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Putin könnte diesen Krieg gewinnen

Von Patrick Diekmann

Aktualisiert am 30.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Nach wochenlangem Stellungskrieg: Den russischen Truppen gelingt lokal Gebietsgewinn, doch es drohen zwei wachsende Probleme. (Quelle: t-online)
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Russland hat seine Kriegsstrategie geändert – und im Osten der Ukraine zeigt das erste Erfolge. Ist der Krieg bald vorbei oder droht ein erneuter Sturm auf Kiew?

Die militärische Lage ist kritisch für die ukrainische Armee. Russland rückt im Osten des Landes vor, lässt Städte wie Sjewjerodonezk in Trümmer schießen, bevor russische Bodentruppen sie langsam einnehmen. Präsident Wladimir Putin hatte zuvor die Strategie bei seinem Angriffskrieg gewechselt: Die russischen Truppen minimieren ihre eigenen Verluste, indem sie mit äußerster Brutalität und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung urbane Gegenden aus der Luft und mit moderner Artillerie beschießen.

Putins aktuelle Strategie scheint aufzugehen, die russische Propaganda feiert die Fortschritte der Armee im Donbass. Die ukrainische Armee steht dort mit dem Rücken zur Wand und kann dem russischen Druck immer schwerer standhalten. Um sich verteidigen zu können, bräuchte die Ukraine schwere Waffen aus dem Westen. Doch selbst wenn der Westen sein Zögern bei der Lieferung von Panzern nun aufgibt, würde die Hilfe für den Osten der Ukraine wohl zu spät kommen.

Nun droht das Szenario, welches westliche Regierungen eigentlich verhindern wollten: Putin könnte diesen Krieg gewinnen. Für die angeschlagenen und minimierten russischen Kräfte ist es zwar weiterhin ein Kraftakt, den Donbass komplett zu erobern. Das Minimalziel des Kremls aber liegt in Sichtweite. Allerdings steigen die Befürchtungen, dass Putin sich damit nicht zufriedengeben könnte.

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Hat Putin bald genug?

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte am Sonntag die Einnahme des ostukrainischen Donbass als oberstes Ziel und als "bedingungslose Priorität" bezeichnet. Es gehe darum, die ukrainische Armee und Bataillone aus den von Moskau als unabhängige Staaten anerkannten Gebieten Donezk und Luhansk zu drängen, sagte Lawrow dem russischen Außenamt zufolge in einem Interview mit dem französischen Sender TF1. Damit meint er nicht nur die bereits vor dem Angriff abtrünnigen Gebiete, sondern auch die Teile von Donezk und Luhansk, die zuvor unter ukrainischer Kontrolle standen.

Aber wäre nach der Einnahme des Donbass der Krieg vorbei? Zumindest scheint der Kreml dieses Narrativ im Westen stützen zu wollen. Es ist kein Zufall, dass Lawrow einem französischen Sender ein Interview gab: Er könnte so die Hoffnungen im Westen auf ein baldiges Kriegsende nähren, um eine mögliche Unterstützung der Ukraine mit Kampf- und Schützenpanzern zu verhindern. Bei derartigen Aussagen aus Moskau ist allerdings große Vorsicht geboten. In der jüngeren Vergangenheit waren sie nur wenig vertrauenswürdig. Putin könnte die gegenwärtigen militärischen Erfolge auch als Momentum sehen, um weiter langsam vorzurücken.

Wie lange Russland diesen Krieg fortsetzen will, weiß nur der russische Präsident selbst. Allerdings wird ihm nicht entgangen sein, dass die Einigkeit im Westen bröckelt. Ein erneuter Sturm auf Kiew ist zwar zum jetzigen Zeitpunkt wegen der Schwäche der russischen Armee unwahrscheinlich. In einem langen Abnutzungskrieg aber besteht diese Gefahr. Die Ukraine und der Westen müssen also für den Notfall planen, damit die Unterstützung in einem solchen Fall nicht zu spät kommt.

Wladimir Putin: Der russische Präsident hat bei seinem Angriffskrieg in der Ukraine seine Strategie gewechselt.
Wladimir Putin: Der russische Präsident hat bei seinem Angriffskrieg in der Ukraine seine Strategie gewechselt. (Quelle: Reuters-bilder)

Ernste Lage im Osten der Ukraine

Im Donbass stellt sich die Lage gegenwärtig wie folgt dar:

  • Große Teile der Oblasten Luhansk und Donezk wurden bereits von Russland erobert. Während die russische Armee im Nordosten dieser Regionen große Geländegewinne verzeichnen und im Süden die strategisch-wichtige Hafenstadt Mariupol erobern konnte, hält die Ukraine in der Mitte noch erfolgreich die Kontaktlinie von 2014. Doch dort wird die Lage nach Angaben der ukrainischen Führung immer kritischer.
  • Sjewjerodonezk steht nach massivem Beschuss durch Artillerie kurz vor der Eroberung durch Putins Truppen. Russische Kräfte sind bereits in der Stadt, laut Kreml sind sie auf dem Weg ins Zentrum. Letzteres kann jedoch nicht unabhängig verifiziert werden.
  • Der russischen Armee gelang es bereits, viele Verkehrs- und Eisenbahnknotenpunkte im Donbass einzunehmen, was für die russische Kriegslogistik wichtig ist. So wurde bereits vergangene Woche in Moskau die Einnahme von Lyman gefeiert, nachdem sich die Ukraine aus der Stadt zurückgezogen hatte.
  • Die nächsten heftigen Kämpfe werden um Slowjansk und Kramatorsk toben. Dort befinden sich das militärische Kommando und die strategischen Reserven der Ukraine für die Kämpfe im Osten. Fallen die Städte, hat Russland den Kampf um den Donbass mutmaßlich gewonnen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die russischen Truppen dort schnelle Erfolge erzielen werden. Die ukrainische Armee hat dort nach 2014 Verteidigungsgräben angelegt.

Russische Überlegenheit bei Artillerie

Diese aktuelle militärische Situation im Donbass ist ein Alarmsignal. Der Vormarsch der russischen Armee erklärt sich vor allem damit, dass Moskau seine Strategie effektiv auf die operative Lage eingestellt hat. Zwar hat die russische Armee zu wenig Kräfte und Ausrüstung in der Ukraine, um auf breiter Front anzugreifen. Auch die eingesetzte Ausrüstung wird immer älter. Der Vorteil der russischen Armee aber liegt in der Überlegenheit der Feuerkraft ihrer Artillerie.

Ein ukrainischer Soldat in einem Panzer: Für die Verteidigung gegen die russischen Vorstöße benötigt die Ukraine schwere Waffen.
Ein ukrainischer Soldat in einem Panzer: Für die Verteidigung gegen die russischen Vorstöße benötigt die Ukraine schwere Waffen. (Quelle: Reuters-bilder)

Sie ermöglicht es Russland, die Frontlinie im Donbass gegen ukrainische Gegenangriffe abzusichern und gleichzeitig Panzer- und Infanterieverbände so zu konzentrieren, dass sie an wenigen Punkten massiv angreifen können. Das langsame Vorrücken mit Artillerie- und Luftunterstützung hat außerdem den Vorteil für Russland, dass Hinterhalte und vor allem die schultergestützten Panzerabwehrwaffen der Ukraine nicht mehr die gleiche Effektivität haben wie noch zu Kriegsbeginn. Um das Missverhältnis ausgleichen zu können, müsste die ukrainische Armee ihre Strategie anpassen. Doch dazu fehlt es an schweren Waffen.

Die russische Strategie ist aber auch ein Zeichen der Schwäche. Sie zeigt, dass Moskau mit den eigenen Kräften haushalten muss. So umzingelt die russische Armee die Städte oft nur von drei Seiten, damit die Ukraine sich zurückziehen kann. Damit will Russland offenbar Kämpfe und eigene Verluste minimieren. Das funktioniert allerdings nur bedingt, da die ukrainischen Verteidiger nicht aufgeben.

Russische Armee sichert Eroberungen im Süden

Während im Osten der Ukraine aktuell die heftigsten Kämpfe toben, ist die Situation im Süden derzeit eher undurchsichtig. In der Region Cherson hat die Ukraine nach eigenen Angaben mindestens drei Ortschaften bei Gegenangriffen zurückerobert. Der Kreml meldet dagegen, dass die Angriffe abgewehrt worden seien und die eigenen Truppen im Raum um Mykolajiw Geländegewinne erzielen konnten. Welche Darstellung nun stimmt, wird erst in den kommenden Tagen ersichtlich.

Wolodymyr Selenskyj besucht Charkiw: Der Präsident der Ukraine bezeichnete die militärische Lage im Donbass als "kritisch".
Wolodymyr Selenskyj besucht Charkiw: Der Präsident der Ukraine bezeichnete die militärische Lage im Donbass als "kritisch". (Quelle: dpa-bilder)

Die Anzahl der russischen Kräfte im Süden spricht dafür, dass Russland versuchen wird, die eroberten Gebiete und vor allem den Brückenkopf in Cherson zu halten. In den vergangenen Wochen gab es Berichte darüber, dass russische Panzer Verteidigungslinien aufbauen und Soldaten Gräben ausheben. Aktuell sieht es allerdings nicht danach aus, dass Russland zeitnah versuchen wird, die Hafenstädte Mykolajiw und Odessa zu erobern. Doch Entwarnung kann es im Süden nicht geben: Mit einer Einnahme Odessas könnte Putin die Ukraine vom Schwarzen Meer abschneiden. Für die Ukraine wäre das eine wirtschaftliche Katastrophe.

In anderen Gebieten der Südukraine bereitet Russland möglicherweise eine Einverleibung vor. Die Bewohner sollen selbst über ihre Zukunft entscheiden, sagte der russische Außenminister am Sonntag. Die Regierung in Kiew rechnet damit, dass es etwa in der ukrainischen Region Cherson ein gelenktes Referendum über die Ausrufung einer "Volksrepublik" nach dem Vorbild der prorussischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk geben könnte. In den vergangenen Wochen gab es auch Erwägungen in Moskau, diese Gebiete wie die Krim annektieren zu können.

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Einigkeit im Westen bröckelt – Putin profitiert

Die Eroberung des Donbass und die Landbrücke von der Krim zum Osten der Ukraine: Das waren die militärischen Minimalziele, die Putin bald zu erreichen scheint. Für die russische Armee wird es eine der Hauptaufgaben sein, die Gebiete im Süden zu halten.

Zwar entscheidet vor allem Wladimir Putin über den weiteren Kriegsverlauf, der Westen aber kann weiterhin Einfluss darauf nehmen, indem er den Preis für Russland in die Höhe treibt. So muss sich die Nato wahrscheinlich mit der Frage der Panzerlieferungen auseinandersetzen, wenn sie dem Kremlchef nicht beim Siegen zuschauen möchte. Außerdem wird Moskau gezielt versuchen, die Einigkeit der Europäischen Union und der Nato durch Gespräche mit Ungarn und der Türkei zu untergraben.

Für den weiteren Kriegsverlauf gilt: Wenn die Einigkeit des Westens bei Sanktionen gegen Russland oder bei der militärischen Unterstützung für die Ukraine nachlässt, ist das Anreiz für die russische Führung, die Kämpfe fortzusetzen. Damit Putin diesen Krieg nicht gewinnt, muss auch der Westen seine Strategie anpassen – ob es dabei aber eine gemeinsame Haltung gibt, ist noch immer unklar. Für die Ukraine geht es nicht nur um den Donbass, sondern weiterhin um den Verlust ihrer Staatlichkeit.

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