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Angela Merkel: Was bleibt von einer 18 Jahre währenden Ära?


Ehemalige Parteichefin Merkel
Eine Frage von Stil

Eine Analyse von Tatjana Heid, Hamburg

Aktualisiert am 09.12.2018Lesedauer: 3 Min.
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Abschied nach 18 Jahren: Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt Beifall von den Delegierten nach ihrer Parteitags-Rede.Vergrößern des Bildes
Abschied nach 18 Jahren: Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt Beifall von den Delegierten nach ihrer Parteitags-Rede. (Quelle: imago-images-bilder)

Ein ganzes Teenager-Leben lang hat Angela Merkel die CDU geführt. Was bleibt von einer 18 Jahre währenden Ära?

Im Leben der Angela Merkel spielt Hamburg eine entscheidende Rolle. Hier wurde sie vor 64 Jahren geboren. Hier hielt sie auf dem Vereinigungsparteitag der CDU ihre erste politische Rede. Und hier ging ihre Ära als CDU-Chefin zu Ende. Nach 18 Jahren. Was bleibt von dieser Zeit?

Es ist eine historische Leistung Merkels, die nach der Spendenaffäre am Boden liegende CDU zu alter Stärke zurück geführt zu haben. Unter ihr stellt die Partei nun in der vierten Legislaturperiode in Folge die Regierungschefin. Unter ihrer Führung hat die CDU die Wehrpflicht abgeschafft, den Atomausstieg beschlossen, den Mindestlohn eingeführt und sich über die Migrationspolitik zerstritten. Und es gehört schon heute zur Legende Merkel, dass sie zahlreiche ehrgeizige Konkurrenten hinter sich ließ.

Was davon in Zukunft die Wahrnehmung Merkels prägen wird, wird sich zeigen. Aber schon jetzt steht fest, dass Merkel vor allem eines verändert hat: den Stil von Politik.

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"Ich habe Ihnen und Euch manchen richtig deftigen, scharfen Angriff auf den politischen Gegner – ob von links oder rechts – vorenthalten und stattdessen das Florett gewählt oder es vorgezogen zu schweigen und gar nicht erst über das Stöckchen zu springen, das man mir hin hielt", sagte Merkel bei ihrer Parteitags-Rede. "Ich weiß sehr wohl, dass ich Eure Nerven damit sehr auf die Probe gestellt habe."

Merkels Stil des Abwartens, Taktierens, des leisen, unaufgeregten – manche sagen: einschläfernden – Auftretens hat nicht nur ihre Partei ungeduldig werden lassen, oft genug auch ihre Wähler. Die Kritik war scharf.

Und die eine Hälfte der Delegierten wünschen sich in der Tat einen anderen Führungsstil, das zeigt das Ergebnis von Friedrich Merz. Aber: die andere Hälfte nicht. Die Hälfte der Delegierten hätte sich lieber einen Mann an der Spitze gewünscht. Aber die andere Hälfte nicht. Die kann damit leben, dass sie wieder von einer Frau geführt wird. Das ist in der Partei der dunklen Anzüge nicht selbstverständlich. Und war vor Merkel undenkbar.

Merkel konnte ihre Kandidatin durchsetzen

In ihrer Abschiedsrede hat Merkel die CDU als Familie bezeichnet. Ihre Nachfolgerin setzte auf Gemeinschaftlichkeit. Und der Parteitag entschied sich nicht für den Kandidaten, der in seiner Rede vor allem Stärke betonte, sondern auf die Frau, die die Partei verbal regelrecht umarmte. Die alle Flügel der Partei vereinen möchte, die sagt, sie kenne nur eine Union. Das beinhaltet das Streben nach dem Konsens, die Suche nach Kompromissen. Das beinhaltet: Merkel’sche Politik.

Und das ist es, was von Merkel bleiben wird.

Sie selbst ist mit ihrem Politik-Stil weit gekommen. Sie war nicht nur 18 Jahre lang Parteichefin und ist seit mittlerweile 13 Jahren Kanzlerin. Sie gilt auch als mächtigste Frau der Welt mit enormen Ansehen. Und sie hat es geschafft, ihre Nachfolge zu regeln – woran viele Männer vor ihr gescheitert sind.

Sie hat AKK als Generalsekretärin ins Herz der Partei geholt und ihr doch weniger Zeit gelassen, als diese sich erhofft hatte. Es wirkte glaubhaft, als Kramp-Karrenbauer sagte, sie sei von Merkels Rückzugs-Entscheidung überrascht worden. Merkel widerstand der Versuchung, ihre Kandidatin offensiv zu unterstützen – anders als Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der massiv zugunsten seines Kandidaten Merz in den Wettkampf eingriff. Erst kurz vor knapp, als Merkel keiner mehr widersprechen konnte, erinnerte sie in ihrer Rede an die Wahlerfolge im Saarland – AKKs Erfolge.

Merkel gab Kramp-Karrenbauer eine Chance und vertraute darauf, dass diese es schaffen würde. Sie hat es geschafft und mit ihr Merkel. Noch im Rückzug triumphierte sie ein weiteres Mal über ihre alten Widersacher Merz und Schäuble.


Nun ist Merkel in der Lage, auch das Ende ihrer Kanzlerschaft selbst einzuläuten – ob im Sommer, in einem Jahr oder am Ende der Legislatur. In der bundesdeutschen Geschichte ist das ungewöhnlich: Kohl wurde abgewählt, Schröder konnte sein Ende kaum fassen, Adenauer kämpfte verbissen darum, so lange wie möglich im Amt zu bleiben, und Helmut Schmidt wurde durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt.

Merkel hat jetzt sehr gute Chancen, als Kanzlerin in die Geschichte eingehen, die weder abgewählt noch aus dem Amt gejagt wurde.

Auch das wird von ihr bleiben.

Verwendete Quellen
  • eigene Recherchen
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