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Schräge Brexit-Meldungen: Sperma, Hamster-Listen und das Ende des Empires

Schräge Brexit-Meldungen  

Sperma, Hamster-Listen und das Ende des Empires

12.02.2019, 13:46 Uhr | iger, t-online.de

 (Quelle: Reuters)
Donald Tusk: Spezieller Ort in der Hölle für Brexit-Befürworter

Vor dem Besuch der britischen Premierministerin Theresa May in Brüssel nutzte EU-Ratspräsident eine Pressekonferenz am Mittwoch zu einer verbalen Breitseite gegen die politischen Förderer des Brexits.

Skurrile Brexit-Vorfälle: Hier wünscht Donald Tusk den Brexit-Befürwortern die Hölle. (Quelle: Reuters)


In einigen Wochen ist es so weit: Großbritannien tritt aus der EU aus. Einen Brexit-Deal gibt es aber noch nicht. Die Anspannung steigt – und führt zu skurrilen Meldungen. 

Sperma-Knappheit

Für die Briten könnte der Brexit ohne ein Abkommen zum Desaster werden. Doch die Angst betrifft in dem Fall vor allen Dingen den Nachwuchs. Der Grund: Ohne Regelung bleiben die Spenden der Samenbank im Gefrierschrank. Wie die britische Regierung berichtet, ist es erforderlich, dass die Samenbanken "neue schriftliche Vereinbarungen mit maßgeblichen EU-Einrichtungen" verhandeln.

Die Samenspenden in Großbritannien sind zunehmend zurückgegangen. 2005 ist ein Gesetz in Kraft getreten, welches zur Folge hat, dass die Spender kein Anrecht mehr auf Anonymität haben. Die Regierung teilt mit, dass rund 3.000 Spermaproben aus Dänemark und 4.000 aus den USA importiert worden sind.

Das englische Sandwich ist in Gefahr

Vier Milliarden Sandwiches werden jährlich in britischen Supermärkten gekauft. Damit könnte bald Schluss sein. Doch das liegt nicht am Brot, sondern vielmehr am Zoll. Denn dort werden die landwirtschaftlichen Produkte durchgeschleust. Eine weitere Folge sind härtere Kontrollen in den Häfen. Jim Winship von der British Sandwich Association sagt laut "Die Welt": "Ich glaube, die Verbraucher wissen nicht, wie komplex und global unsere Branche ist. Wenn wir Europa mit einem Knall verlassen, würden wir Probleme bekommen.

So lieben es die Engländer: Das Sandwich wird belegt mit Käse, Tomaten, Butter, Salat und Schinken. (Quelle: Getty Images/Scott Barbour)So lieben es die Engländer: Das Sandwich wird belegt mit Käse, Tomaten, Butter, Salat und Schinken. (Quelle: Scott Barbour/Getty Images)

Dafür würden schon Grenzkontrollen ausreichen, denn unsere Branche arbeitet mit frischen Produkten, die nicht lange halten. Die Zutaten könnten in den Docks verfaulen, bevor sie zu uns kommen." Die Beilagen für das Sandwich stammen nämlich größtenteils aus dem Ausland. Allein Cheddar wird zu 82 Prozent aus der EU importiert, genauso wie Tomaten mit 80 Prozent und Salat mit 93 Prozent.

Hamster-Listen kursieren im Netz

Im Fall eines No-Deal-Brexit werden die Engländer mit vielen Ratschlägen rund um Hamsterkäufe versorgt. Laut "The Times" sagt ein ehemaliger Berater des Umweltministers Michael Gove, dass die Verfügbarkeit einiger Lebensmittel möglicherweise durch Blockaden in den Kanalhäfen beeinträchtigt werden könne. Besonders betroffen seien Himbeeren, Erdbeeren oder Salat, die vom Import abhängig seien.

Die Menschen sollen ihre Schränke mit Hygieneartikeln, Grundnahrungsmitteln und Medikamenten füllen. Die Familien-Website "Mumsnet" stellt beispielsweise für die Bevölkerung Tipps und Tricks für das saisonale Essen bereit und erklärt, wie am besten Reis und Linsen aufbewahrt werden sollen.

Leere Regale: Könnten so schon bald die Supermärkte der Briten aussehen? (Quelle: Getty Images/Phil Walter)Leere Regale: Könnten so schon bald die Supermärkte der Briten aussehen? (Quelle: Phil Walter/Getty Images)

Kunden könnten schon bald vor leeren Regalen stehen

Nicht nur die Hamsterkäufe und die Angst, ohne das geliebte Sandwich auskommen zu müssen, lässt die Briten aufschrecken, sondern auch die Supermärkte schlagen Alarm. Es besteht die Gefahr, dass der Handel über den Ärmelkanal ohne einen aussichtsreichen Deal um 87 Prozent sinken könnte. In einem offenen Brief an das Parlament erklären  unter anderem Lidl und Sainsbury: "Unsere Lieferketten sind eng mit Europa verwoben – beinahe ein Drittel unseres Essens kommt aus der EU. Im März ist die Situation noch akuter, weil es keine Saison für britische Produkte gibt."

Führerschein von einer Million Briten steht auf dem Spiel

Ein Brexit ohne Abkommen könnte für viele Engländer bedeuten, dass sie schleunigst wieder die Fahrschule aufsuchen müssen. Einem Bericht der "Sun" zufolge wurden sie gewarnt, dass nach dem Brexit die Autofahrer einen neuen Fahrtest ablegen müssen. Briten, die ins Ausland reisen möchten, wurden aufgefordert, eine internationale Fahrerlaubnis zu kaufen.

Das Verkehrsministerium teilt dazu mit: "Wenn Sie Inhaber eines britischen Führerscheins sind und in der EU leben, sollten Sie Ihren Führerschein vor dem 29. März 2019 gegen einen internationalen tauschen." Denn sonst könnten die Briten in der EU nicht mehr hinter dem Steuer sitzen.

Die Fahrerlaubnis auf dem Prüfstand: Die Briten haben Angst, dass sie ihren Führerschein verlieren können. (Quelle: imago/bonn-sequenz)Die Fahrerlaubnis auf dem Prüfstand: Die Briten haben Angst, dass sie ihren Führerschein verlieren können. (Quelle: bonn-sequenz/imago)

Abgeordnete verschiebt Geburt wegen Brexit

Eigentlich sollte die Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq am 15. Januar ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringen. Doch ein hochbrisanter Termin ist dazwischen gekommen: Die Abstimmung im Londoner Unterhaus über das Brexit-Abkommen. Wie der "Evening Standard" berichtet, wollte sich die Nichte von der bangladeschischen Regierungschefin Sheikh Hasina von ihrem Mann Chris im Rollstuhl ins Parlament schieben lassen.

Tulip Siddiq: Die Abgeordnete hat wegen des Brexit-Abkommens den Geburtstermin ihres Kindes verschoben. (Quelle: Getty Images/Daniel Hambury)Tulip Siddiq: Die Abgeordnete hat wegen des Brexit-Abkommens den Geburtstermin ihres Kindes verschoben. (Quelle: Daniel Hambury/Getty Images)

Und so kam es auch. Siddiq verschob ihren geplanten Kaiserschnitt um 24 Stunden, damit sie gegen den Brexit-Deal stimmen konnte. Die Begründung für ihre Entscheidung: "Wenn mein Sohn noch einen Tag später auf die Welt kommt, als die Ärzte es empfehlen, es dafür aber eine Welt mit einer besseren Chance auf eine starke Beziehung zwischen Großbritannien und Europa gibt, dann lohnt es sich zu kämpfen."

Wie der Kalte Krieg der Queen helfen soll

Die Evakuierungspläne stehen für Queen Elizabeth II. schon bereit. Die Königin und andere Mitglieder des Königshauses werden außerhalb Londons gebracht, falls es zu Ausschreitungen im Falle eines No-Deal-Brexit kommt. Dies berichtet "The Sunday Times". In den letzten Wochen wurden dazu Notfallpläne zur Rettung der königlichen Familie aus dem Kalten Krieg herangezogen. Eine Frage bleibt offen: Würde überhaupt die Queen London verlassen? Denn im zweiten Weltkrieg hat König George VI. die Hauptstadt trotz deutscher Luftangriffe nicht verlassen.

Theresa May und Queen Elizabeth II.: Hier können die beiden noch herzlich zusammen lachen. (Quelle: Getty Images/WPA Pool)Theresa May und Queen Elizabeth II.: Hier können die beiden noch herzlich zusammen lachen. (Quelle: WPA Pool/Getty Images)

Das Vereinigte Königreich steht auf dem Spiel

Jetzt könnte auch noch das Reich der Queen schrumpfen. Premierministerin Theresa May warnte vor einem Auseinanderbrechen, wenn kein Abkommen ausgehandelt werde. Mays Erklärung: Der No-Deal-Brexit stärke die Befürworter einer schottischen Unabhängigkeit sowie einen Zusammenschluss von Nordirland und Irland. May im Parlament: "Das ist mit Sicherheit die eigentliche Bedrohung für unsere Union."



Briten horten Schmerztabletten

Nicht nur die Angst um Nahrungsmittel bereitet den Engländern Kopfschmerzen, sondern auch eine mögliche Medikamenten-Knappheit. Antidepressiva und Schmerztabletten könnten laut BBC auf dem Spiel stehen. Gareth Jones vom Apothekerverband "National Pharmacy Association" erklärt: "Die Medikamente werden deswegen knapp, weil viele Briten aus Sorge vor einem chaotischen Brexit anfangen, sie zu horten. Das scheint ein wesentlicher Faktor zu sein." Dazu kommt noch, dass die Regierung den Pharmaunternehmen und Krankenhäusern mitteilte, dass sie sich für sechs Wochen Vorräte anlegen sollen. Privatmenschen wurden ebenfalls dazu aufgefordert, ihre Hausapotheke aufzufüllen.


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