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Untreue des Partners: So wird der Seitensprung nicht zum Beziehungskiller

MEINUNGTrennen oder verzeihen?  

So wird der Seitensprung nicht zum Beziehungskiller

Eine Kolumne von Ulrike Scheuermann

04.07.2021, 14:51 Uhr
Untreue des Partners: So wird der Seitensprung nicht zum Beziehungskiller. Betrug: Meist ist es nicht sinnvoll, nach Details zu fragen.  (Quelle: Getty Images/GlobalStock)

Betrug: Meist ist es nicht sinnvoll, nach Details zu fragen. (Quelle: GlobalStock/Getty Images)

Jeder Dritte ist schon einmal fremdgegangen. Das sichere Ende der Beziehung? Nicht unbedingt. Wie es danach weitergehen kann und wie Sie es gar nicht erst so weit kommen lassen.

Rund ein Drittel von uns hat es schon getan. Wenn in einer festen Paarbeziehung ein Seitensprung oder eine länger dauernde Affäre ans Licht kommt, bedeutet das: Krise. Und sogar häufig das Ende der Beziehung. Es gibt aber Möglichkeiten, die Beziehungskrise als Chance für eine Weiterentwicklung der Partnerschaft zu sehen. Warum gehen wir fremd? Was kann man tun, wenn die Partnerin oder der Partner fremdgegangen ist?  

Laut einer bevölkerungsrepräsentativen Studie von ElitePartner (2020) mit rund 13.000 Befragten war jede zweite Person in Deutschland schon einmal untreu oder in Versuchung. Knapp jede dritte Person ist schon einmal fremdgegangen (31 Prozent der Frauen, 29 Prozent der Männer). Tendenz steigend, vor allem bei Frauen. 2012 war es gerade einmal jede fünfte Person. Trotzdem verdrängen viele Paare das Thema und gehen davon aus oder hoffen, dass es sie nicht trifft.

Wenn doch, fallen sie aus allen Wolken und es gibt tiefe Verletzungen mit schmerzlichen Reaktionen auf beiden Seiten. Für die Person, die vom Seitensprung des Partners erfährt, sind das oft Wut und bittere Vorwürfe, Vertrauensverlust, Eifersucht, Selbstzweifel und Verlustangst. Für die Person, die fremdgeht, sind es häufig Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und ebenso Verlustangst.

Wenn ein Seitensprung ans Licht kommt

Erst einmal heißt es, tief durchzuatmen, sich zu beruhigen und nicht gleich auf den anderen loszugehen. In der Regel ist es am besten, eine Nacht darüber zu schlafen, oder auch mehrere. Der Schlaf heilt mit seinen emotionstherapeutischen Funktionen viele Wunden. Außerdem hilft es, erst einmal mit Freunden und Familie zu reden, um  das Gefühlschaos zu ordnen. Auch professionelle Hilfe für die Einzelnen oder beide zusammen kann entlasten und bei der Klärung helfen.

In dieser Phase sollte man sich fragen: Was brauche ich jetzt? Zum Beispiel: Abstand, getrennte Schlafzimmer – oder auch erst einmal getrenntes Wohnen? Was und wie detailliert will ich vom anderen etwas wissen? Was ist gut für uns beide? Oft ist es besser, sich für Gespräche außerhalb der gemeinsamen Wohnung zu treffen. Wenn etwas Beruhigung eingetreten ist, können viele Gespräche mit dem Partner über die aktuelle Situation, aber auch die Beziehung insgesamt folgen, für die man sich viel Zeit nehmen sollte. 

Meist ist es nicht sinnvoll, nach Details zu fragen. Das schafft selten Erleichterung, sondern eher das Gegenteil. Man malt sich ohnehin schon genug aus. Was macht man mit dem Wissen? Es tut noch mehr weh. Ich weiß von vielen Betroffenen, dass sie es später bereuen, weil sie die Bilder nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Um nicht genauer nachzufragen kann es helfen, sich in die Zukunft versetzen: Wie fühle ich mich, wenn ich weiß, dass er oder sie das mit jemand anderem getan hat?

Ein Seitensprung muss nicht das Ende für eine Beziehung sein

Grundsätzlich ist für einen besonnenen Umgang mit der Situation folgender Gedanke hilfreich: Ein Seitensprung muss noch lange nicht das Aus für die Beziehung bedeuten. Er kann ein Anzeichen sein. Zum Beispiel dafür, dass man an der Beziehung arbeiten muss, zu viel im Alltag schleifen lassen hat. Es kann aber auch sein, dass es nichts mit der eigenen Person zu tun hat. Das ist wichtig, um nicht in ein Selbstwertloch zu fallen. Und manchmal geht es auch darum, eine Verliebtheit des anderen zu überstehen, bis sie wieder abflaut, und dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. 

Frauen haben beim Seitensprung andere Gründe als Männer

Vorweg eine Tatsache, die sich in meiner Arbeit immer neu bestätigt hat: Wenn wir anderen Menschen offen und interessiert begegnen, kann es einfach sein, dass man sich in jemanden verliebt oder/und eine starke körperliche Anziehung erlebt. Auch bei denen, die in ihrer Beziehung glücklich sind, kommt das vor. Ob man dann fremdgeht, ist eine andere Sache. Da spielen Faktoren wie die Stärke der Gefühle, die Persönlichkeit, die eigenen Grundsätze und die Verabredung mit dem Partner eine Rolle.  

Ein Grund kann auch sein, dass einem beim Partner etwas fehlt: Nähe, Abenteuer, Leidenschaft, Sex, Nervenkitzel, Austausch, Interesse. Oder der- oder diejenige braucht mehr Zuwendung, Nähe, liebevolle Aufmerksamkeit oder Bestätigung.

Jede zweite Frau nennt für einen Seitensprung emotionale Gründe und gibt an, dass sie in ihrer Partnerschaft nicht mehr glücklich war, jeder dritten fehlte es an Zuwendung, und ebenso viele geben an, sie hätten sich richtig verliebt, 25 Prozent wollten sich begehrt fühlen. Dagegen scheinen bei Männern eher sexuelle Auslöser eine Rolle zu spielen. So werden 38 Prozent der Männer vor allem aufgrund des Reizes des Neuen untreu, ein Drittel fühlt sich sexuell angezogen oder es ergab sich eine spontane Gelegenheit.

Vorbeugen ist möglich

Vorbeugen können Paare, indem sie sich fortlaufend über ihre Wünsche austauschen und Wege finden, damit umzugehen. Wenn es einem Paar nach einem Seitensprung im Gespräch gelingt, das, was einem oder beiden in der Beziehung fehlt, zu erkennen und zu besprechen, wird dadurch ein anderer Umgang möglich. Es vertieft und verbessert die Beziehung bereits, wenn man von den unterschiedlichen Wünschen weiß.

Man kann darüber auch verhandeln. Manches lässt sich erfüllen, anderes vielleicht nicht. Was macht man dann damit? Es geht nicht darum, dass der Partner alle Wünsche erfüllen sollte. Das kann ein einzelner Mensch nicht und das sollte auch bei einer freien persönlichen Entwicklung nicht das Ziel sein. Jeder Mensch hat seine eigene Entwicklung. Darüber sollten sich beide klar sein. Und dann geht es auch darum, die teilweise zu hohen Erwartungen an den anderen herunterzufahren und sich mit Unzulänglichkeiten bei sich selbst und beim anderen akzeptierend auszusöhnen.

Man kann inspirierte Gespräche mit einem Freund führen, wenn der Partner eher der stille Typ ist oder ins Kino oder tanzen gehen mit einer Freundin, wenn der Partner am liebsten angelt. Oder mit dem Lieblingscousin wandern gehen, wenn die Partnerin lieber Städte bereist oder am Strand liegen will.

Wenn allerdings die Wünsche grundlegend nicht mehr erfüllt werden, kann es sein, dass die Beziehung nicht mehr trägt. Anstatt vorher noch unnötige Verletzungen durch einen Seitensprung zu produzieren, kann man sich dies ehrlich eingestehen und sich trennen.

Zum Vorbeugen gehören gemeinsame Absprachen

Wo Fremdgehen beginnt, was Treue ist, das ist für uns alle anders. Deshalb sollte jedes Paar für sich herausfinden, wo die Grenzen sind, am besten gleich zu Beginn einer verbindlicheren Beziehung. Das kann zu einer festen Verabredung führen, die nicht für beide gleich aussehen muss. Mit Fragen wie: Was wäre, wenn? Was willst du wissen, was will ich wissen? Wie können wir uns unnötige Verletzungen ersparen? Wie war es in früheren Beziehungen bei uns beiden? Bist du eher der treue Typ oder sind dir Seitensprünge nicht fremd? 

Für die eine ist schon der Gedanke des andern an einen Dritten Untreue, für einen anderen ist es ein One-Night-Stand, oder wieder für andere, wenn Verliebtheit, körperliche Nähe und Sex zusammenkommen. Oder auch erst, wenn nach der Verliebtheitsphase langfristige Gefühle entstehen.

Frauen definieren Untreue anders als Männer: Meist reicht für sie schon Flirten oder Küssen. Viele Männer sind erst bei einmaligen Seitensprüngen oder einer dauerhaften Affäre der Meinung, dass es sich um Fremdgehen gehandelt hat. Es gibt auch Paare, die es gegenseitig akzeptieren, mehrere Beziehungen zu haben, und erst wenn die größte Verbindlichkeit der Hauptbeziehung verletzt ist, entsteht Untreue. 

Die passende Beziehungsform ist für jedes Paar so unterschiedlich und individuell, wie wir Menschen und unsere Beziehungen zueinander einzigartig sind. Durch Klärung der eigenen und der Vorstellungen des Gegenübers können Paare gemeinsam zu einer Form finden, in der sie zufrieden, entspannt und mit Freude, Vertrauen und Liebe zusammen sein können.

Ulrike Scheuermann ist Diplom-Psychologin und Bestsellerautorin. Seit 25 Jahren hilft sie Menschen dabei, ihr Leben mit modernsten Methoden der Psychologie innerlich frei und ohne Blockaden besser und gesünder zu gestalten. Ihre Self-Care- und Coaching-Programme finden in ihrer Akademie in Berlin und online statt.

Verwendete Quellen:

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