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Trauer um Wolfgang Clement (†80): "Unser Land verliert einen großen Patrioten"

Reaktionen auf Tod von Wolfgang Clement  

"Unser Land verliert einen großen Patrioten"

27.09.2020, 16:37 Uhr
Zum Tod von Wolfgang Clement: Die größten Meilensteine des Politikers

Der frühere Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit und ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 80 Jahren in Bonn gestorben. (Quelle: Reuters)

Zum Tod von Wolfgang Clement: Ein Rückblick auf die größten Meilensteine des ehemaligen SPD-Politikers. (Quelle: Reuters)


Zuletzt sah man ihm seine Krankheit deutlich an. Nun ist Wolfgang Clement im Kreise seiner Familie gestorben. Die Politik würdigt den früheren Ministerpräsidenten.

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ist tot. Der 80-Jährige starb am frühen Sonntagmorgen zu Hause in Bonn im Kreis der Familie friedlich in seinem Bett, wie es aus dem Familienkreis hieß. 

Merkel: "Er hat Deutschland große Dienste erwiesen"

Führende deutsche Politikerrinnen und Politiker bekundeten ihre Trauer, würdigten sein Lebenswerk und seine Karriere. "Wolfgang Clement hat viel dazu beigetragen, notwendigen wirtschaftlichen Strukturwandel und die Belange der arbeitenden Menschen miteinander in Einklang zu bringen", ließ Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag über Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilen.

Clement habe Deutschland "große und bleibende Dienste erwiesen", er sei entscheidend an einer der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben beteiligt gewesen: "den Sozialreformen der Agenda 2010, die uns den Weg aus der hohen Arbeitslosigkeit wies". Ihr Mitgefühl gelte seiner Frau, seinen Töchtern und Enkeln.

Steinmeier schreibt Brief an Witwe

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb einen Brief an die Witwe Karin Clement. "In allen seinen Ämtern, und insbesondere als Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit und als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hat sich Ihr Mann über alle Parteigrenzen hinweg bleibende Verdienste erworben", heißt es in Steinmeiers Kondolenzschreiben.

Mit eigenständigen und auch unbequemen Standpunkten habe sich der ehemalige SPD-Politiker dafür eingesetzt, Deutschland zukunftsfähig zu machen. "Bis zuletzt war Ihr Mann ein Kämpfer für die soziale Marktwirtschaft", schreibt der Bundespräsident.

Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte Clement. Der streitbare Sozialdemokrat habe Deutschland entscheidend geprägt. Dafür gebühre ihm Dank. FDP-Chef Christian Lindner twitterte: "Die FDP trauert um Wolfgang Clement. Als Sozialliberaler setzte er sich Zeit seines Lebens für sozialen Aufstieg, Arbeit und Wachstum ein."

Laschet: "Verliere einen liebenswerten Menschen"

Die Nachfolger in Clements ehemaligen Ämtern, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU), melden sich ebenfalls zu Wort. Clement sei es nicht um Ideologie, sondern um Arbeitsplätze und Menschen gegangen, erklärte Altmaier auf Twitter. Als Wirtschafts- und Arbeitsminister habe er zum Gelingen notwendiger Reformen beigetragen. Er sei ein "großer Patriot" gewesen.

Laschet bezeichnete Clement als "prägende Figur Nordrhein-Westfalens und Deutschlands". "Wolfgang Clement war ein echter Nordrhein-Westfale, der durch harte Arbeit und Disziplin in der Politik und anschließend auch in der Wirtschaft erfolgreich war", sagte Laschet. Als Wirtschaftsminister im Kabinett von Gerhard Schröder (SPD) habe er auch gegen Widerstände die wichtigen Hartz-Reformen durchgesetzt, "die in Deutschland zu anhaltendem wirtschaftlichen Aufschwung und sinkenden Arbeitslosenzahlen bis heute führten". 

Nordrhein-Westfalen habe einen modernen Gestalter und pragmatischen Lenker verloren, der das Land langfristig geprägt habe. "Persönlich verliere ich einen liebenswerten Menschen, der immer für Rat zur Verfügung stand. Noch vor wenigen Wochen konnten wir in Bonn seinen 80. Geburtstag feiern, noch vor wenigen Tagen war er bei der Feier zum Gründungstag des Landes Nordrhein-Westfalen in Köln dabei", teilte Laschet mit. Clement werde dem Land und auch ihm persönlich fehlen. 

Verhältnis zur SPD "nicht immer einfach"

Clement trat im Jahr 2008 aus der SPD aus, zuvor hatte es zahlreiche Konflikte wegen der "Agenda 2010" und wegen einer möglichen Annäherung zur Linkspartei zwischen Clement und den Sozialdemokraten gegeben. In den letzten zwei Bundestagswahlkämpfen unterstützte der ehemalige Bundesminister die FDP.

Wolfgang Clement: Er war von 1998 bis 2002 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. (Quelle: imago images/photothek)Wolfgang Clement: Er war von 1998 bis 2002 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. (Quelle: photothek/imago images)

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans würdigte Clement als markanten und streitbaren Kopf. "Er war ein Macher, mit dem es nicht immer leicht war. Seine Geradlinigkeit verdient allen Respekt", schrieb Walter-Borjans auf Twitter. "Wir trauern."

Auch sein ehemaliger SPD-Landesverband in NRW würdigte den verstorbenen Politiker. "Das Verhältnis Wolfgang Clements zu seiner Partei war kein einfaches", teilten Landeschef Sebastian Hartmann und Generalsekretärin Nadja Lüders gemeinsam mit. "Sein Bruch mit der SPD im Jahr 2008 hat dies deutlich vor Augen geführt."

Aber: "Sein langjähriges Engagement für die Sozialdemokratie und das Land Nordrhein-Westfalen werden wir trotz aller Widersprüche in ehrenvollem Gedenken halten", schreiben die SPD-Politiker. 

Clement war von 2002 bis 2005 Bundesminister im Kabinett von Gerhard Schröder, zuvor war er Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Mit Material der dpa

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