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Wie EU-L├Ąnder ihre Grenzen gegen Migration befestigen

Von dpa
Aktualisiert am 31.08.2021Lesedauer: 4 Min.
Auf dem Weg zur Grenze zwischen Marokko und Spanien hilft ein Mann einem Jungen ├╝ber einen Stacheldrahtzaun in der marokkanischen K├╝stenstadt Fnideq.
Auf dem Weg zur Grenze zwischen Marokko und Spanien hilft ein Mann einem Jungen ├╝ber einen Stacheldrahtzaun in der marokkanischen K├╝stenstadt Fnideq. (Quelle: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa./dpa)
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Br├╝ssel (dpa) - Muss sich die EU nach der Macht├╝bernahme der Taliban auf einen massiven Zustrom von Menschen aus Afghanistan einstellen? Und wenn ja: Wie soll damit umgegangen werden? Fragen wie diese besch├Ąftigen die EU-Staaten intensiv. Am Dienstag gab es erste Diskussionen bei einem Sondertreffen der Innenminister in Br├╝ssel.

Zumindest ein Teil der EU-Staaten will unbedingt verhindern, dass es erneut zu einer Situation wie in den Jahren 2015/2016 kommt. Damals reisten Millionen Migranten weitgehend unkontrolliert in die EU ein, in vielen L├Ąndern brachen heftige Debatten ├╝ber Migrationspolitik aus und rechte Parteien gewannen an Unterst├╝tzung. Allein in Deutschland stellten damals rund 1,2 Millionen Menschen zum ersten Mal einen Asylantrag. Viele von ihnen stammten aus Syrien, wo 2011 ein B├╝rgerkrieg begonnen hatte.

Seitdem haben EU-Mitgliedstaaten an ihren Grenzen erheblich aufger├╝stet - nicht nur durch verst├Ąrkte Kontrollen, sondern teils auch mit Hightech-Sperranlagen. Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur haben mittlerweile fast die H├Ąlfte der 27 Mitgliedsstaaten entlang ihrer Grenzen Z├Ąune oder andere Befestigungsanlagen errichtet oder sind dabei. Ein ├ťberblick:

Mitteleuropa

- POLEN: Vergangene Woche begannen Arbeiten f├╝r einen Zaun entlang der mehr als 400 Kilometer langen Grenze zu Belarus. Er soll verhindern, dass Migranten ├╝ber das Nachbarland einreisen. Die 2,5 Meter hohe Barriere wird den Pl├Ąnen zufolge rund 190 Kilometer abdecken - 130 Kilometer waren schon durch Stacheldraht gesichert. Rund 1500 Soldaten unterst├╝tzen zuletzt Grenzsch├╝tzer bei der Verteidigung der Grenze gegen illegale ├ťbertritte. Ihre Zahl soll auf 2000 aufgestockt werden.

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- UNGARN: Ein Grenzzaun mit rasiermesserscharfem Stacheldraht verl├Ąuft s├╝dlich an der 160 Kilometer langen Grenze zu Serbien. Das Prestigeprojekt des rechten Premierministers Viktor Orban kostete bislang 1,5 Milliarden Euro und wurde im September 2015 errichtet. Die drei Meter hohe Anlage ist zus├Ątzliche mit Drohnen und W├Ąrmebildkameras ausgestattet. Auch an der westlichen Grenze zu Kroatien hat Ungarn Stacheldrahtrollen ausgelegt - eine Sparversion des Hightech-Zauns zu Serbien.

- ├ľSTERREICH: Seit 2015 gibt es eine 4,4 Kilometer lange Sperrkonstruktion an der 330 Kilometer langen Grenze zwischen ├ľsterreich und Slowenien - also innerhalb der Schengenzone, die eigentlich Reisen ohne Grenzkontrollen erm├Âglichen soll. Heute ist der vier Meter hohe Zaun l├Âchrig: Um Wanderern und ├Ârtlichen Weinbauern das Leben zu erleichtern, wurden Teile abgebaut.

Balkan und S├╝d-Ost-Europa

- SLOWENIEN: Fast die H├Ąlfte der 500 Kilometer langen Grenze zu Kroatien wird von einem bis zu vier Meter hohen Grenzzaun mit Stacheldraht abgedeckt - obwohl das Nachbarland auch Mitglied der EU ist. Kroatien ist jedoch noch nicht Mitglied der Schengenzone und liegt auf der sogenannten Balkanroute nach Mitteleuropa.

- GRIECHENLAND: Die Regierung will verhindern, dass Migranten die EU-Au├čengrenze zur T├╝rkei entlang des Fluss Evros (auch Mariza genannt) ├╝berqueren. Im August wurden 27 Kilometer Zaun aus Stahl und Zement an seichten Stellen des Evros gebaut - zus├Ątzlich zu elf Kilometern bereits existierendem Zaun. Bis zu f├╝nf Meter hoch sind die Anlagen. Au├čerdem ├╝berwachen W├Ąrmebildkameras, Drohnen und ein Luftschiff der EU-Grenzschutzagentur Frontex die 200 Kilometer lange Flussgrenze. Auch am L├Ąnder-Dreieck mit der T├╝rkei und Bulgarien wurden teilweise Stacheldrahthindernisse installiert, um Schleusern ihre Aufgabe zu erschweren. An der Grenze zu Nordmazedonien gibt es einen 34 Kilometer langen Zaun auf der nordmazedonischen Seite.

- ZYPERN: Der Inselstaat hat eine elf Kilometer lange Absperrung entlang der Trennungslinie zwischen S├╝d- und Nordzypern gebaut. Der Stacheldrahtzaun steht im Westen der geteilten Hauptstadt Nikosia. Er soll verhindern, dass Migranten ├╝ber die T├╝rkei in den t├╝rkisch-zyprischen Norden kommen und dann in den S├╝den der Inselrepublik - und damit in die EU - gelangen.

- BULGARIEN: Die 259 Kilometer lange EU-Au├čengrenze zur T├╝rkei wird komplett durch einen Zaun aus Stacheldraht und W├Ąrmebildkameras gesch├╝tzt. Seit 2017 ist die 4,5 Meter hohe und ein Meter breite Schutzeinrichtung fertig und muss bereits an manchen Stellen repariert werden. Wegen des m├Âglichen neuen Migrationszustroms aus Afghanistan soll Bulgariens Armee den Grenzschutz zur T├╝rkei verst├Ąrken.

Baltikum und Skandinavien

- LITAUEN: Um illegale Grenz├╝bertritte aus Belarus zu verhindern, l├Ąsst die Regierung in Vilnius einen 508 Kilometer langen Zaun entlang der Grenze errichten. Der Bau soll 2022 abgeschlossen sein und bis zu 152 Millionen Euro kosten. Der Zaun wird den Planungen zufolge mindestens drei Meter hoch und mit Stacheldraht ausgestattet sein. An der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad gibt es bereits einen zwei Meter hohen Zaun. Er wurde 2017 vor dem Hintergrund steigender Spannungen mit Russland errichtet, um Schmuggler und illegale Grenzg├Ąnger abzuhalten.

- LETTLAND: Auch Lettland ist unter Druck, die eigenen Grenzen angesichts der Migration ├╝ber Belarus zu verst├Ąrken. Als Schnelll├Âsung sollen zun├Ąchst an verschiedenen Grenzabschnitten ├╝ber 37 Kilometer Stacheldrahtrollen ausgelegt werden. Entlang der ├Âstlichen Grenze zu Russland hatte Lettland bereits nach der Krise in der Ukraine begonnen, zwei Meter hohe Schutzz├Ąune zu bauen. Die Infrastruktur ist laut Innenministerium allerdings noch unvollendet.

- ESTLAND: Auch Estland baut zwei Meter hohe Schutzz├Ąune entlang der russischen Grenze vor dem Hintergrund von Spannungen mit Moskau. Die Arbeiten f├╝r einen 115 Kilometer langen Abschnitt im S├╝dosten Estlands sollen 2026 beendet werden.

- NORWEGEN: Am norwegisch-russischen Grenz├╝bergang Storskog gibt es ├╝ber 200 Meter einen 3,5 Meter hohen Grenzzaun. Er wurde gebaut, nachdem 2015 viele Migranten mit dem Fahrrad eingereist waren.

West- und S├╝d-West-Europa

- FRANKREICH: Die britische Regierung hat Millionen in den Bau von Mauern und Z├Ąunen investiert, um den F├Ąhrhafen und den Tunneleingang im franz├Âsischen Calais zu sichern. Diese Vorverlegung der britischen Grenzen auf franz├Âsischen Boden soll verhindern, dass Migranten von der EU weiter nach Gro├čbritannien reisen. London und Paris verst├Ąndigten sich k├╝rzlich darauf, Kontrollen an den K├╝sten zu verst├Ąrken.

- SPANIEN: Die Regierung hat um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika jeweils Grenzz├Ąune errichtet, die die St├Ądte vom Territorium Marokkos trennen. Die Absperrungen wurden in den 1990er Jahren gebaut und sind jeweils acht und 12 Kilometer lang. Mittlerweile besteht die Grenzanlage aus zwei parallelen, zehn Meter hohen Z├Ąunen mit W├Ąrmebildkameras, dazwischen gibt es ein etwa drei Meter hohes Netz aus Stahlkabeln, das das Eindringen zus├Ątzlich erschwert.

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