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US-Sicherheitsexperte: "Putin geht ein enormes Risiko ein"

  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington

Aktualisiert am 24.02.2022Lesedauer: 5 Min.
Pokert Russlands Präsident Wladimir Putin zu hoch?
Pokert Russlands Präsident Wladimir Putin zu hoch? (Quelle: imago-images-bilder)
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In Europa herrscht Krieg. Dennoch werden sich die USA künftig weniger um ihre alten Verbündeten kümmern. Vor diesem Szenario warnt der Verteidigungsexperte Elbridge Colby vor allem Deutschland.

Elbridge Colby erarbeitete bereits unter US-Präsident Donald Trump eine Strategie, wie die Vereinigten Staaten auf die wachsende Bedrohung durch China und Russland reagieren sollten. Trotz Putins begonnenem Krieg gegen die Ukraine ist der frühere Beamte des Verteidigungsministeriums mehr denn je überzeugt: Die USA müssen sich neu orientieren und können sich nicht länger vor allem um Europa kümmern. Das hat seiner Ansicht nach Konsequenzen, die spätestens nach der Regierungszeit von Joe Biden zu spüren sein werden.

t-online: Herr Colby, wirkt der Westen angesichts des Angriffskriegs von Russlands Präsident Wladimir Putin schwach?

Elbridge Colby: Ich denke, dass es durchaus Anzeichen von Stärke gibt, wenn man die Entwicklungen zuvor betrachtet: Die USA, Deutschland, die EU und weitere Alliierte führen Sanktionen ein. Was das bringt, werden wir wohl aber erst in den kommenden Wochen und Monaten sehen.

Aber glauben Sie grundsätzlich an die Wirkung dieser Sanktionen?

Der Kreml hat eine sehr deutliche Entscheidung getroffen. Ich bin mir derzeit nicht sicher, ob uns wirtschaftliche Sanktionen allein an diesem Punkt wirklich weiterhelfen werden.

Russland kann sich als Staat an den Märkten der EU und der USA keine Kredite mehr besorgen. Nach dem nächtlichen Einmarsch in die Ukraine wird es nun weitere Sanktionen geben.

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Das war tatsächlich schon eine sehr starke Maßnahme. Aber eben diese deutlichen Signale kannte der Kreml bereits. Sie scheinen eingepreist zu sein.

So formulierte es auch Russlands ehemaliger Präsident Dmitri Medwedew bereits vor der Anerkennung der Unabhängigkeit der ostukrainischen Separatistengebiete.

Ja, und dann drohte er sofort mit einer Verdopplung des Gaspreises für Europa. Natürlich besteht noch immer eine Chance, dass Russland sich doch noch eines Besseren besinnt. Aber die vergangenen Stunden zeigen es: Putin hat seinen Krieg gegen die Ukrainer begonnen. Präsident Joe Biden hat davor nicht ohne Grund gewarnt. Ich glaube nicht, dass die Sanktionen jetzt noch eine echte Wende einleiten werden. So wichtig ich sie trotzdem finde.

Elbridge Colby
Elbridge Colby (Quelle: privat)

Was bräuchte es aus Ihrer Sicht stattdessen?

Realistischerweise braucht Europa mehr eigene militärische Stärke. Die USA müssen den asiatischen Raum priorisieren. Wir werden künftig nicht mehr in der Lage sein, die Rolle einer dominierenden militärischen Macht in der Nato zu spielen, wie wir es in der Vergangenheit getan haben. Deshalb muss es viel größere Anstrengungen seitens Europas und insbesondere Deutschlands geben.

Elbridge Colby (42) ist der Mitgründer und Leiter der "Marathon Initiative", einer politischen Denkfabrik in Washington, die unter anderem auch vom ehemaligen deutschen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) beraten wird. Ihr Ziel ist nach eigenen Angaben, Strategien für die Vereinigten Staaten in einer Ära des anhaltenden Wettbewerbs der Großmächte zu entwickeln. Colby ist Autor des kürzlich erschienenen Buches "The Strategy of Denial: American Defense in an Age of Great Power Conflict". Von 2018 bis 2019 war Colby Direktor des Verteidigungsprogramms am "Center for a New American Security". Unter Donald Trump war er von 2017 bis 2018 leitender Beamter im US-Verteidigungsministerium und entwickelte eine nationale Sicherheitsstrategie bezüglich China und Russland.

Nehmen wir an, die Europäer würden stark aufrüsten. Selbst dann würden sie sich doch wegen der Ukraine nicht militärisch mit der Nuklearmacht Russland anlegen. Das machen die Amerikaner auch nicht.

Die Arbeitsteilung in der Nato ist bislang so: Die Europäer bieten Russland wirtschaftlich die Stirn. Allein Italien hat ein größeres Bruttoinlandsprodukt als Russland. Aber diese ökonomische Stärke muss sich auch in den militärischen Kapazitäten widerspiegeln. Nur so werden die Europäer von Russland wirklich ernst genommen. Sehr vieles gelingt derzeit nur, weil Amerika mit seinen See- und Luftstreitkräften zur Stelle ist. Tatsächlich sollten die USA den nuklearen Abwehrschirm auf Europa ausdehnen. Aber Europa braucht mehr eigene Kapazitäten. Mit Frankreich und Großbritannien gibt es diese auch.

Die USA wollen sich China schon lange viel stärker widmen. Russlands Verhalten bindet jetzt aber alle Aufmerksamkeit.

Es gibt das Argument, dass wir uns nur dann auf Asien konzentrieren sollten, wenn die Verhältnisse in Europa und im Nahen Osten stabil sind. Aber das ist nicht richtig. Wir müssen uns auf Asien konzentrieren, egal, was in Europa passiert. Denn das ist für die USA strategisch die wichtigste Bühne ab. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen. Das wäre sehr gefährlich.

Sie haben Putins Rede gehört. Klangen seine Worte für Sie so, als sei der Angriff auf die Ukraine vielleicht sogar nur der Teil eines größeren Plans?

Der militärische Aufwand, den Putin betreibt, um die Ukraine anzugreifen, auch nur, um bestimmte Teile einzunehmen, ist bereits enorm. Obwohl Russland militärisch viel stärker ist als die Ukraine, halte ich es für unwahrscheinlich, dass er weitermacht und beispielsweise auch die baltischen Staaten bedroht. Aber es ist deshalb wichtig, der Ukraine Waffen zur Verteidigung zu liefern: Das hält Putin auch davon ab, anderen Ländern zu drohen.

Es gab viel Kritik an Deutschland, zu zögerlich mit Konsequenzen für Nord Stream 2 zu sein. Finden Sie den Schritt, das Projekt vorläufig zu stoppen, ausreichend?

Man darf die Bedeutung von Nord Stream 2 auch nicht größer machen, als sie ist. Der Schritt ist richtig, aber an der Abhängigkeit Europas vom russischen Gas ändert das nichts Grundsätzliches.

Sollte Wladimir Putin die Ukraine tatsächlich einnehmen wollen, würde nicht die Nato an Russland heranrücken, sondern Russland an die Nato. Wie gefährlich ist das?

Ja, dann gibt es ein Problem mit Polen und Rumänien. Auch Belarus dürfen wir nicht vergessen, wo Putins Truppen bereits stehen. Wir Amerikaner und die Europäer können nicht wollen, dass Russland damit erfolgreich ist. Wir müssen es schaffen, Russlands mögliche Pläne mit Geld, mit Waffen und mit Unterstützung der Zivilgesellschaft zu verbauen.

In Washington war zuletzt eine große überparteiliche Übereinstimmung hinsichtlich der Haltung gegenüber Russland zu beobachten. Aber es gibt auch Kräfte bei den Republikanern, darunter auch der ehemalige Präsident Donald Trump, die Europa lieber sich selbst überlassen würden. Wie schätzen Sie das ein?

Die Präsidentschaft Donald Trumps war ein Weckruf. Die Biden-Regierung wird die letzte US-Regierung sein, die so ein traditionelles und vielleicht romantisiertes Verständnis von der Nato hat. Es gibt in Amerika nur wenig Unterstützung für diese Herangehensweise in Bezug auf Europa, geschweige denn für etwaige weitere Expansionspläne der Nato. Für Anstrengungen, sich gegen China zu wehren, werden Sie hier hingegen aber viel Zuspruch von beiden politischen Seiten finden.

Das klingt nicht erfreulich aus Sicht der Europäer.

Darum ist es so wichtig, dass Europa und besonders Deutschland Selbstverantwortung übernehmen und zeigen. Die künftigen führenden Stimmen im US-Kongress sehen das auch so. In diese Richtung zeigt der Trend eindeutig.

Denken Sie denn, wie Trump es ausdrückte, dass Putin auf "geniale Weise" handelt? Oder wird Russland nun selbst jahrzehntelang unter den Konsequenzen zu leiden haben?

Das weiß niemand. Aber Putin geht ein enormes Risiko ein. Wenn er in der Ukraine stecken bleibt und zugleich den Westen gegen sich hat, sind seine künftigen Optionen sehr eingeschränkt. Das wird auch Auswirkungen auf die Beziehungen zu China haben. Dann ist Putin viel stärker auf diesen Partner angewiesen, was seine Spielräume einschränkt. Putin betreibt ein sehr riskantes Glücksspiel.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Von Lisa Becke
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