• Home
  • Wirtschaft & Finanzen
  • Unternehmen & Verbraucher
  • Unternehmen
  • Flughafen Frankfurt-Hahn: So reagiert die Region auf die Insolvenz


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextEM-Aus fĂŒr WeltfußballerinSymbolbild fĂŒr einen TextGasstreik in Norwegen: Regierung greift einSymbolbild fĂŒr einen TextNeue Erkenntnisse ĂŒber US-SchĂŒtzenSymbolbild fĂŒr einen TextTennis: Das ist Marias Halbfinal-GegnerinSymbolbild fĂŒr einen TextBahn: Brandbrief von MitarbeiternSymbolbild fĂŒr einen TextSportmoderatorin stirbt mit 47 JahrenSymbolbild fĂŒr einen TextNicky Hilton ist Mutter gewordenSymbolbild fĂŒr einen TextSpanische Königin hat CoronaSymbolbild fĂŒr einen TextRubel verliert deutlich an WertSymbolbild fĂŒr einen TextWilliams' Witwe enthĂŒllt DetailsSymbolbild fĂŒr einen TextFrau uriniert neben Gleis: Hand gebrochenSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserFC Bayern vor nĂ€chstem Transfer-HammerSymbolbild fĂŒr einen TextSpielen Sie das Spiel der Könige

"Die Insolvenz kam wie ein Donnerschlag"

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft, Lautzenhausen

Aktualisiert am 04.11.2021Lesedauer: 5 Min.
Frankfurt-Hahn: Der Airport ist seit Mitte Oktober 2021 insolvent.
Frankfurt-Hahn: Der Airport ist seit Mitte Oktober 2021 insolvent. (Quelle: Kloft/T-Online-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist insolvent. Doch vor Ort in Lautenhausen fĂŒrchten die Menschen keine Schließung. Im Gegenteil: Sie wollen die Pleite als Chance nutzen.

Walter Hitthaler kann man gut und gerne als regionales Urgestein bezeichnen. Der 84-JĂ€hrige, graue Haare, blauer Arbeitsmantel, betreibt seit 48 Jahren einen Gastronomiebetrieb am Flughafen Frankfurt-Hahn, im 400-Seelen-Ort Lautzenhausen im HunsrĂŒck.

UrsprĂŒnglich war sein GeschĂ€ft ein Imbiss fĂŒr die Amerikaner am einstigen US-MilitĂ€r-Airport, Name: "Walters Futterkrippe". 2004 hat er ein Hotel aufgebaut, das "Airport-Hotel Fortuna", drei Sterne, 18 Mitarbeiter. Auch einen Shuttle zum wenige Hundert Meter entfernten Flughafen bietet Hitthaler an.

Trotz der rÀumlichen NÀhe und dem "Flughafen" im Namen des Hotels war der Hitthaler nicht schockiert, als die Meldung kam, der Airport Hahn sei insolvent. "Der Flughafen Hahn hat schon immer Höhen und Tiefen durchlebt", sagt er im GesprÀch mit t-online. "Wegen der Insolvenz mache ich mir keine Sorgen."

Das "Airport-Hotel Fortuna" betreibt Walter Hitthaler seit 2004, mittlerweile arbeiten dort 18 Menschen.
Das "Airport-Hotel Fortuna" betreibt Walter Hitthaler seit 2004, mittlerweile arbeiten dort 18 Menschen. (Quelle: Kloft/T-Online-bilder)

Suche nach Investoren beginnt

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist – je nach ZĂ€hlung – einer von rund 20 kleineren RegionalflughĂ€fen in Deutschland, die meistens von Kommunen oder BundeslĂ€ndern betrieben werden. Nicht erst seitdem der Luftverkehr in der Corona-Krise eingebrochen ist, kĂ€mpfen viele von ihnen mit finanziellen Schwierigkeiten. Der Airport Hahn im HunsrĂŒck bildet da keine Ausnahme.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Trump droht Republikanern mit Überrumpelung
Donald Trump: Unter den AnhĂ€ngern der Republikaner ist der Ex-PrĂ€sident noch immer der beste Kandidat fĂŒr die Wahl 2024.


Steht der Flughafen deshalb vor dem Aus? Walter Hitthaler glaubt nicht daran. "Ich bin mir sicher, dass sich ein Investor finden wird", sagt er. Denn der Airport habe einiges zu bieten, meint er.

Das sieht der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner Ă€hnlich. So darf der Airport 24 Stunden lang betrieben werden, ein richtiges Nachtflugverbot gibt es nicht. Auch die Lage Hahns sei sehr gĂŒnstig, die Anbindung gut.

"Das sind Punkte, mit denen wir Investoren ermutigen können", sagte Plathner am Mittwoch vor Journalisten. Kommende Woche solle der Investorenprozess gestartet werden, einige potenzielle Geldgeber hÀtten sich bereits kurz nach dem Insolvenzantrag gemeldet, so Plathner.

"Das kam wie ein Donnerschlag"

Der Airport Frankfurt-Hahn gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Großkonzern HNA. Dieser hatte die Unternehmensanteile 2017 fĂŒr rund 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Die restlichen 17,5 Prozent hĂ€lt das Land Hessen.

Die Bezeichnung des Airports mit dem Namen der Mainmetropole ist dabei kaum mehr als ein Marketing-Trick: Der Flughafen ist rund anderthalb Autostunden von Frankfurt entfernt. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen, die eigentlich zum Luftdrehkreuz Frankfurt am Main wollten, in Lautzenhausen landen.

Karl-Heinz Heinrich: Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Airport Hahn arbeitet in der Flughafenfeuerwehr. Er will die Insolvenz als Chance betrachten.
Karl-Heinz Heinrich: Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Airports Hahn arbeitet in der Flughafenfeuerwehr. Er will die Insolvenz als Chance betrachten. (Quelle: Kloft/T-Online-bilder)

Zuletzt hatte die Festnahme der FĂŒhrungsspitze der finanziell angeschlagenen HNA Group fĂŒr Aufsehen gesorgt, der chinesische Konzern rutschte bereits Anfang des Jahres in die Insolvenz. Der HunsrĂŒck-Flughafen betonte damals noch, dies habe keine Auswirkungen auf das eigene GeschĂ€ft. Der Airport sei auf gutem Kurs, hieß es auch Anfang Oktober.

Doch dem war offenbar nicht so: Rund zwei Wochen spĂ€ter meldete der Flughafen Insolvenz an. "Das kam wie ein Donnerschlag", sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Karl-Heinz Heinrich. Umso grĂ¶ĂŸer ist jetzt die Hoffnung, dass es anders wird.

Kritik am chinesischen Eigner ist groß

Denn die Kritik am HNA-Konzern ist von allen Seiten groß. Heinrich versucht sich diplomatisch auszudrĂŒcken, sagt, es sei viel geplant worden, "doch zu einer Umsetzung kam es nie". Mit einem neuen, finanzkrĂ€ftigen Investor solle sich das Ă€ndern.

Das hofft auch Kerstin Rudat. Die CDU-Kommunalpolitikerin und VorstĂ€ndin der Mittelstandsunion in Rheinland-Pfalz setzt sich seit Jahren fĂŒr einen zukunftsfĂ€higen Flughafen am Platz ein. Ihre Kritik am chinesischen Mutterkonzern fĂ€llt deutlich aus.

Kerstin Rudat: Die CDU-Kommunalpolitikerin will einen zukunftsfÀhigen Airport Hahn.
Kerstin Rudat: Die CDU-Kommunalpolitikerin will einen zukunftsfÀhigen Airport Hahn. (Quelle: Kloft/T-Online-bilder)

"Die Übernahme durch HNA war eine schlechte WundertĂŒte", sagt sie. "Niemand fĂŒhlt sich zustĂ€ndig, die Eigner sind nicht erreichbar, Investitionen werden blockiert. Doch hier kann man viel mehr draus machen." Ein Investor mĂŒsse Geld in die Hand nehmen, fordert sie. Der Flughafen dĂŒrfe nicht zum "TrĂ€umefriedhof" werden, so Rudat.

Image des Billigflieger-Airports

Bislang, auch unter chinesischer FĂŒhrung, galt der Airport Hahn als Drehkreuz fĂŒr Billigflieger, der Platzhirsch im PassagiergeschĂ€ft hieß Ryanair. Einst zĂ€hlte der Regionalflughafen jĂ€hrlich bis zu vier Millionen Passagiere. Mittlerweile ist er davon meilenweit entfernt.

Denn die irische Discounter-Airline verringerte ihr Angebot im HunsrĂŒck und verlagerte FlĂŒge an grĂ¶ĂŸere benachbarte FlughĂ€fen wie Frankfurt am Main und Köln/Bonn. Vom Image des Billigairports mĂŒsse der HunsrĂŒck-Flughafen dauerhaft weg, sagt Rudat. Dagegen könne er sich stĂ€rker aufs FrachtgeschĂ€ft konzentrieren, meint sie.

Ein verblichenes Ryanair-Plakat am Flughafen-Hahn: Die Billigairline galt lange als Platzhirsch in Lautzenhausen.
Ein verblichenes Ryanair-Plakat am Flughafen-Hahn: Die Billigairline galt in Lautzenhausen lange als Platzhirsch. (Quelle: Kloft/T-Online-bilder)

In diesem Segment ging es zuletzt aufwÀrts, der Airport verbuchte beim Frachtverkehr starke ZuwÀchse. Dabei profitierte er unter anderem vom Boom des Onlinehandels und von Container-EngpÀssen im SeegeschÀft wegen der Corona-Krise.

UmweltschĂŒtzer kritisieren Regio-Airports

UmweltschĂŒtzern sind die vielen regionalen FlughĂ€fen trotzdem ein Graus. Der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz (Bund) sprach sich in einer groß angelegten Studie fĂŒr eine sofortige Schließung von sieben deutschen Airports aus. Auch der Flughafen Hahn stand auf der Liste.

Sie leisteten nur geringe BeitrÀge zur KonnektivitÀt, seien dauerhaft von Beihilfen abhÀngig und hÀtten sinkende Passagierzahlen verzeichnet, lautete die Kritik in dem Report, der im August 2020 veröffentlicht wurde.

Der Hahn-Airport hat in der Vergangenheit ebenfalls Beihilfen in Millionenhöhe erhalten, finanziert vom Steuerzahler. Derweil lĂ€uft noch ein Rechtsstreit, ob UnterstĂŒtzungen vom Land Rheinland-Pfalz in den Jahren 2017 und 2018 rechtmĂ€ĂŸig waren.

"Wir brauchen unseren Flughafen"

Anders sieht das – erwartungsgemĂ€ĂŸ – Ralph Beisel. Er ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Flughafenverbands ADV, in dem die deutschen zivil genutzten FlughĂ€fen zusammengeschlossen sind.

"Regionalairports sollten nicht allein nach betriebswirtschaftlichen Kennziffern bewertet werden", sagt er t-online. "Vielmehr ist der Gesamtnutzen fĂŒr die Region ausschlaggebend."

Dunkle Wolken ĂŒber dem Flughafen Hahn: Welche Zukunft hat der Airport?
Dunkle Wolken ĂŒber dem Flughafen Hahn: Welche Zukunft hat der Airport? (Quelle: Kloft/T-Online-bilder)
Loading...
Loading...
Loading...

Auch bei Hahn sei das der Fall, die Region brauche den Flughafen. Zwar arbeiten nur rund 430 Menschen direkt am Flughafen, insgesamt hĂ€ngen aber rund 2.000 Jobs vom Airport ab – in Hotels, ParkplĂ€tzen oder eben im Shuttleservice, entweder vom Parkplatz zum Terminal oder von dort nach Frankfurt am Main.

"Wir sind eben keine Großstadt", so Arbeitnehmervertreter Heinrich. "Wir brauchen unseren Flughafen."

"Der grĂ¶ĂŸte Konkurrent von Hahn ist der Flughafen Luxemburg"

Wie Beisel betont, habe der Flughafen Hahn aufgrund seiner Lage aber noch ein gesondertes Problem. Denn: "Der grĂ¶ĂŸte Konkurrent von Hahn ist der Flughafen Luxemburg."

Anders als hierzulande mĂŒsse der Airport dort keine LuftsicherheitsgebĂŒhr fĂŒr die Passagier- und HandgepĂ€ckabfertigung an den Staat zahlen, auch eine Luftverkehrssteuer wie in Deutschland falle nicht an. "Das ist eine nicht hinnehmbare Wettbewerbsverzerrung", sagt er.

Ein Ticket koste so rund 20 Euro mehr, wenn der Airport die GebĂŒhren auf die Kunden abwĂ€lze. "WĂ€ren diese nationalen Sonderbelastungen nicht, könnte der Flughafen Hahn viele neue Strecken gewinnen und damit Einnahmen erzielen."

Beihilfen-Regelung lÀuft aus

Dass der Flughafen in Zukunft schwarze Zahlen schreibt, erwartete die Airport-GeschĂ€ftsfĂŒhrung noch vor der Pleite. Anfang Oktober hieß es vom Flughafen, "dass bis zum Jahr 2024 ein positives Konzernjahresergebnis erreicht werden kann". Das Datum ist nicht ohne Grund gewĂ€hlt. Denn danach dĂŒrfen FlughĂ€fen gemĂ€ĂŸ EU-Recht generell keine staatlichen Subventionen mehr bekommen.

Fraglich ist aber, ob die EU das tatsĂ€chlich durchsetzt. Überlegungen, die Frist um einige Jahre nach hinten zu verschieben, gibt es derweil schon.

Der Grund: SĂ€mtlichen FlughĂ€fen in der EU, die in weniger als drei Jahren nicht auf eigenen Beinen stehen, sondern auf staatliche Beihilfen angewiesen sind, droht dann die Schließung. Hahn soll nicht dabei sein, so die Hoffnung.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
CDUDeutschlandFlughafenFlughafen Frankfurt-HahnInsolvenzRyanair
Ratgeber

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website