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Verleger Götz Kubitschek: Die Schnittstelle zwischen AfD und Identitären


Dieser Mann zieht die Fäden in der rechten Szene


28.01.2024Lesedauer: 6 Min.
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Götz Kubitschek, rechtsextremer Ideologe und Verleger: Am Freitag soll Kubitschek bei einem Geheimtreffen in Dortmund sprechen.Vergrößern des Bildes
Götz Kubitschek, rechtsextremer Ideologe und Verleger: Am Freitag soll Kubitschek bei einem Geheimtreffen in Dortmund sprechen. (Quelle: SVEN SIMON/imago images)

Schaut man sich die rechte Szene in Deutschland an, laufen viele Fäden bei einem Mann zusammen: Götz Kubitschek. Wer ist der Vernetzer der extremen Rechten?

Eigentlich gäbe es keinen Grund, über das Dorf Schnellroda in Sachsen-Anhalt zu schreiben. 145 Menschen leben hier, die Highlights des dörflichen Lebens sind die jährliche Feier des Pfingstbieres und das Heringsessen am Faschingsdienstag.

Und doch muss man über Schnellroda berichten – und das liegt vor allem an dem Mann, der mit seiner Familie das örtliche Rittergut bewohnt: Götz Kubitschek. Er wohnt nicht nur in Schnellroda, sondern arbeitet auch dort. Sein Rittergut beheimatet das vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Institut für Staatspolitik (IfS) und den Antaios-Verlag, über den rechtsextreme Autoren wie der Identitäre Martin Sellner und Maximilian Krah, AfD-Spitzenkandidat für die anstehenden Europawahlen, ihre Werke veröffentlichen.

Auch Kubitscheks Institut für Staatspolitik hat sich in seinem 24-jährigen Bestehen zu einem Hort rechtsextremer Vernetzung entwickelt. Doch wer ist der Mann, bei dem die Fäden der Neuen Rechten zusammenlaufen? Wie hat sich sein Rittergut zur zentralen Anlaufstelle Rechtsextremer, von AfD bis "Identitärer Bewegung", entwickelt?

Anleihen aus der "Konservativen Revolution"

Götz Kubitschek wird 1970 im oberschwäbischen Ravensburg geboren. Nach seinem Lehramtsstudium schließt er sich im Jahr 1995 der "Jungen Freiheit", einer rechtskonservativen Tageszeitung, an und verantwortet dort das Ressort Sicherheit und Militär. Als Reserveoffizier des Heeres nahm Kubitschek von Dezember 1997 bis März 1998 am Auslandseinsatz der Bundeswehr in Bosnien teil. Über seine Einsatzerlebnisse schrieb er das Buch "Raki am Igman".

Ein entscheidendes Jahr für Kubitschek und die Neue Rechte in Deutschland ist das Jahr 2000. In diesem Jahr gründet er gemeinsam mit Karlheinz Weißmann und Stefan Hanz das IfS. Alle drei sind damals im Umfeld der rechten Zeitung "Junge Freiheit" aktiv, mit der der rechtsextreme Thinktank bis ins Jahr 2014 eng zusammenarbeitete. Parallel hebt Kubitschek den Verlag Antaios aus der Taufe, der Jahre später zu einem der wichtigsten Publikationshäuser rechtsextremer Literatur wird.

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Der Name des Verlags, Antaios, kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie "Gegner". In der griechischen Sagenwelt war Antaios ein in Afrika lebender Riese, der den Kampf mit Reisenden suchte.

In der Geschichte sei der Name des Riesen immer wieder von Faschisten und Deutschnationalen verwendet worden, schreibt Historiker Frederick Leo im "Cicero". Hans Freyer, ein Vordenker der "Konservativen Revolution" schrieb ein Buch namens "Antäus".

Kubitschek bezieht sich auf Schmitt, Jünger und Spengler

In der Tradition eben dieser "Konservativen Revolution", einer politischen Strömung aus der Weimarer Republik, sieht sich auch Götz Kubitschek. Mit den Nazis will er nichts zu tun haben, den Holocaust bezeichnete er in einem Interview mit dem "Spiegel" im Jahr 2016 als "riesiges Verbrechen".

Dafür bezieht er sich ideologisch auf die Vordenker des Nationalsozialismus, auf Carl Schmitt, Ernst Jünger und Oswald Spengler. Die haben sich zwar nicht alle offen zum Nationalsozialismus bekannt, prägten deren Ideologie allerdings mit ihren antisemitischen, völkischen und antiparlamentarischen Texten.

Seine Einstellung zum Nationalsozialismus folgt dabei der ideologischen Linie der Neuen Rechten. Deren Vordenker um den Franzosen Alain de Benoist stellten in den 1960er-Jahren fest, dass sie mit historischen Bezügen zum Nationalsozialismus gesellschaftlich keine Erfolge mehr feiern konnten. Daher beruft sich die Neue Rechte im Gegensatz zu Neonazis in der Regel nicht offen auf den historischen Nationalsozialismus als Vorbild.

Vielmehr versucht sie, mit einem intellektuellen Anspruch, neue Wege im Rechtsextremismus zu beschreiten. So wird etwa der Rassismus durch die Vorstellung einer "ethnokulturellen Identität" der Völker, welche es zu schützen gelte, ersetzt.

Rechtsextreme Elitenbildung

Mit seinen Unternehmungen verfolgt Kubitschek ein bis dahin einzigartiges Ziel in der extrem rechten Szene in Deutschland. Er will junge Rechtsintellektuelle aufbauen und fördern, damit sie später eine "intellektuelle Elite" bilden, die in die Gesellschaft hineinwirken sollen, wie es IfS-Mitgründer Karlheinz Weißmann ausdrückt. Genau diese jungen Eliten wollen Kubitschek und seine Mitstreiter am IfS ausbilden. dazu organisieren sie Sommer- und Winterakademien, zu denen sich junge Rechte unter 35 Jahren anmelden können.

Die Idee hinter der Ausbildung einer rechten Elite hat in Schnellroda System. Weißmann erklärt in seinem über Antaios veröffentlichten Pamphlet "Faschismus. Eine Klarstellung.", Geschichte werde hauptsächlich von Eliten geprägt. Denn nur diese verfügten über die "Einsicht" und könnten die "tatsächlichen Zusammenhänge begreifen".

Bildungsseminare mit extremen Inhalten

Die Seminare in Schnellroda sind ein wichtiger Baustein bei der Vernetzung zwischen jungen Rechtsextremen, der Alternative für Deutschland (AfD) und dem, was Kubitschek und Co. als "Vorfeld" bezeichnen – also außerparlamentarisch agierende, rechtsextreme Organisationen wie die "Identitäre Bewegung" oder das "Compact"-Magazin.

So sprachen bei der Sommerakadamie im Jahr 2019 neben der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und dem AfD-Spitzenkandidaten für die diesjährige Europawahl, Maximilian Krah, auch Martin Sellner, der frühere Kopf der österreichischen "Identitären Bewegung", und Felix Menzel, der im NPD- und identitären Umfeld aktiv war und heute das Amt des Pressesprechers der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag bekleidet.

Kubitschek ist international bestens vernetzt

Auch international arbeitet Kubitschek an der Vernetzung rechtsextremer Kräfte. Er sprach auf einer Konferenz der neofaschistischen Casa Pound in Italien und war Gast bei Matteo Salvinis Lega Nord in Rom. 2017 lud ihn die ungarische Regierung von Viktor Orbán als Redner zur Konferenz "Die Zukunft Europas" ein.

Auch bei der Studentenorganisation der österreichischen FPÖ durfte Kubitschek sprechen – kein Wunder, denn mehrere Österreicher gehören zu seinem engeren Umfeld. Unter ihnen ist neben Sellner auch Martin Semlitsch, der unter dem Namen Martin Lichtmesz zum Stammpersonal bei der ebenfalls von Kubitschek gegründeten Zeitschrift "Sezession" gehört.

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Auch Semlitsch gilt als Vordenker in der rechten Szene und ist europaweit vernetzt – unter anderem hat er Verbindungen zum französischen Ableger der "Identitären Bewegung", zum neofaschistischen "Scandza Forum" in Schweden und zu Olena Semenyaka, die als Teil des ukrainischen Asow-Regiments bereits mit Hakenkreuz und Hitlergruß posierte. Semlitsch und Kubitschek sind alte Weggefährten und traten mehrmals gemeinsam auf der Frankfurter Buchmesse auf.

Kubitschek: "Haben die AfD erfolgreich gestärkt"

Kubitscheks "Meisterstück" ist aber wohl seine Einflussnahme beim Aufstieg der Alternative für Deutschland. 2015 wollte er mit seiner Frau Ellen Kositza, ebenfalls Autorin bei "Sezession", in die AfD eintreten. Das wurde damals allerdings vom Bundesvorstand und dem damaligen Vorsitzenden Bernd Lucke abgelehnt, wie die "Sächsische" berichtet.

Doch Kubitschek verblieb der AfD in "sympathisierender Distanz", wie er selbst in der "Sezession" schreibt. Sein wichtigster Verbündeter in der Partei ist der Thüringer Björn Höcke, der per Gerichtsbeschluss als Faschist bezeichnet werden darf. Seit Oktober 2014 stimmten sich Kubitschek und Höcke "rhetorisch wie ideologisch" aufeinander ab, um die Partei in Richtung der Neuen Rechten zu treiben, schreibt Kubitschek in der "Sezession".

Das ist Kubitschek laut eigener Aussage gelungen. "Wir haben das grundsätzliche Potential der AfD früh erkannt und durch unsere Publikationen erfolgreich gestärkt", erklärte der Verleger 2023 im Gespräch mit der AfD-nahen Publikation "Deutschlandkurier". Er und das IfS seien auf dem Weg der Partei an den extrem rechten Rand "nicht unparteiisch" gewesen und hätten das "rechtskonservative" Potential der AfD verstärkt.

Vorbereitung auf den Bürgerkrieg

Kubitschek erklärt selbst im Gespräch mit dem "Deutschlandkurier", das IfS, der Verlag Antaios und die "Sezession" hätten großen Einfluss im sogenannten Vorfeld der Partei. Der Verleger aus Schnellroda hat es innerhalb von zehn Jahren geschafft, die AfD nicht nur mit den wichtigsten Köpfen der Neuen Rechten zu vernetzen, sondern sie auch personell und ideologisch einander anzunähern.

Und doch machen die Umfrageergebnisse dem Vordenker der Neuen Rechten Sorgen. In einem "Sezession"-Artikel aus dem vergangenen Jahr fürchtet Kubitschek einen "von sich selbst begeisterten Parlamentspatriotismus", durch den die AfD den von ihm angestrebten Staatsumbau hin zu einem völkisch-nationalistischen Land vergessen könnte. Kubitschek hofft, dass die AfD ihren "Gestaltungselan" auch nach erfolgreichen Wahlen nicht verliere.

Doch selbst für den Fall, dass die AfD im Falle einer Regierungsmehrheit nach Koalitionsmöglichkeiten sucht, ist Kubitscheks "nationales Projekt" nicht beendet. Er hält sich für größer als die Partei – und seine Vision für größer als den Parlamentarismus. Das zeigt sich auch in einer Veröffentlichung des rechten Autors Thorsten Hinz im Antaios-Verlag.

Der schreibt in seinem Buch "Zurüstung zum Bürgerkrieg", Rechte müssten sich darauf vorbereiten, dass aus dem "geistigen Bürgerkrieg", also dem vermeintlichen Kulturkampf zwischen links und rechts, eine ethnische Auseinandersetzung um den Zugang zu sozialen Ressourcen werde. Dabei lässt er außer Acht, dass sein Verleger Götz Kubitschek diesen vermeintlichen Kulturkampf wohl am entschiedensten führt.

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