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Erdogan erhöht Druck – Trump ist besorgt

Von dpa, pdi, aj

Aktualisiert am 09.10.2018Lesedauer: 3 Min.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Pressekonferenz in Ungarn: Erdogan verlangt von Saudi-Arabien Beweise, dass der Regierungskritiker die saudi-arabische Botschaft verlassen hat.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Pressekonferenz in Ungarn: Erdogan verlangt von Saudi-Arabien Beweise, dass der Regierungskritiker die saudi-arabische Botschaft verlassen hat. (Quelle: Reuters-bilder)
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Verschleppt, getötet oder noch im Istanbuler Konsulat? Der saudi-arabische Journalist Chaschukdschi bleibt verschwunden. Türkische Medien berichten bereits über seine Ermordung. Und auch Donald Trump meldet sich zu Wort.

Im Fall des in Istanbul verschwundenen und möglicherweise ermordeten saudi-arabischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi erhöht die Türkei den Druck. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche bestellte das Außenministerium in Ankara den Botschafter des arabischen Königreiches ein. Außerdem beantragten die türkischen Behörden am Montag eine Erlaubnis, um das Konsulat im Viertel Levent zu durchsuchen, wie der Sender CNN Türk unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete. Der Fall Chaschukdschi könnte zu einer diplomatischen Krise zwischen Ankara und Riad führen.

Erstmals äußerte sich auch US-Präsident Donald Trump zu dem Fall. "Ich bin besorgt", sagte er am Montag im Weißen Haus. Er hoffe auf eine positive Lösung. "Im Moment weiß niemand etwas darüber, aber es kursieren einige böse Geschichten. Das gefällt mir nicht."

Auch US-Vizepräsident Mike Pence zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Berichte. Sollten diese Berichte über den Tod Chaschukdschis wahr sein, wäre dies "ein tragischer Tag", twitterte Pence. "Gewalt gegen Journalisten weltweit ist eine Bedrohung der Pressefreiheit und der Menschenrechte", schrieb er und forderte Aufklärung. "Die freie Welt hat Antworten verdient."

Chaschukdschi ermordet?

Der 59 Jahre alte Journalist und Regimekritiker Chaschukdschi wird nun schon seit fast einer Woche vermisst. Er betrat das saudi-arabische Konsulat in Istanbul am Dienstag, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, aber war nicht wieder herausgekommen. Seine Verlobte wartete nach eigenen Angaben stundenlang vor dem Eingang auf ihn. Medien und Freunde berichteten daraufhin unter Berufung auf türkische Ermittler und Regierungskreise, Chaschukdschi sei ermordet worden.

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Saudi-Arabien wies die Vorwürfe zurück. Aus Riad hatte es geheißen, Chaschukdschi sei erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan forderte bei einem Besuch in Ungarn, Saudi-Arabien müsse Beweise vorlegen, sollte der Journalist das Gebäude wirklich verlassen haben.

Proteste vor Botschaft

Vor dem Konsulat versammelten sich am Montag Unterstützer Chaschukdschis und forderten Aufklärung. Sie hielten Schilder hoch mit der Aufschrift: "Freiheit für Journalist Dschamal Chaschukdschi". Unter den Demonstranten war auch die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman, die Saudi-Arabien Terror gegen seine eigenen Bürger vorwarf.

Dem Botschafter Saudi-Arabiens sei bei seiner Einbestellung mitgeteilt worden, dass die Türkei eine "vollständige Zusammenarbeit bei den Ermittlungen" erwarte, um das Verschwinden Chaschukdschis aufzuklären, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Demnach wurde der Botschafter schon am Sonntag ins Außenministerium gerufen.

Auch Deutschland sorgt sich um das Schicksal des Journalisten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, man wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, aber alle Beteiligten müssten zu einer schnellen Aufklärung beitragen.

Im Visier der saudi-arabischen Staatsmacht

Die der türkischen Regierung nahe stehende Zeitung "Sabah" berichtete, Spezialisten der Istanbuler Polizei und des Geheimdienstes MIT ermittelten in dem Fall. Sie gingen davon aus, dass Chaschukdschi ermordet und zwei Stunden nach Betreten des Konsulats in einem schwarzen Kleinbus mit verdunkelten Fensterscheiben herausgebracht worden war.

Die Ermittler konzentrierten sich auf den Kleinbus und fünf weitere diplomatische Fahrzeuge, die das Gebäude in der kritischen Zeit verlassen hätten. Sie versuchten, die Insassen zu identifizieren. Das Spezialteam ginge auch davon aus, dass der saudi-arabische Geheimdienst in den Fall verwickelt sei.

Chaschukdschi war vergangenes Jahr wegen seiner kritischen Berichterstattung ins Visier der saudi-arabischen Staatsmacht geraten und nach Washington geflohen. Der Journalist war zwischenzeitlich auch Medienberater für einige Mitglieder der Königsfamilie in Saudi-Arabien. Er schreibt nun auch unter dem englisch transkribierten Namen Jamal Khashoggi für die "Washington Post".

Kein Einzelfall

Nach Ansicht von Beobachtern ist das Verschwinden Chaschukdschis kein Einzelfall, sondern Muster einer immer aggressiveren Außenpolitik des 33 Jahre alten saudi-arabischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman. Unter anderem gilt er als Initiator der Blockade des Nachbaremirats Katar von 2017, die auch zu Spannungen mit der Türkei führte. Damals unterstützte Ankara das Golfemirat.


Friedensnobelpreisträgerin Karman sagte dem TV-Sender Al-Dschasira während der Proteste in Istanbul: "Das Verbrechen wirft ein Schlaglicht auf die Situation der Menschenrechte in Saudi-Arabien und den durchgeführten Staatsterrorismus".

Sie warf dem saudi-arabischen Kronprinzen vor, in die Details des Falls eingeweiht gewesen zu sein. "Saudi-Arabien wollte Dschamal Chaschukdschi zum Schweigen bringen, aber was passierte, war das Gegenteil. Seine Stimme ist stärker geworden und verbreitet sich weiter", sagte sie.

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