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Gender-Streit bei der Bundeswehr ‚Äď kommt jetzt die Feldwebelin?

dpa, afp, Torsten Holtz, Carsten Hoffmann

Aktualisiert am 11.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Soldatin bei der Bundeswehr (Symbolfoto): Einem Bericht zufolge sind weibliche Dienstgrade geplant.
Soldatin bei der Bundeswehr (Symbolfoto): Einem Bericht zufolge sind weibliche Dienstgrade geplant. (Quelle: Axel Heimken/dpa-bilder)
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"Oberstleutnantin" klingt ungewohnt, "Frau Bootsmann" allerdings auch. Die Debatte um Dienstgrade f√ľr Frauen im Milit√§r kommt und st√∂√üt auf Widerst√§nde

Das Verteidigungsministerium bereitet nach langem Z√∂gern offenbar eine Einf√ľhrung weiblicher Dienstgrade vor. Nach Unterlagen, die der "Welt" vorliegen, wird Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Dienstag kommender Woche ein entsprechender Vorschlag zur Entscheidung vorgelegt, nachdem Staatssekret√§r Gerd Hoofe sowie zwei Abteilungsleiter den Vorschlag abgesegnet haben. Kommen damit etwa "Feldwebelin", "Bootsfrau" oder "Oberstleutnantin"?

Weibliche Offiziere gegen "Offizierin"

Die Diskussion gibt es so lange wie Frauen in den Streitkr√§ften sind. Bis ins Jahr 2001 konnten sie sich nur im Milit√§rmusikdienst oder im Sanit√§tsdienst verpflichten. Den Weg in die k√§mpfende Truppe machte erst ein Urteil des Europ√§ischen Gerichtshofes im Jahr 2000 frei. Nun stehen alle milit√§rischen Laufbahnen offen. F√ľr wenige Verwendungen ‚Äď wie in den Spezialkr√§ften ‚Äď sind die k√∂rperlichen Eignungstest so schwer zu bestehen, dass es in der Praxis keine Frauen gibt.

Aber mehr als 22.500 Soldatinnen leisten ihren Dienst bei der Bundeswehr, Tendenz steigend. Damit sind rund zwölf Prozent der insgesamt rund 183.000 Soldaten Frauen. So sind "Frau Major" und "Frau Fregattenkapitän" in den Alltag der Streitkräfte eingezogen. Und bei internen Diskussionen sind es oft weibliche Offiziere, die bislang gegen "gegenderte" Dienstgrade argumentieren.

Gendern ja, aber mit Ausnahmen

"Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist durchgängiges Leitprinzip im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung. Als eine von vielen Fragestellungen ist dabei auch die Frage der sprachlichen Gleichbehandlung seit längerem Bestandteil von Diskussionen", sagt eine Sprecherin des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur. "Bundesministerin Kramp-Karrenbauer war mit dem Vorhaben zu diesem speziellen Punkt bisher nicht befasst."

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Annegret Kramp-Karrenbauer: Der Verteidigungsministerium wird der Vorschlag vorgelegt.
Annegret Kramp-Karrenbauer: Der Verteidigungsministerium wird der Vorschlag vorgelegt. (Quelle: Christian Spicker/imago-images-bilder)

Es soll wohl auch Ausnahmen geben. Die Planungen sehen demnach vor, "die Begriffe Hauptmann und Oberst nicht zu gendern". Es soll also laut "Welt" keine Hauptfrau und keine Oberstin geben, sehr wohl aber eine Oberstleutnantin oder eine Brigadegeneralin.

"Ich glaube aber, dass die Bundeswehr andere Sorgen hat."

Die Frauen im Verteidigungsausschuss des Bundestags sehen die Pläne demnach eher skeptisch. Es sei ihr völlig egal, ob es weibliche Dienstgradbezeichnungen gebe, wird die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, von der Deutschen Presse-Agentur zitiert: "Ich glaube aber, dass die Bundeswehr andere Sorgen hat."

"Viele Soldatinnen und Soldaten haben uns zu Recht gesagt: ‚ÄöDie Forderung nach gegenderten Dienstgraden geht in die v√∂llig falsche Richtung und lenkt nur von den wichtigen Problemen ab.‚Äė Ich pl√§diere daher daf√ľr, die Energie statt in Gender-Aktivit√§ten in eine bessere Ausstattung der Bundeswehr zu stecken", sagt auch der Hamburger Bundestagsabgeordnete Christoph Plo√ü zu t-online.

(Quelle: localpic)

Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje M√∂ller findet es "prinzipiell gut, sich √ľber diskriminierungsfreie Sprache Gedanken zu machen. Wenn ich mit weiblichen Angeh√∂rigen der Bundeswehr spreche, dann klagen die allerdings nicht √ľber einen nicht gegenderten Dienstgrad, sondern √ľber fehlende Schutzwesten, zu wenig Stiefel oder leergefegte Kleiderkammern, so dass sie keinen Fliegeranzug in ihrer Gr√∂√üe haben."

Weibliche Dienstgrade statt milit√§rische Ausr√ľstung

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva H√∂gl (SPD), √§u√üerte sich j√ľngst unzufrieden mit dem niedrigen Anteil an Frauen in der Truppe. Es gebe noch "Luft nach oben". Sie sagte der "S√ľddeutschen Zeitung": "Ein Anteil von 30 Prozent Frauen in der Bundeswehr, das w√ľrde der Truppe sicher guttun." √úber den Umgang mit Frauen in der Bundeswehr sagte sie, sie seien "noch nicht √ľberall gleicherma√üen respektiert".

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Der Bundeswehrverband ist gegen weibliche Dienstgrade. "Wenn unsere Kameradinnen mehrheitlich Dienstgrade mit einer weiblichen Endung wollten, w√§re das sicher eine gute Idee, tats√§chlich kennen wir als Verband allerdings fast nur Frauen, die eine solche √Ąnderung ablehnen", sagte Verbandschef Andr√© W√ľstner dem "Spiegel". Die Debatte lenke von den echten Problemen ab ‚Äď moderne Ausr√ľstung und die Verbesserung der Einsatzbereitschaft. Der Verbandschef kritisierte: "Wer auch immer im Ministerium jetzt eine solche Gender-Debatte lostritt, erweckt in der Truppe den Eindruck, endg√ľltig jeglichen Bezug zu den von Mangelverwaltung geplagten Soldaten verloren zu haben."

Christine Buchholz: F√ľr sie sind weibliche Dienstbezeichnungen eine Selbstverst√§ndlichkeit (Symbolbild).
Christine Buchholz: F√ľr sie sind weibliche Dienstbezeichnungen eine Selbstverst√§ndlichkeit (Symbolbild). (Quelle: J√ľrgen Heinrich/imago-images-bilder)

Linke kritisiert: Selbstverständliches als Werbezweck

Die Linken-Abgeordnete Christine Buchholz nannte weibliche Berufsbezeichnungen "selbstverst√§ndlich". Sie kritisierte zugleich, es sei bezeichnend, dass der Vorsto√ü von der Personalwerbeabteilung unterst√ľtzt werde. "Offenbar will sich die Einsatzarmee Bundeswehr trotz eines Anstiegs gemeldeter F√§lle von sexueller Bel√§stigung und √úbergriffen damit zu Personalwerbezwecken einen fortschrittlichen Anstrich geben", erkl√§rte Buchholz.

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