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Viagra ohne Rezept: Die Freigabe hätte Vor- und Nachteile

Von dpa
Aktualisiert am 18.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Am 25.
Am 25. Januar ber√§t ein Expertengremium der Arzneimittelbeh√∂rde BfArM √ľber die Entlassung des Wirkstoffs Sildenafil aus der Verschreibungspflicht. (Quelle: Richard Drew/AP/dpa./dpa)
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Bonn (dpa) - "Einmal Nasentropfen, eine Flasche Hustensaft und noch eine Packung Viagra." Derartige Bestellungen könnten in Apotheken vielleicht schon bald Alltag sein.

Am 25. Januar ber√§t ein Expertengremium der Arzneimittelbeh√∂rde BfArM in Bonn √ľber die Entlassung des Wirkstoffs Sildenafil aus der Verschreibungspflicht. Sollte die Empfehlung so kommen und sich das Bundesgesundheitsministerium daran halten, w√ľrden Viagra und andere Potenzmittel rezeptfrei werden. Eine gute Idee?

Wirksam gegen den Schwarzmarkt

Prof. Frank Sommer, Pr√§sident der Deutschen Gesellschaft f√ľr Mann und Gesundheit, sieht Vor- und Nachteile. Das gr√∂√üte Pro w√§re in seinen Augen, dass dem Schwarzmarkt im Internet der Boden entzogen w√ľrde. "Wir haben vor einigen Jahren eine Studie gemacht, da haben wir 22 Produkte, die man im Internet frei bestellen kann, untersucht und festgestellt, dass bei √ľber 80 Prozent nicht das drin war, was angegeben war. Wir hatten zum Beispiel eine Gruppe, da war die Dosis viermal so hoch." Wenn man das regelm√§√üig einnehme, habe man ein sehr hohes Risiko f√ľr Herzsch√§digungen. Zudem stellten die Wissenschaftler Verunreinigungen etwa mit Schwermetallen fest.

Vom Schwarzmarkt mit gef√§lschten Markenprodukten zu unterscheiden sind Online-Angebote von √Ąrzten, bei denen der Interessent zun√§chst einen medizinischen Fragebogen ausf√ľllt und dann gegebenenfalls Viagra oder ein anderes Mittel verschrieben und aus dem Ausland zugeschickt bekommt. Dabei kann man laut Sommer im Regelfall zumindest davon ausgehen, dass man das Originalprodukt erh√§lt. Der Preis ist allerdings nicht ohne: Vier der babyblauen Viagra-Rautentabletten k√∂nnen ungef√§hr 60 Euro kosten.

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Sommer, der 2005 als erster Arzt zum Professor f√ľr M√§nnergesundheit berufen wurde, sieht auch einige Nachteile, falls Sildenafil k√ľnftig rezeptfrei sein sollte. "Eine Erektionsst√∂rung ist, wenn sie gef√§√übedingt ist, Vorbote eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Wir erkennen das bei der Untersuchung der Blutgef√§√üe ungef√§hr acht Jahre vorher. Und da hat man dann eben noch Zeit, entsprechend gegenzusteuern. Kommt es aber erst gar nicht zum Arztbesuch, f√§llt das weg."

Erektionsstörungen lassen sich behandeln

Werde die Grunderkrankung nicht behandelt, verschlimmere sich die Erektionsschw√§che immer weiter. "Da k√∂nnen Nerven gesch√§digt sein, die Infrastruktur des Penis, die Blutgef√§√üe, die zum Penis f√ľhren - es gibt viele Ursachen, und deshalb dauert es auch bis zu drei Stunden, das herauszufinden. Wenn das aber nicht geschieht, verschlimmert sich das Leiden immer weiter. Und man braucht deshalb eine immer h√∂here Dosis, um doch noch eine Erektion zu erreichen. Bis irgendwann auch die h√∂chste nicht mehr reicht. Wenn man aber dann erst zum Arzt geht, ist es f√ľr eine Heilung oft zu sp√§t."

Ein weiteres Risiko: Der Patient hat m√∂glicherweise keinen √úberblick dar√ľber, welche Medikamente mit Sildenafil nicht vertr√§glich sind. "Es gibt Herzmedikamente, die Nitrate haben." Wenn diese gemeinsam mit Sildenafil eingenommen w√ľrden, k√∂nne ein zum Tod f√ľhrender sogenannter hypotoner Schock die Folge sein.

Die Entscheidung √ľber die Entlassung aus der Rezeptpflicht stellt also eine schwierige Abw√§gung dar. "Ich w√ľrde dazu raten, sich beide Seiten anzuh√∂ren", sagt Sommer. "Die Pharmaseite, die die Freigabe bef√ľrwortet, aber eben auch die unabh√§ngigen Wissenschaftler."

Körperliche Ursachen und die Versagensangst "on top"

Insgesamt sei die Entdeckung von Sildenafil als Potenzmittel durch den US-Konzern Pfizer "ein Geschenk des Himmels" gewesen, sagt Sommer. Zum einen deshalb, weil das Thema Erektionsschwäche infolge der umfangreichen Berichterstattung in den Medien aus der Tabuzone herausgekommen sei. Und zum zweiten, weil dies eine Serie von wissenschaftlichen Untersuchungen zur Folge gehabt habe.

"Da hat sich dann eben erst gezeigt, dass der Zustand der Penisgef√§√üe einen Herzinfarkt voraussagen kann. Auch Zuckererkrankungen werden seitdem viel fr√ľher diagnostiziert." Noch in den 80er Jahren herrschte dagegen die Ansicht vor, dass 90 Prozent der Erektionsst√∂rungen psychisch bedingt seien. "Heute ist Stand der Wissenschaft, dass es genau umgekehrt ist: 80 bis 90 Prozent haben k√∂rperliche Ursachen, und dann kommt die Versagensangst vielleicht noch oben drauf."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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