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Äußerungen zu Özil-Affäre: Altkanzler Schröder greift Heiko Maas an

Schröder greift Maas in Özil-Affäre scharf an  

"Es ist schlicht und einfach unerträglich"

25.07.2018, 20:37 Uhr | dpa, pdi

Äußerungen zu Özil-Affäre: Altkanzler Schröder greift Heiko Maas an. Gerhard Schroeder bei der Amtseinführung von Wladimir Putin in Moskaus: Der Alt-Kanzler wirft Außenminister Mass vor, mit seinen Aussagen den Leuten in die Hände zu spielen, die Özil wegen seiner Herkunft ablehnen. (Quelle: imago images)

Gerhard Schroeder bei der Amtseinführung von Wladimir Putin in Moskaus: Der Alt-Kanzler wirft Außenminister Mass vor, mit seinen Aussagen den Leuten in die Hände zu spielen, die Özil wegen seiner Herkunft ablehnen. (Quelle: imago images)

Im politischen Streit um den Fall Özil machen die Grünen Innenminister Seehofer schwere Vorwürfe. Doch auch Altkanzler Schröder schaltet sich ein - und attackiert einen Genossen.

Die Affäre um Mesut Özil sorgt auch auf der politischen Bühne zunehmend für Streit. Altkanzler und Ex-SPD-Chef Gerhard Schröder übte scharfe Kritik an seinem Parteifreund, Außenminister Heiko Maas. Der hatte nach dem Rücktritt des Fußball-Nationalspielers am Montag gesagt, er glaube nicht, "dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland".

"Dumpfe Kommentare"

Es sei "schlicht und einfach unerträglich", dass sich ein Außenminister in der Debatte über einen deutschen Fußballspieler mit türkischen Wurzeln so einlasse, sagte Schröder der "Süddeutschen Zeitung". Maas' "dumpfe Kommentare" zu Özil hätten auch mit sozialdemokratischen Vorstellungen von Integration "absolut nichts zu tun".

Schröder kritisierte, Maas mache Özil nicht nur indirekt zum Vorwurf, dass er viel Geld verdiene und seinen Lebensmittelpunkt derzeit nicht in Deutschland habe. Der Außenminister zweifle in gewisser Weise auch an, "dass Özil hier so richtig dazugehört". Mit seinen Aussagen spiele Maas denen in die Hände, die Özil wegen der türkischen Herkunft seiner Familie ablehnten. Maas hatte in der Rassismusdebatte um Özil allerdings auch zum Kampf gegen Fremdenhass aufgerufen.

Grünen-Chef Robert Habeck wiederum wies Innen- und Sportminister Horst Seehofer (CSU) eine Mitverantwortung für die Entfremdung vieler Deutsch-Türken zu - und indirekt auch für Özils Abtritt aus der Nationalmannschaft. "Wenn der Sportminister sagt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, dann ist das klar als Ausladung an alle muslimischen Spieler zu verstehen", sagte Habeck der "Rheinischen Post" mit Blick auf eine entsprechende Aussage von Seehofer im März.

Grünen-Chef kritisiert Seehofer

Özil hatte in seiner öffentlichen Rücktrittserklärung am Sonntag Rassismus-Erfahrungen angeprangert und unter anderem kritisiert, Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes hätten seine türkischen Wurzeln nicht respektiert. Der 29-Jährige war vor allem wegen seiner Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Vorfeld der Fußball-WM heftig kritisiert worden.



CSU-Generalsekretär Markus Blume konterte, Habeck vertiefe mit seinen Aussagen die gesellschaftliche Spaltung, die er selbst beklage. "In seinem blinden Kampagneneifer gegen die CSU ist ihm keine Schuldzuweisung zu billig und niveaulos", sagte Blume. Bei Habeck habe "politische Scheinheiligkeit" Methode.

Seehofer hatte im März der "Bild" gesagt: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt." Die hierzulande lebenden Muslime gehörten aber "selbstverständlich" dazu. Daraufhin war eine kontroverse Debatte entbrannt, in deren Verlauf sich nicht nur der Koalitionspartner SPD, sondern auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) klar von Seehofers Aussage distanziert hatten.

"Fatale Signal"

Habeck beurteilte die Wirkung von Seehofers Aussage als verheerend. "Das Signal, das so an Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln gesendet wird, ist fatal. Denn sie spüren genau, wie sie in unserem Land immer stärker ausgegrenzt und stigmatisiert werden."

Einer Umfrage zufolge bewerten zwei Drittel der Bundesbürger die öffentliche Kritik an Özil nicht als rassistisch motiviert. Das ergab eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey, aus der die "Augsburger Allgemeine" vorab zitierte. 66,6 Prozent der ausgewählten Bürger beantworteten eine entsprechende Frage demnach mit "eher nein" oder "nein, auf keinen Fall".

Weniger als ein Drittel (28,7 Prozent) der Menschen glaubt hingegen, dass die öffentliche Kritik an Özil auch einen rassistischen Hintergrund habe. Runtergebrochen auf die Wähler einzelner Parteien sehen vor allem Sympathisanten der AfD (87,9), der FDP (76,3) und von CDU und CSU (74,3) keine rassistischen Motive.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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