• Home
  • Politik
  • Deutschland
  • Innenpolitik
  • Eklat um Die Linke: Diese Partei scheitert an sich selbst


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Der Anfang vom Ende

Von Miriam Hollstein

Aktualisiert am 21.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Gescheitert: Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow hat am Mittwoch ihren sofortigen R├╝cktritt verk├╝ndet.
Gescheitert: Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow hat am Mittwoch ihren sofortigen R├╝cktritt verk├╝ndet. (Quelle: Chris Emil Jan├čen/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextWaldbrand in Brandenburg au├čer KontrolleSymbolbild f├╝r einen TextTexas: 44 Tote in Lastwagen entdeckt Symbolbild f├╝r einen TextUS-Schauspielerin in Fluss ertrunkenSymbolbild f├╝r einen TextLufthansa bringt Mega-Jumbo A380 zur├╝ckSymbolbild f├╝r einen TextGelbe Giftwolke t├Âtet zw├Âlf MenschenSymbolbild f├╝r einen TextKehrt Johnny Depp in Kultrolle zur├╝ck?Symbolbild f├╝r einen TextOligarchen-Jacht soll versteigert werdenSymbolbild f├╝r einen TextUSA: Zug mit 200 Passagieren entgleistSymbolbild f├╝r einen TextHut-Panne bei K├Ânigin M├íximaSymbolbild f├╝r einen TextARD-Serienstar wird ersetztSymbolbild f├╝r einen TextDeutsche Tennis-Asse souver├ĄnSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserRoyal-Expertin sorgt sich um KateSymbolbild f├╝r einen TextJetzt testen: Was f├╝r ein Herrscher sind Sie?

Der R├╝cktritt von Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow kam ├╝berraschend, aber nicht v├Âllig unerwartet. Er st├╝rzt die Linke in die tiefste Existenzkrise ihrer Geschichte.

Am Ende war es nur noch der ber├╝hmte Tropfen, der das Fass zum ├ťberlaufen brachte. Am Mittwochmittag hat Linken-Chefin Hennig-Wellsow in einem Tweet ihren sofortigen R├╝cktritt angek├╝ndigt. Als Grund gab die Mutter eines achtj├Ąhrigen Jungen ihre private Situation, die schlechte Verfassung der Partei und als aktuellen Anlass "eklatante Defizite" in der Linken beim Umgang mit Sexismus an.

Bei Letzterem handelt es sich um Vorf├Ąlle im hessischen Landesverband, aus dem Hennig-Wellsows Co-Vorsitzende Janine Wissler stammt. ├ťber einen Fall soll sie, so die Vorw├╝rfe, schon fr├╝h Bescheid gewusst, aber nichts unternommen haben.

Da w├Ąre es naheliegend gewesen, dass sie ihr Amt zur Verf├╝gung stellt. Dass es stattdessen Hennig-Wellsow tat, war eine ├ťberraschung, aber nicht g├Ąnzlich unerwartet. Die einstige Fraktionschefin aus Th├╝ringen, die bundesweit ber├╝hmt wurde, als sie dem mithilfe der AfD ins Amt des Ministerpr├Ąsidenten gew├Ąhlten FDP-Politiker Thomas Kemmerich voller Verachtung den Gl├╝ckwunschstrau├č vor die F├╝├če warf, wirkte schon eine Weile mit der F├╝hrung der Bundespartei ├╝berfordert. Patzer bei Medienauftritten und parteiinterne Intrigen taten ein ├ťbriges.

Die Linke ist im Umgang mit ihrer F├╝hrung b├Âsartiger als alle anderen Parteien. Fl├╝gelk├Ąmpfe wurden und werden erbittert und ohne Gnade ausgefochten. Und so feierten die parteiinternen Kritiker von Hennig-Wellsow deren R├╝ckzug umgehend in linken Foren in den sozialen Netzwerken.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Und pl├Âtzlich ist Putin nicht mehr isoliert
Indiens Premier Modi und Frankreichs Pr├Ąsident Macron beim G7-Gipfel: Andere Sicht auf Russlands Krieg.


Das ist kleingeistig und dumm. Denn der R├╝cktritt bedeutet nicht nur kurz vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eine weitere Schw├Ąchung der angeschlagenen Partei. Er legt auch offen, in welchem desolaten Zustand sich die Linke befindet.

Drei Gr├╝nde sprechen daf├╝r, dass dies der Anfang vom Ende sein k├Ânnte:

1. Die Westausdehnung der Partei ist gescheitert

Nach der Fusion von WASG und PDS im Jahr 2007 gab es ein gro├čes Ziel: Die neue Linke, deren Fundament auf den ├ťberbleibseln der SED im Osten beruhte, zu modernisieren und auch im Westen zu verankern. Das schien zun├Ąchst auch zu gelingen. In den folgenden Jahren zog die Linke in alle westdeutschen Parlamente ein, von Bayern und Baden-W├╝rttemberg abgesehen. Im Bund schien zeitweise sogar ein rot-rot-gr├╝nes B├╝ndnis m├Âglich. In Th├╝ringen schaffte es 2014 mit Bodo Ramelow erstmals ein Linker in das Amt des Ministerpr├Ąsidenten. Doch schon zu diesem Zeitpunkt war der Siegeszug ins Stocken geraten. Schuld waren massive Fl├╝gelk├Ąmpfe und eine schwache Parteif├╝hrung (Klaus Ernst und Gesine L├Âtzsch), die von einer umstrittenen (Bernd Riexinger und Katja Kipping) abgel├Âst wurde. Die Folge: In mehreren Bundesl├Ąndern flog die Linke wieder aus den Parlamenten. Nichts spricht daf├╝r, dass sie diesen Absturz aufhalten kann. Auch bei den anstehenden Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hat sie ÔÇô setzt sich der Trend der Umfragen fort ÔÇô keine Chance auf einen Wiedereinzug.

2. Die Linke hat keine starke F├╝hrung mehr

Lange hielten Oskar Lafontaine und Gregor Gysi Partei und Fraktion zusammen. Beide wurden in den eigenen Reihen verehrt, aber auch gehasst. Doch sie brachten die Strahlkraft und die St├Ąrke mit, die Partei notfalls mit massivem Druck wieder auf Kurs zu zwingen und die vielen Irrlichter am Ende wieder einzufangen. W├Ąhrend Gysi den eher leisen R├╝ckzug aus der F├╝hrung gew├Ąhlt hat, hat Oskar Lafontaine es am Ende unter Absingen schmutziger Lieder getan ÔÇô und gleich den saarl├Ąndischen Landesverband, der seine Sch├Âpfung war, mit in die Tonne getreten.

Das h├Ątte ein Moment der Erneuerung und auch des Bruchs mit der Altherren-Politik der Vorg├Ąnger werden k├Ânnen. Doch es waren keine Pers├Ânlichkeiten da, die diese L├╝cke zu f├╝llen vermochten. Nach dem Scheitern von Lafontaines Ehefrau Sahra Wagenknecht an der Fraktionsspitze ist dort als einziger Linken-Politiker mit Routine und etwas mehr Popularit├Ąt nur noch Dietmar Bartsch zu finden. Schon seine Co-Fraktionsvorsitzende kennt bundesweit fast niemand.

Die Erneuerung an der Spitze der Partei ist gescheitert. Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow galten beide ihren jeweiligen Landesverb├Ąnden als Hoffnungen. Nun hat die eine mit einem Me-too-Skandal zu k├Ąmpfen und die andere ist weg. Auch ist niemand erkennbar, der die Nachfolge ├╝berzeugend antreten und die Partei wieder zusammenf├╝hren k├Ânnte.

3. Die Partei hat keine Zukunftsidee

In ihren Anf├Ąngen vermochte es die Linke, das Vakuum, das durch den Agenda-Reformkurs der SPD am linken Rand bis in Teile der Mitte hinein entstanden war, zu besetzen. Es gelang ihr au├čerdem, die Utopie eines rot-rot-gr├╝nen Zukunftsb├╝ndnisses als Versprechen einer sozial gerechteren Gesellschaft zu entwerfen. Doch schnell wurde klar, dass die radikalen Kr├Ąfte in der Partei daran kein Interesse hatten. Inzwischen hat eine solche Konstellation selbst in linken Kreisen jeden Glanz verloren. Stattdessen gelang es der SPD, mit den Gr├╝nen und der FDP erstmals auf Bundesebene eine Koalition zu schmieden. Der Geschmack des Neuen geh├Ârt jetzt ganz der Ampel. Wie wenig die Linke noch ├╝berzeugen kann, zeigte sich bei der Bundestagswahl: Dort rutschte sie unter die 5-Prozent-H├╝rde. Dass sie ├╝berhaupt noch im Bundestag sitzt, verdankt sie drei Direktmandaten. Eines davon geh├Ârt Gregor Gysi.

Ein alter DDR-Spruch lautete so: "Gestern standen wir am Abgrund. Heute sind wir ein St├╝ck weiter." F├╝r die Linke k├Ânnte er bald Wirklichkeit werden.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Tim Kummert
Von Tim Kummert
AfDDie LinkeFDPOskar Lafontaine
Politiker

t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website