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Gaskrise: Jetzt stürmen die Deutschen den Brennholzhandel – "Es herrscht Panik"


Jetzt stürmen die Deutschen den Brennholzhandel

Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 13.07.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ein Brennholzhändler lädt Stammholz von seinem Transporter ab: Brennholz ist derzeit vielerorts ausverkauft.
Ein Brennholzhändler lädt Stammholz von seinem Transporter ab: Brennholz ist derzeit vielerorts ausverkauft. (Quelle: ULMER Pressebildagentur/imago-images-bilder)
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Zu Beginn von Corona war es das Klopapier, nun sind es Kaminöfen und Brennholz: Aus Sorge vor einer Gaskrise decken sich die Deutschen mit Holzscheiten ein.

Holzöfen und Brennholz sind im Zuge des Ukraine-Krieges bundesweit Mangelware geworden. Ofenbauer und Installateure können sich nach Branchenangaben kaum vor Aufträgen besorgter Kunden retten, die eine zusätzliche Heizmöglichkeit in Haus oder Wohnung einbauen wollen. Entsprechend viel Zeit müssen derzeit auch Menschen mitbringen, die einen Holzofen installieren möchten.

"Durchschnittlich dauert es im Moment mindestens drei Monate, bis ein Ofenbauer überhaupt auf einen Kundenwunsch eingehen kann und ein entsprechendes Angebot vorlegen kann", sagt Frank Ebisch, Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), t-online. Zum Teil sei die Wartezeit sogar deutlich länger und liege bei bis zu einem Jahr.

  • Gasheizung ersetzen: Diese Alternativen gibt es

"Dass dann in diesem Jahr noch mit dem Einbau begonnen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Die derzeitige Auslastung ist einfach zu groß. Die Betriebe arbeiten schon am Anschlag", so Ebisch weiter.

Auch Brennholz ist Mangelware

Doch nicht nur Öfen sind gefragt. Auch die Brennholzhändler stehen bundesweit einem Kundenansturm gegenüber und können die exorbitant gestiegene Nachfrage vielerorts nicht mehr bedienen. "Der Markt ist wie leer gefegt", sagt Klaus Egly, Erster Vorsitzender des Bundesverbands Brennholz, im Gespräch mit t-online. "Es gleicht einem Glücksfall, wenn man jetzt noch Brennholz bekommt."

Auslöser der Engpässe sind sowohl die sprunghaft gestiegenen Gas- und Heizölpreise sowie die Sorge, dass die Heizung im nächsten Winter gänzlich kalt bleiben könnte. Egly sagt: "Die Deutschen haben Angst, dass die Heizung im Winter aus bleibt. Es herrscht Panik." Allerdings sehe er große regionale Unterschiede. Besonders in Ballungszentren sei es schwer, noch Brennholz zu beschaffen.

Auch ZVSHK-Sprecher Ebisch sagt, die Menschen seien "völlig verunsichert": "Wird das Gas noch fließen im Winter? Wie teuer wird das dann? Welche Alternativen habe ich?" Holz als heimischer Energieträger werde da "zur echten Alternative auch jenseits des schon immer beliebten Wohlfühlfaktors durch Kaminfeuer".

Lieferprobleme bei Elektronik und Schamottsteinen

Das Problem dabei: Wie andere Handwerksberufe und die Industrie leiden auch Ofenbauer unter Lieferproblemen. Das verzögert die Abarbeitung der Aufträge zusätzlich. Betroffen sind demnach nicht nur importierte Teile, von denen viele aus China kommen. In neuen Öfen seien inzwischen auch elektronische Teile verbaut, die zum Beispiel die Verbrennungsluft elektronisch steuern, so Ebisch.

"Auch hier gibt es momentan Engpässe, genau wie bei feuerfesten Schamottsteinen, mit denen der Feuerraum eines Ofens ausgekleidet wird", sagt Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima.

Beim Brennholz hat der Mangel eine andere Ursache. "Holz war noch nie unendlich", so Egly. "Es gab immer mal wieder Jahre, in denen es ausverkauft war und es nur schwer war, Brennholz zu bekommen."

"Heimische Waldwirtschaft kann nicht mehr liefern"

Zurzeit sei der Markt leergekauft. Denn: Brennholz muss aufwendig getrocknet werden, kann also nicht schnell nachproduziert werden. Ohnehin gelte: "Wir sind an einem Punkt, an dem die heimische Waldwirtschaft nicht mehr liefern kann."

Im Bundesverband Brennholz sind rund 100 Unternehmen organisiert, die nach Eglys Worten fast ausschließlich Brennholz aus einheimischer Produktion vermarkten. Er geht davon aus, dass sich der Markt kommendes Jahr wieder beruhigt.

Holz hat sich verteuert

Bis dahin aber wird es für Verbraucher teuer. Die hohe Nachfrage sowie die Teuerung bei Brennstoffen machen auch vor Kaminholz und Pellets nicht Halt. Deren Durchschnittspreis hat sich nach Daten des Deutschen Pelletinstituts seit Januar 2021 fast verdoppelt – von damals 238,05 Euro auf 431,56 Euro pro Tonne im Juni. Die Kosten pro Kilowattstunde sind aber laut Pelletinstitut immer noch erheblich niedriger als für Öl- oder Gasheizungen.

Manchen Umweltschützern sind Kaminöfen seit Jahren ein Dorn im Auge. Zwar gilt das Verbrennen von Holz im Prinzip als klimaneutral, weil dabei nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie der Baum im Laufe seines Lebens aufgenommen hat. Allerdings ist die Voraussetzung dafür, dass auch Bäume in entsprechender Zahl nachwachsen.

Pellets zählen deshalb zu den erneuerbaren Energieträgern, für die Installation einer Pelletheizung gibt es staatliche Zuschüsse. Scheitholz gilt als problematischer. Insbesondere in alten, nicht emissionsarmen Öfen entstehen Ruß und andere Schadstoffe, warnt das Umweltbundesamt. Sofern die Ofenbesitzer sich rechtzeitig mit Holz eindecken können, werden in vielen deutschen Wohngebieten die Öfen im kommenden Winter dennoch mutmaßlich häufiger angezündet als bisher.

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Heizung warten lassen

Wie lange der Ansturm auf die Holzöfen noch anhält, sei dagegen "ein Blick in die Glaskugel", sagt Ebisch. "Aber die Politik schwört ja die Menschen schon heute beim Heizen auf eine schwierige Versorgungslage im Winter ein. Es geht jetzt also vor allem darum, Heizenergie und Heizkosten zu sparen."

Sein Rat: "Helfen kann die Wartung und die Optimierung der Heizungsanlage. Deshalb der Tipp, sich dazu an den Heizungsbauer vor Ort zu wenden." Die Betriebe würden versuchen, alles möglich zu machen, um hierbei – auch unter Vollauslastung – zu helfen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Klaus Egly, Brennholz-Verband
  • Schriftliches Statement von Frank Ebisch, ZVSHK
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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Von Rahel Zahlmann, Arno Wölk
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