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Presse zur CDU-Wahl: "Zum Abschied bekam Merkel einen Taktstock geschenkt"

Presseschau zur CDU-Wahl  

"Fast die Hälfte der Partei will einen anderen Führungstyp"

08.12.2018, 11:22 Uhr | küp, dpa

Reaktionen auf neue Parteivorsitzende: Opposition sieht in Karrenbauer Kontinuität (Bildquelle: Kai Pfaffenbach/ Reuters))
Opposition sieht in Karrenbauer Kontinuität

Die CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sagt, der Wettbewerb um den Parteivorsitz habe der CDU "Auftrieb" gegeben. Koalitionspartner und Opposition sehen dies anders. (Quelle: Reuters)

Reaktionen auf neue Parteivorsitzende: So sehen Koalitionspartner und Opposition Annegret Kramp-Karrenbauer. (Quelle: Reuters)


Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich knapp durchgesetzt und ist neue CDU-Vorsitzende. Nicht nur die heimische Presse sieht die potenzielle nächste Kanzlerin vor großen Herausforderungen.

Die französische Zeitung "Les Échos" kommentiert die Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers zur neuen CDU-Vorsitzenden so: "Für die Kanzlerin, die seit 18 Jahren Parteichefin war, ist das ein großer Erfolg. Die langen stehenden Ovationen, mit denen sie zu Beginn des Parteitags begrüßt wurde, hatten schon einige Stunden vorher gezeigt, dass sie – trotz aller politischen Enttäuschungen der letzten Zeit – immer noch äußerst beliebt bei den Parteifreunden ist. Ein Sieg ihres liberaleren Gegenspielers Friedrich Merz hingegen hätte ihren Niedergang und ihren Abschied vom Kanzleramt beschleunigt.

Das relativ knappe Wahlergebnis zeigt dennoch, dass die Christdemokraten in zwei Lager gespalten sind und dass es für die neue Vorsitzende nicht einfach sein wird, diese beiden wieder zusammenzubringen."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt: "Zum Abschied bekam Angela Merkel einen Taktstock geschenkt. Die neue Dirigentin der CDU brauchte ihn freilich dringender. Denn das Orchester, das Annegret Kramp-Karrenbauer nach wochenlangem Wettmusizieren mit Friedrich Merz und Jens Spahn übernahm, neigte unter der Vorgängerin zunehmend zu Dissonanzen.

Nun aber ist immerhin die Leitungsfrage entschieden: Die CDU hat, denkbar knapp, die Kontinuität dem Experiment vorgezogen. Doch auch mit Kramp-Karrenbauer wählte die Partei nicht ein einfaches Weiter-so. Die dreifache Mutter unterstrich mit ihrer kämpferischen Rede auf dem Parteitag, dass sie schon rhetorisch keine ,Mini-Merkel' ist."

Im britischen "Guardian" ist zu lesen: "Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Partei wohl eine sicherere Option gewählt. Nicht zuletzt, weil sie wahrscheinlich eine bessere Beziehung zu Angela Merkel im Kanzleramt haben wird als Friedrich Merz, der als jemand gesehen wird, der einen Groll gegen Merkel hegt. Kramp-Karrenbauers Sieg ist ein Zeichen dafür, dass die Partei auf dem von Merkel eingeschlagenen Weg weitergehen will."

Die spanische Zeitung "El Mundo" kommentiert: "Nicht nur Deutschland, ganz Europa braucht eine starke CDU, die weiterhin ein starkes Gegengewicht zum Populismus und zur extremen Rechten bildet. Die gute Nachricht ist, dass Kramp-Karrenbauer eine starke Europa-Befürworterin ist. Hoffentlich wird sie in der Lage sein, der Aufgabe gerecht zu werden, damit die EU aus ihrem Niedergang herauskommt und ihre Integration vorantreiben kann."

Die "New York Times" meint: "Annegret Kramp-Karrenbauer, die neue Vorsitzende von Deutschlands mächtigster Partei und potenzielle künftige Kanzlerin, klingt sehr wie die amtierende. Das ist ihre größte Stärke und ihre größte Schwäche, wenn es um die Nachfolge von Kanzlerin Merkel geht, einer überragenden Persönlichkeit, die in ihrer Partei und in ihrem Land gleichermaßen geliebt und verabscheut wird.

Während anderswo in Europa und der Welt die Wähler nach radikalem Wandel rufen und sich Populisten zuwenden und – meist männliche – Politiker einfache Antworten auf schwierige Fragen versprechen, hat sich die CDU für das Gegenteil entschieden: Auf eine Frau soll eine andere Frau mit nur geringfügig unterschiedlichem Programm folgen. Das soll vor allem Kontinuität und Stabilität vermitteln."

t-online.de deutet das Votum für Kramp-Karrenbauer so: "Mit der neuen Vorsitzenden bricht die CDU nicht mit ihrer Langzeit-Vorsitzenden Angela Merkel. Kramp-Karrenbauer ist zwar keine Merkel 2.0 – aber sie ist auch nicht der Gegenentwurf zur Kanzlerin. Sie ist gesellschaftspolitisch konservativ, aber mit einer starken sozialpolitischen Ausrichtung. Sie repräsentiert Anschlussfähigkeit für die Grünen – das ist wichtig im Hinblick auf künftige Wahlen und die Schwäche des jetzigen Koalitionspartners im Bund, der SPD. Sie wird den Kurs der Kanzlerin weiter mitgehen, ohne ihr nach dem Mund zu reden", meint t-online.de-Politikchefin Tatjana Heid.

Die polnische "Gazeta Wyborcza" meint: "Kramp-Karrenbauer könnte auf den ersten Blick für eine unscheinbare und farblose Politikerin aus der deutschen Provinz gehalten werden. Doch am Rednerpult sprudelte sie vor Energie und brannte regelrecht vor Eifer, sich an die Arbeit zu machen. Man kann von ihr eher eine Wendung zum Sozialen erwarten.

Kramp-Karrenbauers Karriere führt auch vor Augen, wie sich die deutsche Gesellschaft verändert hat. Merkel trat 1990 in eine von Männern dominierte Regierung Kohls ein, auch um zu zeigen, dass Frauen in Deutschland ebenfalls etwas zu sagen haben. Heute ist das Geschlecht der Person, die an der CDU-Spitze steht, nicht entscheidend. Wichtiger ist, inwieweit Kramp-Karrenbauer von Merkel unabhängig sein wird, die Kanzlerin bleibt."

Die ungarische Tageszeitung "Magyar Idök" sieht es so: "In Zeiten zahlloser innerer und äußerer Bedrohungen ruft Europa nach entschlossenen Führern. Merkel ist das nicht. Sie hat sich von der Masseneinwanderung treiben lassen. Ihre Selfies mit lächelnden Migranten werden in die Geschichtsbücher und in die versteckten Akten der CDU verbannt. Die Ära Merkel ging an diesem Freitag zu Ende. Es wird Neuwahlen in Deutschland geben, bevor Merkel ihr bis 2021 laufendes Regierungsmandat ausfüllen wird."

Die "Neue Zürcher Zeitung" meint:  "Kramp-Karrenbauer mag über viel Regierungserfahrung verfügen – aber im Saarland. Da leben weniger als eine Million Menschen. Der Ministerpräsidentenposten, den die 56-Jährige bis vor kurzem innehatte, gleicht am ehesten dem eines Oberbürgermeisters einer grösseren Stadt. Die deutsche Bundespolitik ist ein anderes, rücksichtsloses Metier. Wie schnell man hier untergehen kann, hat der temporäre SPD-Chef Martin Schulz im vergangenen Jahr vorgemacht. Die neue CDU-Chefin hat bisher davon profitiert, dass wenn, dann Merkel attackiert wurde. Diese Schonzeit ist nun vorbei."

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt zur Wahl AKKs: "Das Kalkül Angela Merkels ist aufgegangen: Ihre Favoritin Annegret Kramp-Karrenbauer, kurz AKK genannt, wird die CDU führen. Sie wird an der Spitze der Partei zwar sicher nicht alles genauso machen wie ihre Vorgängerin. Aber sie wird der Union auch kein ganz anderes Gesicht zu geben versuchen. Kramp-Karrenbauer wird der Bundeskanzlerin zwar hier und da widersprechen. Aber sie wird ihr das Regieren nicht wesentlich erschweren.

Die Wahl von AKK mag für kurze Zeit Ruhe in die Union bringen, die nach den turbulenten Wochen der Kandidatenkür erschöpft ist. Dass diese Ruhe anhält, ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Dafür war das Ergebnis von Hamburg zu knapp, dafür hat AKK mit einem zu kleinen Vorsprung vor Friedrich Merz gesiegt, der für einen ziemlich anderen Kurs steht als sie.

Die in Amsterdam erscheinende Zeitung "de Volkskrant" kommentiert: "So knapp er auch war, der Wahlsieg von AKK – wieder eine gemäßigte Kandidatin und wieder eine Frau – verdeutlicht, wie sehr sich die Partei in den 18 Jahren unter dem Vorsitz Angela Merkels verändert hat. Für Merkel dürfte sich die Wahl Kramp-Karrenbauers anfühlen, wie ein Abschiedsgeschenk."

In der norwegischen Zeitung "Aftenposten" aus Oslo ist zu lesen: "Nachdem die Wahl in vielerlei Hinsicht zwischen Kontinuität und Aufbruch stand, ist es nicht beruhigend, mit einer Marge von 52 zu 48 Prozent zu gewinnen. Fast die Hälfte der Partei will einen völlig anderen Führungstyp als Merkel. Die Frage ist, ob die neue Vorsitzende von Deutschlands konservativer Volkspartei den Anschub geben kann, den die Partei nach all den Jahren mit Merkel braucht."

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