahr rechnet der Flughafenverband ADV mit einem operativen Gesamtverlust aller Standorte von rund 1,5 Milliarden Euro, wie Ralph Beisel, ADV-Geschäftsführer, am Dienstag in Schönefeld sagte. "Das ist etwas, was uns Sorge macht", so Beisel weiter.

Am Hauptstadtflughafen BER war die Branche zwei Tage lang zu einer Tagung zusammengekommen. 2020 hatte der Verlust aufgrund der eingebrochenen Fluggastzahlen in der Corona-Krise bei 2,1 Milliarden Euro gelegen, nach einem Vorsteuergewinn von rund 800 Millionen Euro 2019.

Im Vorkrisen-Jahr 2019 hatte die Branche noch einen operativen Gewinn von 800 Millionen Euro verzeichnet. Doch selbst in der besten Woche dieses Sommers habe die Zahl der Passagiere an den deutschen Flughäfen nur bei 55 Prozent einer vergleichbaren Woche vor der Krise gelegen, hieß es.

27.000 Flughafen-Jobs in Gefahr

Auch für die Beschäftigten sei die Situation sehr schwierig, so Beisel. Zehn Prozent der 180.000 Jobs sei bereits abgebaut, also 18.000 Stellen, "in ganz großer Mehrheit sozialverträglich". Doch weitere 15 Prozent, also noch einmal 27.000 Jobs seien in Gefahr.

Und die kommenden Jahre könnte es noch schwierig bleiben. Auch 2022 erwarten die Airports trotz des anziehenden Luftverkehrs drastische Einbußen. Die Zahl der Passagiere dürfte immer noch rund 35 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019 liegen.

Erst 2024 bis 2026 rechne man mit diesem Niveau, je nach Airport, sagte  ADV-Präsident Stefan Schulte. "Es geht wieder aufwärts", gab er sich optimistisch. "Die Bevölkerung will wieder fliegen."

Verbandspräsident: "Es wird noch ein kalter Winter werden"

Mittelfristig werde der Luftverkehr in Europa wohl nur noch um zwei bis zweieinhalb Prozent wachsen – und damit weniger als ursprünglich erwartet und weniger als der weltweite Luftverkehr. Mit weiteren Pleiten oder gar Airportschließungen rechnet Schulte indes nicht – mit Paderborn-Lippstadt sowie dem Bodensee-Airport mussten zwei kleinere Flughäfen in der Corona-Krise Insolvenz anmelden und sich sanieren.

"Prognosen darüber abzugeben, wäre nicht ganz statthaft", so Schulte. Die Flughafenchefs machten alles dafür, dass dies nicht geschehen muss. Wichtig sei es aber, dass die Kurzarbeiter-Regeln noch weiter laufen. Stand jetzt laufen die Corona-Ausnahmeregeln für die Kurzarbeit Ende des Jahres aus.

"Es wird noch ein kalter Winter werden", sagte Schulte. Man sei schon froh, wenn 40 Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau kämen. "Am Ende müssen wir aber unsere Kosten in Griff behalten. Fürs erste Quartal des nächsten Jahres sollten wir noch die Kurzarbeiterregeln in Anspruch nehmen können, damit wir nächstes Jahr mit unserer motivierten Belegschaft durchstarten können", sagte Schulte auch mit Blick auf eine neue Regierung.

Unterstützung für klimaneutrale Airports

Zuversichtlich äußerte sich der Verbands-Chef zum wieder anziehenden Markt für Geschäftsreisen. Hier werde man in den nächsten zwei, drei Jahren aber wohl nur 70 bis 80 Prozent des ursprünglichen Niveaus erreichen. Derweil liege die Luftfracht wieder über dem Stand aus der Vor-Corona-Zeit, nicht zuletzt wegen Lieferengpässen bei wichtigen Industrieprodukten auf dem Seeweg.

Während der bundesweiten Sommerferien vom 19. Juni bis 12. September zählten die deutschen Flughäfen 28,6 Millionen Passagiere. Das waren zwar fast 15 Millionen mehr als vor einem Jahr, aber nur 52 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Im gesamten ersten Halbjahr lag die Passagierzahl noch 86 Prozent unterm Vorjahr – es gab so wenig Fluggäste wie zuletzt 1971.

Von der künftigen Bundesregierung wünschen sich die Flughäfen Unterstützung, um den Luftverkehr klimaneutral zu machen. Die Bemühungen auf EU-Ebene müssten aber wettbewerbsneutral sein – dürften also die europäische Luftfahrtbranche nicht benachteiligen, mahnte Schulte. "Es kann nicht sein, dass es ein Konjunkturprogramm für den Nahen und Mittleren Osten wird."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Pressekonferenz ADV in Berlin
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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