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"Den Aufschrei der Muslime gibt es sehr wohl"

Von t-online
23.03.2016Lesedauer: 4 Min.
"Sorry for Brussels" - ein Junge an der griechisch-mazedonischen Grenze, dr├╝ckt sein Mitgef├╝hl aus.
"Sorry for Brussels" - ein Junge an der griechisch-mazedonischen Grenze, dr├╝ckt sein Mitgef├╝hl aus. (Quelle: /Reuters-bilder)
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"Wo bleibt der Aufschrei der Muslime", fragen viele nach den terroristischen Anschl├Ągen von Br├╝ssel. Cemile Giousouf ist Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. t-online.de sprach mit ihr ├╝ber den Terror, die Muslime und ihre Angst vor dem Generalverdacht.

Frau Giousouf, heute wird wieder der Aufschrei der Muslime gegen den Terror gefordert. Gibt es den nicht, oder h├Âren wir ihn nur nicht?

Giousouf: Den Aufschrei der Muslime gibt es sehr wohl. Wenn wir uns die Homepages der muslimischen Organisationen anschauen, dann sehen wir, dass sich alle, die in Deutschland organisiert sind, zu den Anschl├Ągen ge├Ąu├čert haben. Der Islamrat hat dazu eine Stellungnahme verschickt. Der Zentralrat der Muslime und die DITIB (die "T├╝rkisch-Islamische Union der Anstalt f├╝r Religion", Anm.), haben erkl├Ąrt, dass sie tief betroffen sind von den menschenverachtenden Anschl├Ągen in Br├╝ssel. Sie sind aber gestern weder in den Tagesthemen noch in der Tagesschau aufgetaucht.

Warum kommen diese Reaktionen in der ├ľffentlichkeit nicht an?

Ich glaube, dass die muslimischen Gemeinden insgesamt noch keine so professionelle Medienarbeit leisten. Auf der anderen Seite ziehen Journalisten eher Experten heran und befragen sie zu den Motiven ÔÇô auch weil sie nicht wissen, wer eigentlich f├╝r die Muslime spricht. Da gibt es auf beiden Seiten noch Luft nach oben.

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Und die muslimische Zivilgesellschaft? Sind die Menschen nach solchen Anschl├Ągen auch geschockt, oder herrscht das Gef├╝hl vor: "Das geht mich nichts an"?

Ich kann nicht f├╝r alle Muslime sprechen. Bei denen, mit denen ich zusammenarbeite, gibt es eine tiefe Betroffenheit. Viele sagen: "Ich sch├Ąme mich so sehr f├╝r das, was dort im Namen der Religion passiert. Das hat nichts mit unserem Leben zu tun." Neben der Betroffenheit gibt es gleichzeitig immer noch die Angst, unter Generalverdacht gestellt zu werden.

In Deutschland gibt es fast keine Nazi-Demo ohne Gegen-Demo. Bei salafistischen Kundgebungen erlebt man das nicht. Warum ist das so?

Ich glaube, da gibt es - leider noch - unterschiedliche Traditionen. Auf der einen Seite ├Ąu├čern sich die Muslime gegen Extremismus, aber dass man sich selbstbewusst auf die Stra├če stellt, ist selten. Ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass sich die Muslime viel lauter und viel sichtbarer gegen den Terror stellen. Einmal, nach den Anschl├Ągen von Paris, gab es eine Mahnwache am Brandenburger Tor. Da haben sich die Organisationen zusammengestellt und gegen den Terrorismus weltweit demonstriert.

Auf muslimischen Facebook-Seiten sieht man viele Reaktionen, nach dem Motto: "Jetzt geben sie wieder uns die Schuld." Ein Gef├╝hl, dass es dieses Problem in der eigenen Community gibt, scheint wenig ausgepr├Ągt zu sein.

Die Radikalisierung bis hin zur Vorbereitung so eines Massakers geschieht doch nicht in den Gemeinden, sondern in den dschihadistischen Netzwerken, die Jugendliche ├╝ber soziale Medien anwerben. Dann werden sie radikalisiert und mit Auftr├Ągen ins Kriegsgebiet oder zu Anschl├Ągen geschickt. Wenn Jugendliche sich aus der Gemeinde verabschieden, ist die Gefahr am gr├Â├čten, weil es dann keinen Zugang mehr zu ihnen gibt. Da m├╝ssen die muslimischen Gemeinden dann allerdings schon den Blick sch├Ąrfen, wenn sich so etwas andeutet. Ich glaube schon, dass sie die wichtigsten Partner f├╝r uns sind.

Wir sollten keine Grenze zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ziehen, sondern zwischen denen, die die Demokratie ablehnen und denen, die gegen unsere Werte arbeiten. Da stehen die deutschen Muslime auf derselben Linie wie Christen, Juden oder Nichtreligi├Âse Alle sehen den IS als Feind. Wer mit antidemokratischen Spr├╝chen kommt, wird schnell hinausbef├Ârdert. Da sehe ich auch keine versteckte Toleranz der muslimischen Verb├Ąnde gegen├╝ber Terroristen. Muslimische Gemeinden sind nicht der Hort der Radikalisierung, sondern der Gegenma├čnahmen.

CDU-Politikerin Cemile Giousouf
CDU-Politikerin Cemile Giousouf (Quelle: B├╝ro Giousouf)

Cemile Giousouf (gesprochen "Jusuf") ist Integrationsbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion und selbst Muslimin. Die Tochter t├╝rkischer Eltern aus der griechischen Region Thrakien ist in Deutschland aufgewachsen. Sie ist im Landesvorstand der nordrhein-westf├Ąlischen CDU und seit 2013 Bundestagsabgeordnete.

Viele Moslemf├╝hrer halten sich mit signifikanten Aussagen gegen├╝ber der Presse zur├╝ck. Haben sie Angst, als Nestbeschmutzer denunziert zu werden?

Man hat auf jeden Fall die Bef├╝rchtung, den Ruf einer extremistischen Organisation zu bekommen. Das kann dazu f├╝hren, dass man eben nicht zur Polizei geht und Probleme meldet, sondern manche Entwicklungen erst einmal toleriert. Dabei sp├╝rt man ja, wenn junge Menschen sich ver├Ąndern. Da m├╝ssen die Muslime das Selbstbewusstsein und die Gr├Â├če haben, diese jungen Leute anzusprechen und zur├╝ckzuholen. Da gibt es mittlerweile deutschlandweit Strukturen mit Beratungsstellen, die alle ansprechen k├Ânnen, die so etwas beobachten. Deradikalisierung ist eine Aufgabe f├╝r Profis.

Von Moslemf├╝hrern h├Ârt man oft den Satz: "Der Terror hat mit dem Islam nichts zu tun." Ist das nicht auch eine billige Ausrede, um nichts tun zu m├╝ssen? Die T├Ąter sind ja Muslime.

Ich teile diese Aussage auch nicht. Wenn sich Extremisten auf das Religionsbuch berufen, um Terrorakte zu begehen, dann k├Ânnen es sich die Muslime nicht so leicht machen und sagen, das habe nichts mit ihrer Religion zu tun. Letztlich wird ihr Buch missbraucht, um Menschen zu t├Âten und Terror zu verbreiten. Man muss ganz selbstbewusst sagen: Die Botschaft des Islam ist eine andere, aber hier werden Botschaften aus dem Kontext gerissen, um Menschen zu radikalisieren.

Die Muslime m├╝ssen Verantwortung ├╝bernehmen. Ich muss aber eines sagen: Wie soll der durchschnittliche Muslim, der hier arbeitet und seine Kinder zur Schule schickt, mit diesem Extremismus umgehen? Da muss der Staat helfen. Die muslimischen Organisationen sind da gefragt, wo es darum geht, Strukturen aufzudecken und junge Menschen zur├╝ckzuholen. Dazu muss man aber auch zugeben: Ja, es hat auch etwas mit dem Islam zu tun.

Zurzeit brodelt in den Social Media der Vorwurf, die Anschl├Ąge h├Ątten mit den Fl├╝chtlingen zu tun.

Die Opfer des weltweiten Terrorismus sind ja meist Muslime. An die t├Ąglichen Anschlagsmeldungen aus dem Irak, Afghanistan oder Somalia haben wir uns ja fast gew├Âhnt. Ich wei├č nicht, ob es unter den Fl├╝chtlingen Menschen gibt, die so etwas planen. Es w├Ąre auch illusorisch, zu glauben, das seien alles nur Leute, die Gutes wollten. Aber: Die, die Anschl├Ąge in Europa ver├╝bt haben, waren alle hier sozialisiert. Ebenso, wie die rund 700 Extremisten, die nach Syrien gegangen sind. Viele sind sogar deutschst├Ąmmig. Die Menschen, die zu uns kommen, fliehen ja gerade vor diesem Terror und vor Assad. Deswegen ist es auch Menschen verachtend, wie Vera Lengsfeld und andere Scharfmacher damit umgehen.

Die Fragen stellte Christian Kreutzer

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