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Corona-Zeit: Warum manche Menschen die Regeln nicht befolgen


Warum manche Menschen die Regeln nicht befolgen

Eine Kolumne von Ulrike Scheuermann

19.04.2020Lesedauer: 3 Min.
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Sicherheitsabstand: Zum Schutz vor dem Coronavirus sind mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander vorgeschrieben.
Sicherheitsabstand: Zum Schutz vor dem Coronavirus sind mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander vorgeschrieben. (Quelle: teamwork/imago-images-bilder)
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Die einen halten sich streng an die momentanen Regeln, die anderen besuchen Familie und Freunde oder halten den Abstand nicht ein. Was sind jeweils die Beweggründe? Und was macht das mit uns?

Was geht in den Menschen vor, die sich nicht an die momentanen Regeln halten?

1. Verharmlosen: Hier wird verdrängt – die Risiken und die Tragweite der Regelverletzungen werden nicht ernst genommen. Es findet keine Auseinandersetzung damit statt, was es bedeutet, wenn man die momentanen Abstands- und Hygieneregeln nicht einhält.

2. Sozialer Gruppendruck: Wenn das Umfeld nur halbherzig bei den Regeln mitmacht oder sie ignoriert, steckt das an, wie auch umgekehrt. Der Mensch passt sich gern an das an, was andere tun. Wenn Freunde oder Familie eine verharmlosende und nachlässige Haltung einnehmen, wird diese leicht übernommen. Ein Mal umarmen geht schon – Hab dich doch nicht so. Und schon wäre man in dieser Gruppe der Spielverderber, will keine pingelige Mimose sein, hat vielleicht sogar Angst davor, sozial ausgeschlossen zu werden. Menschen wollen dazu gehören, der Wunsch nach Anpassung ist immer da.

3. Pochen auf die persönliche Freiheit: Diejenigen unterliegen oft dem Irrtum, dass hier die Grundrechte nach und nach eingeschränkt würden, mit der Aussicht, irgendwann in einer Diktatur zu landen. Dass die momentan persönlichen Einschränkungen rechtlich im Rahmen unserer demokratischen Verfassung stattfinden und einem zeitlich begrenzten Ausnahmezustand zum Schutz von vielen Leben geschuldet sind, gerät aus dem Blick.

4. Egoismus: "Ich bin keine Risikogruppe und kriege höchstens einen Schnupfen, wieso sollte ich mich einschränken?". Hier steht der egoistische Wunsch nach schneller Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund. Egoistische Menschen sind es gewohnt, ihre Wünsche und Bedürfnisse rasch befriedigt zu bekommen. Das haben wir in unserer Konsumgesellschaft und in wohlhabenden Lebensverhältnissen gelernt.

Was geht in Menschen vor, die sich an die Regeln halten und diese Reaktionsweisen bei anderen erleben und beobachten?

  • Ärger und Empörung: "Die halten sich nicht an die Regeln, während ich mich hier abmühe und einschränke – das ist ungerecht." Dann wünscht man sich, dass diese Regelbrecher für ihre Nachlässigkeit belangt, mit Ermahnungen oder Bußgeldern bestraft werden. Der Impuls, sie anzuzeigen, entsteht. Streitigkeiten kommen auf, bisher gute, friedliche Nachbarschaften werden beschädigt und Fronten verhärten sich – leider nicht mit der erhofften Einsicht und Besserung des anderen.
  • Selbst nachlässig werden: "Wenn die sich nicht daran halten, dann nehme ich es jetzt auch lockerer."

All das schätze ich in der momentanen Situation als fatal ein. Denn: Wer sich angegriffen fühlt, wird trotzig und macht trotzdem – oder gerade so weiter, wie bisher. Und wenn die bisher fast durchgängige Disziplin beim Einhalten der Abstandsregeln immer mehr bröckelt, weil immer mehr Leute denken "Na, dann mache ich auch nicht mehr mit", dann würde das dazu führen, dass die strengen Maßnahmen verlängert werden müssten. Denn es besteht die Gefahr, dass die Infektionsraten sich ungünstig entwickeln. Und das würde dazu führen, dass mehr Menschen sich anstecken und damit auch mehr Menschen schwer an Covid-19 erkranken.

Was sollten wir in dieser Situation tun?

Wer sich nicht am Verhalten anderer, sondern an seinen eigenen Werten und seinem Gewissen orientiert, wird unabhängig von dem, was andere tun. Halten Sie sich immer wieder vor Augen, warum wir die Mühen des Abstandhaltens auf uns nehmen.

Denken Sie daran, wozu und für wen Sie sich an die Kontaktbeschränkungen halten: Um sich und andere vor Infektion und Erkrankung zu schützen. Um etwas zum Gemeinwohl beizutragen und mit den meisten anderen Menschen im Land zusammen zu stehen.

Fragen Sie sich, um sich Ihre Werte zu vergegenwärtigen:

  • Wie gucke ich in einem Jahr in den Spiegel, wenn ich mich an mein Verhalten im März 2020 erinnere?
  • Wie denke ich über mich bei einer Worst-Case-Entwicklung der Erkrankungs- und Totenzahlen?
  • Kann ich mit gutem Gewissen sagen, ich habe meinen Beitrag geleistet?

Wir sollten nicht den wenigen Menschen, die die Regeln missachten, die Macht darüber geben, dass wir uns ärgern oder sogar unsere Überzeugungen über Bord werfen. Wenn Sie Ihre Energie in Empörung und Aufregung über diese Menschen investieren, haben Sie weniger Kraft für Wichtiges zur Verfügung: die Belastungen jetzt gerade so gut wie möglich durchzustehen.

Ulrike Scheuermann ist Diplom-Psychologin und Bestsellerautorin. Seit 25 Jahren hilft sie Menschen dabei, gut für sich zu sorgen. Ihre Self-Care-Programme finden in ihrer Akademie in Berlin statt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Ulrike Scheuermann
  • Das Asch-Experiment zur Beeinflussung in Gruppen
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