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Tagesanbruch: Es wird eng für AfD-Frontfrau Alice Weidel

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

15.11.2018, 03:39 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Alexander Gauland, Alice Weidel im Bundestag. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)Alexander Gauland, Alice Weidel im Bundestag. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Es wird eng für Alice Weidel. In der Affäre um dubiose Parteispenden aus der Schweiz hat sich die AfD-Fraktionsvorsitzende um allerlei Erklärungen bemüht – aber sie wirken immer stärker wie Ausflüchte. Gerade ist herausgekommen, dass Weidel die Spenden in Gesamthöhe von 132.000 Euro offenbar unter anderem für ihren Internet-Wahlkampf verwendet hat: Einer ihrer Mitarbeiter soll massenhaft sogenannte "Like-Ads" auf Facebook gekauft haben – für bis zu 10.000 Euro. Pro Monat. Ein AfD-Fraktionssprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der "FAZ". Die Staatsanwaltschaft Konstanz will gegen Weidel ermitteln und hat die Aufhebung ihrer Immunität als Abgeordnete beantragt. Und nun meldet die AfD auch noch, dass bei Weidels Kreisverband offenbar eine weitere illegale Auslandsspende eingegangen ist – diesmal aus Belgien. Wieder ein enormer Betrag: 150.000 Euro.

AfD-Spendenskandal: Die Staatsanwaltschaft hat die Aufhebung der Immunität von Alice Weidel beantragt. (Quelle: Reuters)

Der Fall ist noch frisch, viele Details sind noch unklar. Trotzdem lernen wir schon jetzt zweierlei: Erstens wird klarer, wie sich die AfD-Führung, die ihre Botschaften überwiegend nicht über traditionelle Medien, sondern vor allem über Facebook verbreitet (und sich damit oft den kritischen Nachfragen von Journalisten entzieht), ihre viralen Kampagnen leisten kann. Zweitens verdichten sich die Hinweise, dass die AfD-Spitze im Bundestag, die so gern ihr Image als Anti-Establishment-Bewegung und Sammelbecken vermeintlich aufrechter Patrioten inszeniert, in mutmaßlich kriminelle Machenschaften verwickelt ist. Bestätigen sich die Vorwürfe, droht Weidel eine hohe Geldstrafe. Und jeder aufrechte Patriot in diesem Land wird nicht anders können, als den Satz zu zitieren, den die AfD-Frontfrau bei jeder Gelegenheit der Bundeskanzlerin entgegenschmettert: "Treten Sie zurück!" Aber nicht Frau Merkel. Sondern Frau Weidel.

Der in den Fall verwickelte Mitarbeiter Weidels leitet übrigens heute das Social-Media-Team der AfD-Fraktion im Bundestag. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

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WAS STEHT AN?

Rohingya-Kinder in einem Flüchtlingslager in Cox's Bazar, Bangladesh. (Quelle: Reuters/Mohammad Ponir Hossain)Rohingya-Kinder in einem Flüchtlingslager in Cox's Bazar, Bangladesh. (Quelle: Mohammad Ponir Hossain/Reuters)

Der Monsun ist gekommen, die Nässe und der Schlamm sind in den letzten Winkel jeder Hütte gekrochen. Der Monsun ist gegangen, der Staub kehrt zurück. Mal sitzen die Leute in ihren Baracken, mal sitzen sie davor. Nichts geschieht. Keine Arbeit. Keine Perspektive, keine Hoffnung. Und keine Heimat. So sieht das Leben der 700.000 Rohingya in ihren Flüchtlingslagern aus. Wer wollte dort bleiben? Auch Bangladesch, das arme Gastland, kommt mit der Belastung durch die vielen Flüchtlinge nicht zurecht und möchte sie am liebsten so schnell wie möglich loswerden. Es hat eine haarsträubende Vereinbarung mit Myanmar getroffen, der zufolge die ersten Rohingya heute zurückgeschickt werden sollen. Dabei haben die Vereinten Nationen gerade erst davor gewarnt, dass die Angehörigen der Minderheit dort immer noch brutal verfolgt werden.

Die Flüchtlinge hat dabei niemand einbezogen oder auch nur gefragt. Nur ein paar Reporter haben sich erkundigt. Den Antworten zufolge scheinen viele Rohingya eine konkrete Vorstellung davon zu haben, was sie in Myanmar erwartet: "Sie werden uns umbringen" – dieser Satz ist in vielen Variationen zu hören. Es ist unvorstellbar, dass Frauen und Mädchen, die im vergangenen Jahr in ihren Dörfern vergewaltigt wurden, dieses Jahr dorthin zurückkehren. In die Hände der Täter. Die sind inzwischen nicht müßig gewesen und haben die Spuren der Rohingya in deren alter Heimat beseitigt: Planierraupen walzten die Dörfer platt (oder das, was von ihnen noch übrig war); Angehörige anderer Ethnien ziehen nun in neu errichtete Siedlungen ein. Die Rohingya dagegen sind zwischen Hammer und Amboss geraten. Die Schläge werden noch lange zu hören sein.

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Diesel-Fahrverbotszone in Stuttgart. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)Diesel-Fahrverbotszone in Stuttgart. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)

Hamburg, Stuttgart, Aachen, Köln, Bonn, Berlin, Frankfurt: In all diesen Städten gibt es schon Diesel-Fahrverbote. Heute könnten zwei Städte hinzukommen: Essen und Gelsenkirchen. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen entscheidet am Morgen über eine entsprechende Klage der Umwelthilfe. Währenddessen kurvt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer weiter um eine Lösung des Problems herum und fahren Volkswagen und BMW weiter ihrer Verantwortung davon. Was uns Kunden bleibt, ist die Wahl, welche Marke wir beim nächsten Autokauf wählen.

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CDU-Vorsitz: Das sind die drei Kandidaten, die auf Merkel folgen könnten. (Quelle: t-online.de)

Liest man viele Medien, ist die Sache klar: Friedrich Merz wird neuer CDU-Chef. Hört man sich in vielen Ortsverbänden um, hört man die Einschätzung: Jens Spahn macht das Rennen. Lauscht man in den Politikbetrieb der Hauptstadt hinein, steht außer Frage: Annegret Kramp-Karrenbauer hat am Ende die Nase vorn. Fasst man alle diese Signale zusammen und behält einen kühlen Kopf, kann man derzeit nur zu einem Urteil gelangen: Der Kampf um den CDU-Vorsitz ist völlig offen. Heute Abend könnte sich das ein kleines bisschen ändern: In Lübeck werben die drei Kandidaten auf der ersten von acht CDU-Regionalkonferenzen um Stimmen. Aber entschieden ist auch dann noch nichts.

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Statue des griechischen Philosophen Platon. (Quelle: imago)Statue des griechischen Philosophen Platon. (Quelle: imago)

Ein Philosoph ist auch nicht mehr das, was er mal war. Im Vorabendfernsehen geben sich die Hobby-Philosophen gegenseitig das Mikrofon in die Hand, jeder Vorstandsvorsitzende predigt seinen Mitarbeitern seine "Unternehmensphilosophie", und wenn ein Trainer drei halbwegs gerade Sätze in die Kameras sprechen kann, ist er gleich ein "Fußball-Philosoph". Früher war mehr Tiefgang. Da hockten Philosophen noch in der Tonne, schrieben unverständliche Wälzer oder lieferten Steilvorlagen für die Weltrevolution. Nun könnte die Begründung für die allgemeine geistige Verflachung entweder darin liegen, dass eben alles Wesentliche schon gedacht worden ist. Oder dass wir heutzutage keine ruhige Minute mehr finden, um darüber nachzusinnen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Ständig brummt das Smartphone, alle naselang poppt eine Statusmeldung irgendwelcher Leute auf, die wir irgendwann mal gekannt haben, und dann müssen wir ja auch noch schnell googeln, was wir heute Abend unternehmen sollen.

Apropos googeln: Ein Portal mit dem einfallsreichen Namen "Wintotal" hat zum heutigen Welttag der Philosophie mal nachgeschaut, welche Philosophen im Internet am häufigsten gesucht werden. Das kam dabei heraus:

  • Platz 1: Buddha. Monatlich 130.500 Mal gesucht.
  • Platz 2: Karl Marx. Monatlich 104.700 Mal gesucht.
  • Platz 3: Platon. Monatlich 69.200 Mal gesucht.
  • Platz 4: Pythagoras. Monatlich 58.700 Mal gesucht.
  • Platz 5: Mark Aurel. Monatlich 39.900 gesucht.

Macht nach Adam Riese summiert 403.000 Momente, in denen Menschen nichts Dringenderes zu tun hatten, als den Namen eines Denkers in den Suchschlitz einzutippen. Ich revidiere die Bemerkung zu früher. Philosophen sind auch heute immer noch das, was sie mal waren.

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WAS LESEN?

Kommen wir zur wichtigsten Nebensache der Welt. Die Unzufriedenheit bei den Fans des FC Bayern ist groß. Nein, Moment, das ist falsch. Sie ist riesig. Drei von vier Anhängern wünschen sich, dass der Verein mehr auf eigene Jugendspieler setzt, um endlich, endlich jünger und dynamischer zu werden. Klingt logisch, schließlich ist der Kader der älteste der Bundesliga. Ist aber Quatsch, sagt unser Kolumnist Stefan Effenberg. Warum die Münchner gar nicht auf Jungspunde setzen können, erklärt er in seinem neuesten Beitrag auf t-online.de: Da können Sie Effenberg ab jetzt nicht mehr nur lesen, sondern auch hören.

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Erst kam es, dann löschte es seine eigenen Dateien, dann wurde es zurückgezogen – und jetzt ist es wieder da. Nein, ich spreche hier nicht von einem üblen Computervirus, sondern von dem stinknormalen Betriebssystem, das außer mir vermutlich nicht nur Sie, sondern auch Millionen weitere Menschen auf ihren Rechnern laufen haben: Windows 10. Präziser: vom Oktober-Update von Windows 10. Immerhin: Seit gestern liefert der US-Konzern das Update freundlicherweise ohne Fehler aus – und meine Kollegen aus unserem Digital-Ressort liefern Ihnen alle Infos, die Sie brauchen, damit der Umstieg klappt: ohne dass Sie Ihre Texte, Fotos, Musikdateien verlieren.

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WAS AMÜSIERT MICH?

AfD, Flüchtlinge, tote Philosophen: Puh!, der Harms hat heute mal wieder bleischwere Themen aufgetischt. Warum zeigt der nicht einfach mal was Leichtes, Schönes, Herzerfrischendes? Moment, das kann er auch!

Ich wünsche Ihnen einen vergnügten Tag.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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