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G7 sagen Putin auch wegen "Korn-Krieg" den Kampf an

Von rtr, dpa, lw

Aktualisiert am 24.06.2022Lesedauer: 4 Min.
Annalena Baerbock: "Es geht um Millionen Tonnen, und jede Tonne zählt."
Annalena Baerbock: "Es geht um Millionen Tonnen, und jede Tonne zählt." (Quelle: Bernd von Jutrczenka/Reuters-bilder)
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Russland weist jegliche Schuld von sich, an der weltweiten Ernährungskrise schuld zu sein. Die G7-Staaten stemmen sich dagegen – und stellen klare Forderungen an den Kreml.

Die sieben reichsten demokratischen Staaten (G7) sagen Russland auch wegen der weltweit eskalierenden Hungerkrise den Kampf an. "Wir lassen nicht zu, dass der russische Angriffskrieg die Welt in Hunger stürzt", sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock am Freitag nach Beratungen der sieben Ressortchefs in Berlin.

In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, Russlands Krieg verschärfe die Nahrungsmittelkrise "durch die Blockade des Schwarzen Meeres, die Bombardierung von Getreidesilos und Häfen und die Beschädigung der landwirtschaftlichen Infrastruktur der Ukraine". Man fordere Russland auf, "seine Angriffe und Drohungen einzustellen und die ukrainischen Schwarzmeerhäfen für Lebensmittelexporte freizugeben". Zugleich prangerten die Minister "Russlands falsches Narrativ und Desinformation" an.

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"Für diese Zuspitzung trägt Russland die Verantwortung"

Russische Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse seien von den Sanktionen nicht betroffen und könnten die Weltmärkte erreichen, heißt es in der Erklärung. Dass die Sanktionen die Krise auslösten, sei falsch. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz betonte: "Für diese Zuspitzung trägt Russland die Verantwortung, und Russland ganz allein."

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Mit Blick auf das am Sonntag beginnende Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs im bayerischen Elmau fügte Scholz hinzu: "Vom Gipfel wird eine klare Botschaft an die von Hunger bedrohten Menschen weltweit ausgehen. Wir sorgen dafür, dass Euer Leben nicht zum Spielball zynischer Machtinteressen wird." Der G7 gehören Deutschland, die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan an.

Weltweit leiden 345 Millionen Menschen akut an Knappheit von Nahrungsmitteln

US-Außenminister Antony Blinken sagte, dass wegen des von Russland verursachten Krieges in diesem Jahr 40 Millionen zusätzliche Menschen an Hunger litten. Scholz äußerte sich in einem Grußwort an eine internationale Konferenz zur Nahrungsmittelsicherheit am Nachmittag in Berlin, an der mehr als 50 Delegationen teilnahmen. Organisiert wurde die Konferenz der "Globalen Allianz für Lebensmittelsicherheit" vom Außen-, Agrar- und Entwicklungshilfeministerium.

Laut Baerbock leiden weltweit 345 Millionen Menschen akut an der Knappheit von Nahrungsmitteln. Dies sei eine Lage, "die sich wie eine lebensbedrohliche Welle vor uns auftürmt", sagte Baerbock bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Entwicklungshilfe-Ministerin Svenja Schulze.

Der russische Angriffskrieg habe nun "aus einer Welle einen Tsunami gemacht", sagte Baerbock. Russland führe nicht nur Krieg gegen die Ukraine, sondern auch einen "zynischen Korn-Krieg". Erforderlich sei eine Nothilfe im Volumen von 44 Milliarden Euro, von denen allenfalls die Hälfte finanziert sei.

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Özdemir fordert "kraftvolles Signal"

Özdemir forderte vom anstehenden G7-Gipfel ein "kraftvolles Signal" zur globalen Sicherung von Nahrungsmitteln. Es gehe darum, einen einheitlichen Ansatz für die Ernährungssicherheit zu finden in Zusammenhang mit Klima- und Artenschutz. Die Ergebnisse der Berliner Konferenz müssten "nach Elmau weitergetragen werden". In dem bayerischen Ort kommen die G7-Staats- und Regierungschefs am Sonntag zu einem dreitägigen Gipfel unter deutscher Präsidentschaft zusammen, darunter US-Präsident Joe Biden. Dabei soll es auch um die globale Nahrungsmittelsicherheit gehen.

Wegen Klimakrise und Kriegen leiden viele Regionen ohnehin an Hunger, der Krieg in der Ukraine hat die Lage verschärft. Unter den Teilnehmern der Berliner Konferenz befanden sich auch die Agrarminister Nigerias, Tansanias und der Ukraine. Laut Baerbock nahm auch ein Vertreter der Türkei teil, die zwischen Russland und der Ukraine wegen blockierter Häfen vermittelt. Die chinesische Regierung sei angefragt worden, es nehme aber niemand aus Peking teil.

"Jede Tonne zählt"

Die Ukraine – einer der weltgrößten Produzenten von Getreide – kann kaum Waren exportieren, weil die Häfen des Landes von russischen Kriegsschiffen blockiert werden. Mehrere Millionen Tonnen Getreide liegen daher in Lagern. Hauptabnehmer sind normalerweise Staaten im Nahen Osten und Nordafrika. Dort wird die ohnehin grassierende Nahrungsmittelknappheit dadurch weiter verschärft. Die russische Erzählweise, die westlichen Sanktionen seien die Ursache der Krise, sei "fake news", sagte Baerbock. Die Regierung in Moskau trage allein die Verantwortung dafür. Sanktionen auf russische Getreideexporte gebe es im Übrigen nicht.

Die Bundesregierung unterstütze die Bemühungen der Türkei, einen Weg zur Freigabe der Häfen zu finden, sagte die Ministerin. Russlands Forderung, dass die Ukraine die Häfen zunächst entminen müsse, wies sie zurück. Es sei ein "perfides Spiel", der Ukraine die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen. Zuerst müsse Russlands Flotte vor den Häfen abziehen. Baerbock und Özdemir betonten, es müssten langfristige Alternativen für den Export ukrainischen Getreides gefunden werden.

Eine Möglichkeit sei der Landweg über Rumänien und die Binnenschifffahrt über die Donau, sagte Baerbock. Entlang dieser Route gebe es bereits Transporte. Sie hoffe darauf, dass schon im Juli wieder täglich Getreide aus der Ukraine exportiert werden könne. Laut Özdemir führte die Ukraine vor dem Krieg fünf Millionen Tonnen Getreide im Monat aus. Derzeit liege man immerhin schon wieder bei 1,7 Millionen Tonnen. "Es geht um Millionen Tonnen, und jede Tonne zählt", sagte Baerbock. In Simbabwe etwa habe ein Brot vor dem Ukraine-Krieg ein Dollar gekostet, derzeit liege der Preis schon bei 1,40 Dollar.

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Von Lisa Becke, Daniel Mützel
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