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Von wegen langweilig ÔÇô So kurios ist der Wahlkampf

Von dpa, pdi

Aktualisiert am 07.09.2017Lesedauer: 4 Min.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) probiert w├Ąhrend eines Besuchs bei den Johannitern in der Feldk├╝che Eintopf. Merkel mag selbstgekochte Kartoffelsuppe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) probiert w├Ąhrend eines Besuchs bei den Johannitern in der Feldk├╝che Eintopf. Merkel mag selbstgekochte Kartoffelsuppe. (Quelle: /dpa-bilder)
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Merkels Kartoffelsuppe, Schulz und die Golfspieler, Lindner und der Thermomix, Gysi und die Nackten: So langweilig, wie viele sagen, ist der Wahlkampf gar nicht. Zumindest, wenn man ihn mit Satire-Brille betrachtet.

Angela Merkel geht im Wahlkampf bis zum ├äu├čersten: Sie wird privat. "Ich zerstampfe die Kartoffeln immer selbst mit einem Kartoffelstampfer und nicht mit der P├╝riermaschine", verr├Ąt sie der "Bunten". Solche S├Ątze sind eine Steilvorlage f├╝r die "Heute-Show", die Satiresendung im ZDF. "Endlich: Merkels verbindlichste Aussage in zw├Âlf Jahren Kanzlerschaft", schreibt die Redaktion zur Causa Kartoffelsuppe.

Wenn die "Heute-Show" am Freitag (8.9.) aus der Sommerpause kommt, hat sie reichlich Stoff. Der Wahlkampf liefert einiges an Material. W├╝rde man die Bundestagswahl wie Comic-Held Asterix sehen, k├Ânnte man sagen: "Die spinnen, die Deutschen".

Schon bei den Formalien geht was schief: In Heidelberg plakatiert die CDU aus Versehen SPD-Plakate. Im Wahlkreis Kreuznach m├╝ssen Stimmzettel nachgedruckt werden, das Papier war zu d├╝nn f├╝rs Wahlgeheimnis. Vor dem TV-Duell reklamiert die SPD im Internet den Sieg schon Stunden vorher f├╝r sich - und entschuldigt sich nach dem "peinlichen Fehler" f├╝r die angerichtete "Verwirrung".

Gregor Gysi (Die Linke) vermisst die FKK-Kultur an deutschen Str├Ąnden.
Gregor Gysi (Die Linke) vermisst die FKK-Kultur an deutschen Str├Ąnden. (Quelle: /dpa-bilder)
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Nacktes geht immer, gerade im Sommer: Das wei├č Medienprofi Gregor Gysi, der im "Playboy" das Verschwinden von FKK im Osten beklagt. Er verspricht, sich bei seinen Linkspartei-Kollegen f├╝r FKK im Osten einzusetzen. Sich selbst ausgenommen: "Alles hat Grenzen", sagt Gysi der "Bild"-Zeitung, die ihn zu den Nackten am Berliner M├╝ggelsee begleitet und ihn damit auf den Titel hebt. "Wenn ├╝berhaupt, findet FKK bei mir nur noch zu Hause statt."

Schulz gegen Golfspieler

W├Ąhrend die Gr├╝nen im Wahlkampf diesmal vergleichsweise unauff├Ąllig waren, legt sich SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im Dienste f├╝r den kleinen Mann mit den Golfspielern an. Mit Blick auf die Bosse der Autoindustrie sagt er: "Mich interessieren die Golffahrer deutlich mehr als diese Golfspieler. Die Arroganz dieser Leute gef├Ąhrdet einen ganzen Industriezweig."

Eine "Frechheit" und "├Âffentliche Diffamierung" sei das, donnert Claus M. Kobold, Pr├Ąsident des Deutschen Golf Verbands. "Neue Freunde haben Sie sich mit Ihrem Golfvergleich sicherlich nicht gemacht." ├ťberraschen werde es Schulz vielleicht, dass es im Golfsport sehr viele SPD-Sympathisanten gebe - "oder jetzt m├Âglicherweise gab".

FDP-Chef Christian Lindner wirkt auf den Wahlplakaten wie ein Rasierwasser-Model. Er ist so pr├Ąsent, dass das Satiremagazin "Extra 3" ein Bild mit dem Spruch versieht: "Alle elf Sekunden verliebt sich ein Liberaler in sich selbst." Manche f├╝hlen sich bei Lindner an einen Vertreter erinnert, der eine Thermomix-Maschine verkauft. Die Twitteraktion bekommt das Schlagwort "ThermiLindner". Dass der smarte Parteichef zwischen den Wahlkampfterminen noch f├╝r die J├Ągerpr├╝fung b├╝ffelt, macht er selbst gern zum Thema.

FDP-Chef Lindner wirkt auf den Wahlplakaten wie ein Rasierwasser-Model. Er ist so pr├Ąsent, dass das Satiremagazin "Extra 3" ein Bild mit dem Spruch versah: "Alle elf Sekunden verliebt sich ein Liberaler in sich selbst."
FDP-Chef Lindner wirkt auf den Wahlplakaten wie ein Rasierwasser-Model. Er ist so pr├Ąsent, dass das Satiremagazin "Extra 3" ein Bild mit dem Spruch versah: "Alle elf Sekunden verliebt sich ein Liberaler in sich selbst." (Quelle: /dpa-bilder)

Eine ungl├╝ckliche Figur macht die Berliner SPD-Kandidatin Eva H├Âgl, als sie vor der Kamera grinsend winkt, w├Ąhrend Parteichef Schulz ├╝ber den Terroranschlag in Barcelona spricht. Hinterher entschuldigt H├Âgl sich und erkl├Ąrt, sie habe nicht geh├Ârt, wor├╝ber Schulz gerade spricht. "Wer mir unterstellt, Terror sei mir egal oder ich w├╝rde mich sogar dar├╝ber lustig machen, tickt nicht ganz richtig." Das zielt vor allem auf die AfD. AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel forderte H├Âgls R├╝cktritt.

CDU-Politiker Jens Spahn findet ein neues Feindbild: den Kellner, der in den Berliner Caf├ęs nur Englisch spricht. Das gehe ihm "auf den Zwirn", so Spahn. Mit dieser Meinung ist er in Berlin gar nicht so allein. Nachdem das Interview der "Neuen Osnabr├╝cker Zeitung" Spahn ins Gespr├Ąch gebracht hat, legt er nach. In der "Zeit" kritisiert Spahn, die Hipster, also die vermeintlich coolen Leute, schotteten sich mit ihrem Englisch ab. "Hipster-Hass als Wahlkampf-Thema. Gro├č!", schreibt das Modeblog "Dandy Diary" dazu.

CDU-Politiker Jens Spahn gehen die Kellner, die in den Berliner Cafes nur Englisch sprechen "auf den Zwirn".
CDU-Politiker Jens Spahn gehen die Kellner, die in den Berliner Cafes nur Englisch sprechen "auf den Zwirn". (Quelle: /dpa-bilder)

Auch die Rechtspopulisten, die erstmals in den Bundestag einziehen wollen, bieten schr├Ąge Momente. Die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch posiert neben dem polizeibekannten Rapper Bushido vor der Kamera. Die beiden hatten einen gemeinsamen Interviewtermin.

Was die einen f├╝r kurios halten, ist f├╝r den anderen eine Profilierung im Wahlkampf. Es sei eine Frage der Interpretation, sagt der Politikerwissenschaftler Oskar Niedermayer von der Freien Universit├Ąt Berlin. Jens Spahn wollte demnach sein konservatives Profil sch├Ąrfen. Martin Schulz habe mit dem Golfspieler-Zitat zeigen wollen: "Die kleinen Leute sind ihm wichtiger als die Reichen."

Der Satire-Kandidat

Durch die Medien und das Internet ist der Wahlkampf rasanter geworden, wie Niedermayer best├Ątigt. "Bestimmte Fehler werden viel schneller und h├Ąrter blo├čgestellt." Bei Kuriosem an Wahlkampf denkt Niedermayer an das Jahr 2002, als sich der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle eine "18" an die Schuhsohlen klebte, f├╝r die angestrebten 18 Prozent der Stimmen. Westerwelles Wahlkampf-Auto war das "Guidomobil". Gelitten hat die Kampagne dann, als Teile Deutschlands im Hochwasser standen, wie Niedermayer erinnert. Pech f├╝r die FDP, denn da war es bei einigen mit dem Spa├č vorbei.

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Ganz ernst meint es angeblich in diesem Jahr Serdar Somuncu, der Kandidat der f├╝r Satire bekannten "Die Partei". "Ernster kann man das nicht meinen", sagt der Comedian dem "Tagesspiegel". "Ich glaube wirklich, dass es eine gute Idee ist, als Alternative zu Merkel und Schulz anzutreten." Somuncu steht auf Platz 1 der Berliner Landesliste und tritt als Direktkandidat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg an. "Den Bezirk kenne ich nicht, und der interessiert mich nicht", sagt er dazu. "Ich pl├Ądiere daf├╝r, dass mich die Menschen w├Ąhlen, weil ich auf dem Wahlzettel stehe."

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