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Studie: Viele Impfreaktionen wohl durch Nocebo-Effekt

Von dpa
Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Ein großer Teil der empfundenen Impfreaktionen bei den Corona-Impfungen könnte einer Studie zufolge auf den sogenannten Nocebo-Effekt zurĂŒckgehen.
Ein großer Teil der empfundenen Impfreaktionen bei den Corona-Impfungen könnte einer Studie zufolge auf den sogenannten Nocebo-Effekt zurĂŒckgehen. (Quelle: Paul Zinken/dpa/Archivbild./dpa)
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New York (dpa) - Ein großer Teil der empfundenen Impfreaktionen bei
den Corona-Impfungen könnte einerStudiezufolge auf den sogenannten Nocebo-Effekt zurĂŒckgehen.

Rund drei Viertel (76 Prozent) der Patientenmeldungen zu den ganzen Körper betreffenden Reaktionen nach der ersten Impf-Dosis und etwa die HĂ€lfte (52 Prozent) der Meldungen wahrgenommener Folgen nach der zweiten Impfdosis ließen sich in der Auswertung darauf zurĂŒckfĂŒhren, schreiben Wissenschaftler um Julia Haas, Sarah Ballou und Friederike Bender unter anderem von der Harvard Medical School und der Philipps-UniversitĂ€t in Marburg im
Fachmagazin "Jama Network Open".

In der Medizin sind Placebo- und Nocebo-Effekt bekannt. Positive
Erwartungen können die Wirksamkeit eines PrÀparats verstÀrken und
sogar bei einem Scheinmedikament zu einer Wirkung fĂŒhren - das wird
Placebo-Effekt genannt. Umgekehrt sorgt beim Nocebo-Effekt allein die
Erwartung negativer Folgen dafĂŒr, dass diese tatsĂ€chlich zu spĂŒren
sind. Der Effekt ist etwa von den auf Beipackzetteln von Tabletten
aufgefĂŒhrten Nebenwirkungen bekannt: Allein die Erwartung einer
SchÀdigung kann tatsÀchlich Schmerzen oder Beschwerden auslösen.

12 klinische Studien

FĂŒr ihre Forschungen analysierten die Forscher zwölf klinische
Studien zu Impfungen mit verschiedenen Corona-Impfstoffen mit
insgesamt rund 45.380 Teilnehmern, die Impfreaktionen meldeten -
davon 22.802, die Impfstoff gespritzt bekommen hatten, und 22.578,
die ein ScheinprÀparat bekommen hatten, ein Mittel ohne Arzneistoff.
Nach der ersten Dosis meldeten rund 35 Prozent der
ScheinprÀparat-EmpfÀnger Impfreaktionen wie Kopfschmerzen oder
MĂŒdigkeit. Nach der zweiten Dosis waren es rund 32 Prozent. Bei den
Impfstoff-EmpfÀngern waren es rund 46 Prozent nach der ersten Dosis
und rund 61 Prozent nach der zweiten Dosis.

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Grund fĂŒr die Nocebo-Reaktionen könnte den Wissenschaftlern zufolge
die AufklĂ€rung ĂŒber mögliche Folgen vor der Impfung sein. "Es gibt
Hinweise darauf, dass diese Art von Information dazu fĂŒhren kann,
dass Menschen ĂŒbliche tĂ€gliche Hintergrundempfindungen dann
fĂ€lschlicherweise auf die Impfung zurĂŒckfĂŒhren, oder Sorgen und
NervositÀt auslösen, die die Menschen hypersensibel im Hinblick auf
mögliche Nebenwirkungen machen", sagte Ted Kaptchuk von der Harvard
Medical School. DarĂŒber mĂŒsse beim Impfen besser aufgeklĂ€rt werden,
empfehlen die Forscher.

Als limitierend fĂŒr die Ergebnisse fĂŒhren die Wissenschaftler die
vergleichsweise kleine Zahl der analysierten Studien und deren hohe
HeterogenitÀt an.

Teure Medikamente noch verstÀrkend

Schon vielfach haben Forschende Folgen des Nocebo-Effekts untersucht.
So berichteten Wissenschaftler des UniversitÀtsklinikums
Hamburg-Eppendorf(UKE)vor einigen Jahren, dass vermeintlich teure
Medikamente diese Wirkung noch verstÀrken. Probanden hatten gesagt
bekommen, zu den Nebenwirkungen eines verabreichten PrÀparats zÀhle
ein erhöhtes Schmerzempfinden. Jene, die von einem teuren Mittel
ausgingen, verspĂŒrten nach Einnahme des Scheinmedikaments mehr
Schmerz als die ĂŒbrigen. Im Frontalhirn entstehende Erwartungen
beeinflussten die Verarbeitung von schmerzhaften Reizen in tieferen
Regionen des Nervensystems, erlÀuterten die Forschenden. Auch die
Verarbeitung von Schmerzreizen im RĂŒckenmark werde verĂ€ndert.

Scheinmedikament - Scheinsymptome?

Wie mĂ€chtig der Nocebo-Effekt sein kann, zeigte einst einFall in den USA: Wissenschaftler um den Psychiater Roy Reeves von der University of Mississippi in Jackson berichteten im Jahr 2007 im Fachmagazin "General Hospital Psychiatry" ĂŒber einen jungen Mann, der an einer Antidepressiva-Studie teilnahm und sich mit den ihm ĂŒberlassenen Psychopharmaka das Leben nehmen wollte. TatsĂ€chlich sackte sein Blutdruck so tief, dass der 26-JĂ€hrige in eine Notaufnahme kam. Dort stellten die Ärzte jedoch fest, dass der Mann zu jener HĂ€lfte der Studienteilnehmer gehörte, die ein Scheinmedikament bekommen hatten. Als der Mann davon erfuhr, verschwanden die Symptome rasch.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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