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Psychologie: Wenn der Partner schwer erkrankt


Wenn der Partner schwer erkrankt

Eine Kolumne von Ulrike Scheuermann

22.08.2021Lesedauer: 6 Min.
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Frau und kranker Mann: Der pflegende Partner sollte sich bei aller Fürsorge selbst nicht vergessen (Symbolbild).
Frau und kranker Mann: Der pflegende Partner sollte sich bei aller Fürsorge selbst nicht vergessen (Symbolbild). (Quelle: kupicoo/getty-images-bilder)
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Eine Diagnose wie Krebs ist immer ein Schock – nicht nur für den Erkrankten, sondern auch für den Partner. Die Erwartungen an ihn sind plötzlich riesig. Wie man sich dabei nicht selbst vergisst.

Plötzlich tritt eine Krebsdiagnose, eine andere lebensbedrohliche Erkrankung oder eine chronische Krankheit in das Leben eines Paares. Wenn die Partnerin oder der Partner schwer erkrankt, ist das für beide ein Schock und meist eine große körperliche und emotionale Belastung, nicht nur für die erkrankte Person. Um langfristig bei Kräften zu bleiben und dem anderen wirklich zu helfen, braucht auch die gesunde Person Stärkung.

Die Paarbeziehung steht durch eine schwere Krankheit vor großen Veränderungen, denn die bisherigen Beziehungsmuster sind überholt. Vielleicht war die jetzt erkrankte Person diejenige, die alles gemanagt und sich eher um die andere gekümmert hat. Jetzt sind die Rollen plötzlich umgekehrt. Oder Nähe und Vertrauen entstanden über gemeinsame Aktivitäten, die jetzt nicht mehr möglich sind. Auch dominieren nun oft existenzielle Sorgen das partnerschaftliche Leben, nicht mehr ein ruhiges, gut eingespieltes Leben mit lieb gewonnenen Gewohnheiten. Es geht darum, die veränderte Situation mit neuen Strategien zu meistern.

Die eigenen Kräfte sind begrenzt

Meist denkt man zuerst einmal an die erkrankte Person. Ihr gilt die Empathie, die tatkräftige und emotionale Unterstützung. Direkt nach einer folgenschweren und eventuell lebensbedrohlichen Diagnose denkt häufig auch die gesunde Person, dass alles wieder gut werden wird. Sie engagiert sich, kümmert sich, informiert sich. Die Ernährung wird umgestellt, man vermittelt Zuversicht, Optimismus und Stärke.

Doch der Anspruch, dies über lange Zeit durchzuhalten, ist in der Regel zu hoch. Man gibt dann mehr, als man eigentlich kann. Das geht eine Zeit lang, aber auf Dauer reichen die Kräfte dafür nicht. Das schafft niemand langfristig, ohne sich selbst zu verausgaben. Genau darin besteht eine große Gefahr, denn dann sind irgendwann beide erschöpft und die Unterstützung wird zur Pflicht, einer oder beide reagieren gereizt oder schuldbewusst, ziehen sich innerlich zurück, mit einer Mischung unterschiedlichster Gefühle. Dadurch entsteht immer mehr Distanz, die die Beziehung belastet.

Auch die emotionale Seite ist wichtig

Neben allem, was sich alltagspraktisch verändert, gibt es auch die emotionale Seite der Bewältigung solch einer Situation. Hier spielt vor allem die Angst vor dem Verlust des Partners eine Rolle, er oder sie könnte sterben, man würde allein zurückbleiben.

Es gibt auch Angst, dass die Partnerschaft und das Leben sich grundlegend zum Negativen verändern. Manches kann man vielleicht nie mehr zusammen machen: Reisen, Sport, kulturelle Unternehmungen. Die finanzielle Situation kann große Angst machen. Oder Fragen wie: Wie soll ich das alles ohne ihn oder sie schaffen, wir haben doch bisher den Alltag gerade mal so gemeinsam bewältigt? Wer kümmert sich jetzt um den Papierkram, den bisher der andere erledigt hat?

Die Situation führt dem Gesunden zudem die eigene Verletzlichkeit und Möglichkeit das Krankwerdens vor Augen. Vorher waren vielleicht beide fit und aktiv. Nun ist man konfrontiert mit einer neuen Realität, die vermittelt: Bei jedem von uns, auch bei mir, kann morgen schon alles anders sein. Auch ich kann jeden Tag erkranken.


Neben oder statt Angst können auch Frust oder Wut auftreten, zum Beispiel in folgender, typischer Situation: Die gesunde Person realisiert, dass sich, trotz aller Bemühungen, die Gesundheit des Partners weiter verschlechtert. Hat man darauf gesetzt, dass man selbst durch sein Verhalten und seine Hilfe eine Besserung erreichen könnte, so bedeutet das eine große Frustration, die erst recht zur Verausgabung und Erschöpfung führt. So entsteht häufig Wut – auf das Schicksal, auf die Krankheit oder sogar auf den Partner.

Der gesunde Partner bleibt häufig allein

Häufig bleibt die Partnerin, der Partner mit diesen schwierigen Emotionen allein, sie bekommt keine emotionale Unterstützung. Sie selbst und andere erwarten, dass sie funktioniert, hilft und der oder dem Erkrankten voll und ganz beisteht. Das kann bis zur Selbstaufgabe gehen.

Die Person steht im Spannungsfeld von Helfen wollen und Hilfe benötigen und bleibt mit ihren eigenen Problemen und Bedürfnissen oft auf der Strecke. Dadurch entsteht langfristig auch eine innere Distanz zur anderen Person. Es ist deshalb sehr wichtig, nicht nur an den anderen zu denken.

Beide brauchen Selbstfürsorge – was Sie jetzt tun können

Was können gesunde Partner tun, um bei Kräften zu bleiben, sich nicht vom Partner oder von der Partnerin emotional zu entfernen und dadurch auch umso besser der anderen Person helfen zu können?

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Achten Sie auf Ihre Kraftgrenzen

Achten Sie in dieser Zeit besonders auf Ihre emotionalen und körperlichen Kraftgrenzen. Wenn Sie Signale des Körpers erkennen, die Ihnen zeigen, dass eine Grenze erreicht ist, nehmen Sie diese unbedingt ernst.

  • Schlafstörungen,
  • mögliche körperliche Symptome wie Verdauungsprobleme,
  • Kopf- oder Rückenschmerzen,
  • emotionale Reaktionen wie Gereiztheit,
  • ungewohnte Wut,
  • häufiges Weinen und
  • allgemein hohes Stress- und Angstniveau

zeigen, dass die Grenzen bereits überschritten sind. Dann ist es Zeit für Innehalten und:

Sorgen Sie für sich selbst

Sorgen Sie jetzt besonders gut für sich. Selbstfürsorge ist nicht egoistisch, sondern die Basis, um anderen wirklich helfen zu können. Auch kurze Momente der Besinnung auf sich sind enorm wirksam: drei Atemzüge lang auf den eigenen Atem achten, und das mehrmals am Tag. Mindestens eine weitere Person an jedem Tag kontaktieren, und sei es nur für ein Fünf-Minuten-Telefonat. Abends eine Viertelstunde Self-Care-Zeit einbauen, in der Sie mit sich sind, den Tag Revue passieren lassen und abschließen, zum Beispiel, indem Sie sich die schönen Momente vor Augen führen (die es immer gibt) und so vor dem Schlafen zur Ruhe kommen.


Holen Sie sich Hilfe

Lassen Sie sich von anderen helfen: Damit nicht alle schwierigen Emotionen beim Partner landen, direkt oder indirekt, sollten Sie mit anderen gut in Kontakt bleiben. Informieren und aktivieren Sie Ihr gesamtes Netzwerk: Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen. Menschen helfen gerne, sie müssen nur wissen, dass – und wie – sie helfen können.

Mit der einen sprechen Sie über Ihre Ängste, Ihren Frust und andere schwierige Gefühle; mit einem anderen reden Sie über praktische Dinge, weil er sich gut auskennt, weil er auch eine kranke Partnerin unterstützt; mit einer dritten Person reden Sie über finanzielle Fragen und die neu auftauchende Möglichkeit, dass sie vielleicht irgendwann allein leben werden. Mit wiederum jemand anderem können Sie sich zu Spaziergängen verabreden ohne viel reden, einfach mal rauskommen und in Bewegung sein, was anderes als die eigenen vier Wände sehen, pausieren von den Sorgen.

Auch professionelle Hilfe ist in solch einer Situation naheliegend. Psychosoziale Beratungsstellen, eine Krisenberatung oder die Telefonseelsorge, bei hoher Belastung auch eine Kurzzeittherapie bieten psychologische, alltagspraktische und seelische Unterstützung. Ebenso Selbsthilfegruppen, in denen sich Angehörige von Schwerkranken treffen und austauschen. Sie bekommen wertvolle Informationen, erfahren, dass andere ähnliche Probleme wie Sie haben und können sich durch den Zusammenhalt und das gegenseitige Mitgefühl von dem sonstigen Dauerstress entlasten und auch außerhalb des Zuhauses einen Ort der Ruhe und des Aufgehobenseins finden.

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Sprechen Sie mit Ihrem Partner

Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin über die jeweiligen Gefühle. Das ist die Basis, um weiterhin gut miteinander in Kontakt zu sein und – oder sogar mehr als sonst – als ein Team zusammen zu sein. Wenn Sie von Ihren Ängsten und anderen Emotionen erzählen, entsteht mehr Verstehen und Sie zeigen damit dem erkrankten Partner auch, dass es nicht nur um ihn geht.

Das kann den anderen auch entlasten, der oder die Erkrankte kann ihr eigenes Leiden relativieren und sich womöglich innerlich stärker fühlen, denn sie ist nicht nur in der Rolle des kranken Opfers, sondern spendet ebenfalls Trost, motiviert, bleibt optimistisch, wenn die gesunde Person das gerade nicht kann. Auch hier muss es nicht immer das stundenlange Gespräch sein.

Denken Sie also immer daran, dass die Notlage des anderen automatisch auch die eigene Notlage ist, wenn man in einer Partnerschaft eng miteinander verbunden ist. Hilfe für den anderen und Hilfe für sich selbst sollten im Gleichgewicht bleiben. Achten Sie darauf, dass Sie bei Kräften bleiben, körperlich und emotional. Eine gute Self Care – Selbstfürsorge – ist die Basis, um gut für andere zu sorgen.

Ulrike Scheuermann ist Diplom-Psychologin und Bestsellerautorin. Seit 25 Jahren hilft sie Menschen dabei, gut für sich zu sorgen. Ihre Self-Care-Programme finden in ihrer Akademie in Berlin statt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Ulrike Scheuermann: Self Care – Du bist wertvoll: Das Selbstfürsorge-Programm. Knaur Balance, Argon Hörbuch, 2019.
  • Ulrike Scheuermann: Immunbooster Selbstliebe – Das Praxisprogramm für starke Nerven und ein gesundes emotionales Gleichgewicht. Natürliche Stärkung des Immunsystems. Knaur Balance/Argon Hörbuch, 2021.
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