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USA warnen Bevölkerung: "Reisen Sie nicht nach Deutschland"

US-Regierung warnt Bevölkerung  

"Reisen Sie nicht nach Deutschland"

Von Bastian Brauns, Washington

23.11.2021, 15:00 Uhr
USA warnen Bevölkerung: "Reisen Sie nicht nach Deutschland". Ordnungsamtsmitarbeiter kontrollieren auf dem Weihnachtsmarkt in Bielefeld die Einhaltung von 2G-Regeln: Die USA warnen wegen der Corona-Situation vor Reisen nach Deutschland. (Quelle: dpa/Friso Gentsch)

Ordnungsamtsmitarbeiter kontrollieren auf dem Weihnachtsmarkt in Bielefeld die Einhaltung von 2G-Regeln: Die USA warnen wegen der Corona-Situation vor Reisen nach Deutschland. (Quelle: Friso Gentsch/dpa)

Die USA warnen wieder vor Reisen nach Deutschland. Zu groß ist die Sorge vor den hohen Corona-Zahlen. Experten befürchten eine fünfte Welle in den Vereinigten Staaten.

Erst wenige Tage ist es her, da hatten die Vereinigten Staaten nach mehr als 18 Monaten am 8. November ihre Grenzen für einreisende Europäer wieder geöffnet – zumindest für jene, die geimpft sind. Nur zwei Wochen später kommt nun eine explizite Reisewarnung für die eigene Bevölkerung. Ab sofort ist auf Empfehlung der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) auf der Seite des US-Außenministeriums mit rot unterlegter Schrift zu lesen: "Germany – Level 4: Do Not Travel", Reisen Sie nicht nach Deutschland – und zwar wegen Covid-19. Level 4 ist das höchstmögliche Risikolevel. Nur wenn es unbedingt nötig sei, solle man reisen, und sowieso sollten nur noch Geimpfte ins Flugzeug steigen.

Warnung auf der Webseite des US-Außenministeriums (Quelle: US Department of State)Warnung auf der Webseite des US-Außenministeriums. (Quelle: US Department of State)

Zwar blieben die Infektionszahlen in den USA seit der Delta-Sommerwelle, die vor allem die Südstaaten heimgesucht hatte, zuletzt auf einem zu bewältigenden Niveau. Doch die Angst vor Covid-19 und die Sorge vor einer fünften Welle sind in den USA zurück. Seit Tagen erscheinen Artikel, welche die Lage in Europa beschreiben. Was die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Gesundheitsminister Jens Spahn oder der Virologe Christian Drosten sagen, wird auf der anderen Seite des Atlantiks Wort für Wort verfolgt. Zuletzt erschien eine viel beachtete Reportage in der New York Times mit dem Titel: Deutschlands vierte Covid-Welle: "Eine Pandemie der Ungeimpften". Die Ausschreitungen in den Niederlanden, Belgien und Österreich werden mit Erschrecken zur Kenntnis genommen.

Angst vor einer fünften Welle in den USA wächst

Die Entwicklungen in Deutschland und Europa müssen den Vereinigten Staaten eine Warnung sein. Denn die Impfquoten der einfach und vollständig Geimpften sind hierzulande vielerorts noch schlechter als in Deutschland, wo die Quote insgesamt inzwischen bei immerhin 70,5 Prozent liegt. Die Gesamtquote in den USA liegt mit rund 59 Prozent deutlich darunter. Insbesondere in vielen US-Bundesstaaten, in denen die Republikaner regieren, bleibt die Impfquote aber selbst bei der Gruppe der mindestens einfach Geimpften teils dramatisch schlecht.

Zwar empfiehlt die CDC anders als die Ständige Impfkommission in Deutschland seit Anfang November auch die Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren. Aber auch in dieser Altersgruppe beträgt die Impfquote der vollständig Geimpften bislang nur 63 Prozent. Einen zusätzlichen sogenannten Boostershot haben in den USA bislang nur rund 1,2 Millionen Bürger erhalten. Dabei ist es hierzulande ungleich einfacher, an eine weitere Dosis zu kommen, da hier nicht nur in Arztpraxen oder Impfzentren, sondern auch in Drogerien und Apotheken geimpft werden darf. Immerhin hatte die CDC Ende vergangener Woche die Vakzine von Moderna und Pfizer ab sofort für alle Erwachsenen empfohlen.

Experten warnen bereits davor, dass die USA nun erneut zum Zuschauer einer Katastrophe in Europa werden könnten, die kurze Zeit später aber dann auch wieder das eigene, unvorbereitete Land heimsucht. In einem Gastbeitrag im britischen "Guardian" schrieb der Gründer und Direktor des kalifornischen Scripps Research Translational Institute, Eric Topol, einen eindringlichen Appell, gerichtet an seine eigenen Landsleute:

"Zum vierten Mal während der Pandemie" würden die USA "in einer Position des Verleugnens verharren" und denken, sie würden "in gewisser Weise immun gegenüber dem sein, was in Europa passiert." Spätestens jetzt sei es an der Zeit, dass die USA erstmals die europäischen Warnsignale beherzigen und alle Register zögen: Erstimpfungen und Auffrischungsimpfung müssten jetzt beworben werden, "als gäbe es kein Morgen", so Topol. Aggressiv müsse gegen die allgegenwärtigen Fehlinformationen und Desinformationen vorgegangen werden.

Die Welle rollt bereits heran

Die leider notwendigen, aber nachweislich wirksamen Impfpflichten müssten jetzt schnell ausgeweitet werden. Und einen weiteren Punkt fordert Topol: massenhaft müssten Masken in guter medizinischer Qualität ausgegeben werden und endlich auch kostenlose Schnelltests. In den USA gibt es bislang kaum bezahlbare und verfügbare Schnelltestmöglichkeiten. Es gibt deshalb Firmen, die für ihre Mitarbeiter ausgerechnet in Deutschland günstige Schnelltests einkaufen.

Würde sein Appell ungehört verhallen, dann “steht uns wahrscheinlich eine fünfte Welle bevor”, schreibt Topol. Tatsächlich stiegen die Fallzahlen in den USA nach einer kurzen Erholung im September und Oktober zuletzt wieder an. Die Anzahl der Infizierten liegt im Sieben-Tage-Mittel inzwischen wieder bei mehr als 90.000 registrierten Fällen pro Tag. Also weit entfernt von rund 11.000 Fällen im Juni dieses Jahres. Auch die Anzahl der Hospitalisierungen und der Toten steigt. Derzeit sterben nach wie vor rund 1.000 Amerikaner pro Tag an oder mit Covid-19. Dabei ist auch hierzulande deutlich: Das Risiko zu sterben ist für Ungeimpfte rund vierzehnmal höher als für Geimpfte. Auch die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, ist für diese Gruppe rund sechsmal höher.

Die nächste Covid-19-Welle in den USA, sie rollt bereits heran. Nachdem es den Süden im Sommer traf, bewegt sie sich nun im beginnenden Winter nach Norden und nach Westen. Die Menschen verbringen jetzt mehr Zeit drinnen. Bei geschlossenen Fenstern schlägt das Virus über die Aerosol-Verbreitung zu. Die Krankenhäuser im nördlichen Bundesstaat Michigan schlagen bereits Alarm. Denn hier erreichen die Fallzahlen bereits den höchsten Stand seit Pandemiebeginn.

Thanksgiving weniger sorglos als gedacht

Hinzu kommt: Diesen Donnerstag ist Thanksgiving, einer der wichtigsten Familienfeiertage in den USA. Millionen von Menschen sind bereits auf dem Weg durchs ganze Land, um ihre Verwandten und Freunde zu besuchen. Experten befürchten so eine noch schnellere Ausbreitung des Virus, besonders durch Rückkehrer aus Regionen, die stark betroffen sind. Anders als für Einreisende aus dem neuen Hochrisikoland Deutschland gilt für Inlandsflüge in den USA nach wie vor keine Impfpflicht.

Bei einem NBC-Fernsehauftritt am vergangenen Wochenende wich der US-Verkehrsminister Pete Buttigieg den Fragen des Moderators nach einer Impfpflicht für Inlandsflüge aus. Bei internationalen Flügen habe man solche Pflichten eingeführt, weil "andere Länder andere Standards hätten" als die USA. Dabei dürften die Unterschiede in den "Standards" zwischen Deutschland und den USA insgesamt geringer sein zwischen den US-Bundesstaaten selbst.

Der höchste Gesundheitsbeauftragte der USA, der Immunologe Anthony Fauci, aber hatte erst vor wenigen Tagen Entwarnung für die Bevölkerung gegeben. Thanksgiving könnten amerikanische Familien in diesem Jahr relativ sicher miteinander verbringen, wenn sie denn geimpft seien. Joe Bidens Sprecherin Jen Psaki bekräftigte diese Einschätzung auch vonseiten der US-Regierung. Das Risiko durch Impfdurchbrüche wird noch als gering eingeschätzt. Geringer zumindest als das Risiko durch ungeimpfte Bürger oder durch Deutschland-Besucher.

Verwendete Quellen:

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