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Nicht ins Altpapier: So giftig sind Kassenbons - auch die blauen Öko-Bons


Wie giftig ist der blaue Öko-Kassenbon?

  • Jennifer Buchholz
Von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 26.08.2021Lesedauer: 4 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Öko-Kassenbon: Das blaue Thermopapier soll besser für die Umwelt und die Gesundheit sein.
Öko-Kassenbon: Das blaue Thermopapier soll besser für die Umwelt und die Gesundheit sein. (Quelle: T-Online-bilder)
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Es besteht Bonpflicht in Deutschland – dabei wollen viele den Kaufbeleg gar nicht mitnehmen. Damit tun sie ihrer Gesundheit etwas Gutes. Denn oft ist das Papier nicht so harmlos, wie es aussieht.

Das Wichtigste im Überblick


  • Kassenzettel sind giftig
  • BPA wird durch andere giftige Stoffe ersetzt
  • Weitere schädliche Stoffe in Kassenzetteln möglich
  • Sind blaue Öko-Kassenbons wirklich besser?

Kassenbons, Fahrkarten aus Automaten oder Eintrittskarten werden häufig auf Thermopapier gedruckt. Dieses Papier ermöglicht das Erstellen von Belegen, ohne dass weitere Verbrauchsmaterialien wie beispielsweise Toner benötigt werden. Praktisch – aber gefährlich für die Gesundheit.

Kassenzettel sind giftig

Die wärmeempfindliche Schicht auf dem Papier beinhaltet hohe Mengen des gesundheitsschädlichen Bisphenol A (BPA). Dieser hormonelle Wirkstoff steht im Verdacht

  • krebserregend zu sein,
  • zu Unfruchtbarkeit zu führen,
  • die Pubertät frühzeitig auszulösen,
  • brüchige Zähne zu begünstigen,
  • Diabetes zu fördern,
  • Stoffwechselstörungen zu verursachen,
  • das Immunsystem zu schwächen,
  • Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern auszulösen.

Bei Babys und Kleinkindern soll die Aufnahme von BPA zu Asthma führen.

Handelsübliches Thermopapier enthält zwischen 0,5 und 3,2 Prozent nicht an das Papier gebundenes BPA – der Stoff bleibt dementsprechend leicht an der Haut haften und kann so in den Organismus gelangen.

Da BPA über die Haut aufgenommen wird, gelangen bedeutsame Mengen des gesundheitsschädlichen Stoffs in den Organismus. Noch schneller erfolgt die Aufnahme über die Haut, wenn Sie Ihre Hände vorher mit Seife gewaschen, desinfiziert oder eincremt haben. Pflege- und Hygieneprodukte hinterlassen einen Film auf der Haut, welcher das BPA zusätzlich auflöst.

Dass BPA schädlich für den menschlichen Organismus ist, bestätigt auch das Umweltbundesamt.

So verringern Sie die Aufnahme von BPA

Doch nicht nur Thermopapier enthält BPA. Auch andere Produkte sind deutlich mit dem gesundheitsschädlichen Stoff versetzt. Um Ihre Belastung durch Bisphenol A zu verringern, reichen bereits kleine Änderungen im alltäglichen Leben:

  • Kaufen Sie unverpackte und frische Lebensmittel.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel in Konserven.
  • Lagern Sie Ihre Lebensmittel in Glas-, Keramik oder Stahlbehältern.
  • Vermeiden Sie Getränke aus Plastikflaschen – greifen Sie stattdessen zu Glasflaschen. Auch Milchtüten, mikrowellengeeignetes Geschirr und andere Verbundstoffverpackungen enthalten Bisphenol A.
  • Waschen Sie Ihre Hände, nachdem Sie Bankauszüge, Kassenbons und Fahrkarten angefasst haben.
  • Vermeiden Sie Produkte aus Plastik, die mit "PC" oder "Code 7" gekennzeichnet sind.

Auch in Mobiltelefonen, Nagellack, Klebstoff, Zahnversiegelungen, Sonnenbrillen und Motorradhelmen ist BPA enthalten.

BPA wird durch andere giftige Stoffe ersetzt

Seit Anfang 2020 ist Bisphenol A zumindest in Kassenzetteln verboten. Dennoch gibt es zahlreichen Hersteller, die weiterhin Papier mit dem schädlichen Inhaltsstoff benutzen oder auf den Ersatzstoff Bisphenol S zurückgreifen. Das ergaben Untersuchungen des Instituts für Angewandte Umweltforschung (IfAU).

Bisphenol S
Bisphenol S (BPS) steht, ähnlich wie Bisphenol A, in dem Verdacht, sich auf den Hormonhaushalt des Menschen auszuwirken. Es wird vermutet, dass BSP noch schädlicher als BPA sein könnte.

"30 Prozent der untersuchten Proben enthielten den Ersatzstoff BPS in einer Konzentration von 0,6 bis 1,2 Prozent. Es ist demnach festzustellen, dass das Verbot von BPA ganz überwiegend zu einem Ausweichen der Hersteller von Thermopapier auf [...] BPS geführt hat", so das IfAU. Einige Hersteller gaben auf Rückfrage dazu an, zuerst die Restbestände aufbrauchen zu wollen.

t-online.de hat mehrere Hersteller von Thermopapier zu einer Stellungnahme angefragt, inwiefern sie auf die giftigen, chemischen Bestandteile verzichten. Allerdings hüllen sich viele Unternehmen in Schweigen. Sie geben an, dass es sich hierbei um ein Betriebsgeheimnis handelt.

Weitere schädliche Stoffe in Kassenzetteln möglich

Doch nicht nur BPS wird als Ersatzstoff für das schädliche BPA eingesetzt. In anderen Ländern verwenden laut der Europäischen Chemikalienbehörde (ECHA) einige Hersteller von Thermopapier Entwicklerstoffe, die in Untersuchungen nicht weiter spezifiziert werden konnten. Es wird davon ausgegangen, dass diese ebenfalls bedenkliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben könnten.

Zwei weitere Ersatzstoffe – sowohl für BPA als auch für BPS – sind Pergafast 201 und D-8. Sie verfügen über ähnliche Eigenschaften, wie die verbotenen Chemikalien. Zwar werden Pergafast 201 und D-8 als weniger risikoreich beworben, sie sollen sich jedoch ebenfalls negativ auf den menschlichen Organismus und die Umwelt auswirken, laut der amerikanischen Umweltbehörde EPA.

Sind blaue Öko-Kassenbons wirklich besser?

Einige Supermärkte, darunter Edeka, denn's Bio und Netto, setzen auf sogenanntes ökologisches Thermopapier. Dieses soll, laut Hersteller, ohne chemische Entwicklerstoffe – also auch BPA und BPS – auskommen. Kunden können die alternativen Kassenbelege an der Farbe erkennen: Sie sind blau.

Ein Hersteller von ökologischem Thermopapier, Ökobon GmbH, erklärt im Gespräch mit t-online, woraus seine ungiftige Alternative zum Kassenbeleg besteht: aus einem Basispapier, einer schwarzen Farbschicht und einer opaken (lichtundurchlässige) Deckschicht. "Die opake Schicht besteht hauptsächlich aus Kalk, Wachs und hohlen Polymerpigmenten", so das Unternehmen. Aufgrund dieser Zusammensetzung seien sie unschädlich.

Einschätzung von Experten
Die genauen Inhaltsstoffe der schwarzen Farbschicht oder der Polymerpigmente sind nicht bekannt – auch nicht dem Bundesinstitut für Risikobewertung. Trotz der laut Hersteller ökologischen Bestandteile des Thermopapiers könnte es jedoch bei dem Kontakt zwischen Thermo-Druckkopf und Deckschicht beziehungsweise Thermopapier zu einer Reaktion kommen, bei der neue Substanzen entstehen. Das Umweltbundesamt hält die Aussagen des Herstellers für seriös und glaubwürdig: "Es wird ein ganz anderes Herstellungsprinzip bzw. Farbauslöseprinzip für diese alternativen Thermopiere verwendet. Dafür sind die klassischen phenolhaltigen Farbentwickler nicht erforderlich", heißt es auf Nachfrage von t-online..

Ein weiterer Vorteil von ökologischem Thermopapier: Häufig ist es FSC-zertifiziert und kann, laut verschiedener Hersteller, sowohl im Altpapier als auch im Kompost entsorgt werden. Zudem soll der Kontakt zwischen dem Öko-Kassenbeleg und Lebensmitteln, zumindest laut Ökobon, unbedenklich sein.

Öko-Bon entsorgen
Laut dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) sind auch die blauen Öko-Quittungen nicht einfach in der Entsorgung. Denn sie enthalten oft Pigmente, "die beim Recycling dem Papier nicht entzogen werden können und daher den Prozess bei der Herstellung von hellem Papier stören können", erklärt der Verband – allerdings nur in sehr großen Mengen. Verbraucher können einzelne Bons ruhig in den Altpapiercontainer geben. heißt es.

Was macht Thermopapier so besonders?

Kassenbons, Fahrkarten aus Automaten oder Eintrittskarten werden häufig auf Thermopapier gedruckt. Dieses Papier ist mit einer speziellen wärmeempfindlichen Schicht versehen, welche Pigmente, Farbbildner, Entwickler, Binder und andere Hilfsstoffe enthält. Unter Einwirkung von Hitze bildet sich der schwarze Farbstoff. Dies hat den Vorteil, dass der Thermodruck im Gegensatz zu anderen Druckverfahren ohne weitere Verbrauchsmaterialien wie beispielsweise Toner auskommt. Auch die Lebensdauer ist deutlich höher. Aufgrund der Beschichtung dürfen diese Produkte allerdings nicht im Altpapiercontainer entsorgt werden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Bayerisches Landesamt für Umwelt
  • Institut für Angewandte Umweltforschung e.V.
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