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Seine letzte Chance?

Von Benjamin ZurmĂŒhl

Aktualisiert am 13.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Hasan Salihamidzic: Der Sportvorstand des FC Bayern steht unter Druck.
Hasan Salihamidzic: Der Sportvorstand des FC Bayern steht unter Druck. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago-images-bilder)
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Die Saison ist eher eine EnttĂ€uschung, Robert Lewandowski will weg und der Kaderplan ist (noch) unklar. Die Stimmung beim FC Bayern ist mittelmĂ€ĂŸig. Das setzt den Sportvorstand unter Druck.

Als Hasan Salihamidzic 2017 als Sportdirektor des FC Bayern vorgestellt wurde, saß er mit einem breiten LĂ€cheln zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Voller Stolz saß er zwischen den beiden MĂ€nnern, die den Verein zur Nummer eins in Deutschland, zur Weltmarke gemacht hatten. Und er war der Auserkorene, der ihre Arbeit fortsetzen sollte. Dass er dabei nur Plan B oder C war, machte ihm nichts aus.


FC Bayern: Was diese ehemaligen Stars heute machen

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Tobias Rau beispielsweise, 2003 bis 2005 im Verein, unterrichtet heute in der NĂ€he von Bielefeld an einer Gesamtschule Biologie und Sport.
Thomas Helmer (1992–1999): Jahrelang eine Bank in der Defensive des FC Bayern. Zuletzt moderierte der Europameister von 1996 die Sport1-Kultsendung "Doppelpass", im Sommer 2021 gab er sie jedoch an Florian König ab. Helmer ist dennoch weiterhin fĂŒr Sport1 als Moderator im Einsatz, moderiert unter anderem den "Doppelpass on Tour", den Sport1-Fantalk oder auch die Spiele des DFB-Pokals.
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Dabei halfen auch die Worte der MĂ€nner neben ihm, die von Salihamidzic in den höchsten Tönen schwĂ€rmten. "Wir haben mit Brazzo einen Mann geholt, der den FC Bayern sehr gut kennt", sagte Rummenigge. Und Hoeneß betonte: "Wir sind ĂŒberzeugt, dass wir mit ihm den Mann gefunden haben, den wir lange gesucht haben."

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Anschließend untermauerte der damalige PrĂ€sident: "Was wir brauchen, ist ein Mann, der das Vertrauen des Trainers, der Spieler und der Fans hat. Wir brauchen einen Mann wie Hasan."

Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge: Die beiden ehemaligen Profis machten den FC Bayern zur Nummer eins.
Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge: Die beiden ehemaligen Profis machten den FC Bayern zur Nummer eins. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)

Knapp fĂŒnf Jahre spĂ€ter sind Rummenigge und Hoeneß nicht mehr da. Salihamidzic schon, nur das LĂ€cheln ist seltener geworden. Am vergangenen Sonntag war es kurz zu sehen, als der FC Bayern in der Allianz Arena die Meisterschale erhielt. Zum zehnten Mal in Folge. Doch wie ein Erfolg fĂŒhlte sich die Saison nicht an. Denn mehr als die Meisterschaft gibt es aktuell nicht zu feiern. Im Pokal und in der Champions League hat Bayern mit dem Titel nichts zu tun. Auch sonst ist es unruhig an der SĂ€bener Straße. Dabei mittendrin: Hasan Salihamidzic.

Der Poker um Robert Lewandowski

Der Name Robert Lewandowski war am Donnerstagabend das dominierende Thema in den bayerischen Medien. Denn die MĂŒnchner Torgarantie auf zwei Beinen will weg. Das berichteten "Bild", "Sport1" und Co. ĂŒbereinstimmend. Der Grund: Lewandowski sei unzufrieden, fĂŒhle sich nicht wertgeschĂ€tzt. Die monatelangen GerĂŒchte um Verhandlungen mit Erling Haaland krĂ€nkten das Ego des zweifachen Weltfußballers.

Und so kann es sein, dass der Mann, den Vorstandschef Oliver Kahn vor wenigen Wochen indirekt als unverkĂ€uflich bezeichnet hatte, bald fĂŒr eine Ablösesumme von ĂŒber 30 Millionen Euro verkauft wird. Bei den Fans wĂŒrde der Abgang eines Superstars alles andere als gut ankommen. Denn wie soll Bayern stĂ€rker werden, wenn der vielleicht beste StĂŒrmer der Welt weg ist?

Robert Lewandowski: Wird er die Bayern verlassen?
Robert Lewandowski: Wird er die Bayern verlassen? (Quelle: Revierfoto)

Die fehlende WertschĂ€tzung war aber nicht nur bei Lewandowski ein Thema. Niklas SĂŒle beispielsweise spielt ab Sommer lieber fĂŒr den Vizemeister Borussia Dortmund und nimmt damit in Kauf, vorerst keine Meisterschaft mehr zu gewinnen, als weiter fĂŒr den FC Bayern aufzulaufen. Der Nationalspieler ist zwar noch da, doch spĂ€testens seit dem vergangenen Sonntag trauern ihm einige Fans hinterher. Denn das mögliche Duo der Zukunft aus Dayot Upamecano und Tanguy Nianzou machte gegen Dortmund eine unsichere Figur.

Irritierte Stars und gescheiterte Projekte

SĂŒles Abgang tut aber nicht nur sportlich weh, auch finanziell. Denn der 26-JĂ€hrige geht ablösefrei. So wie vor ihm auch schon David Alaba und JĂ©rĂŽme Boateng. Besonders Alaba wurde in dieser Saison schmerzlich vermisst. Der Österreicher war der Abwehrchef, ein wichtiger Kommunikator und Organisator im Zentrum. Doch auch er wurde sich mit der Chefetage um Salihamidzic nicht einig, als es um einen neuen Vertrag ging – und spielt nun mit Real Madrid im Finale der Champions League.

David Alaba (l.) und JĂ©rĂŽme Boateng: Beide verließen die Bayern ablösefrei.
David Alaba (l.) und JĂ©rĂŽme Boateng: Beide verließen die Bayern ablösefrei. (Quelle: Eibner Europa/imago-images-bilder)

Die Uneinigkeit beider Seiten wurde zum Teil in der Öffentlichkeit ausgetragen, was den Fans nicht gefiel. Denn dieser Schlagabtausch darĂŒber, wer in den Verhandlungen zu viel forderte oder zu wenig bot, schadete dem Spieler – und dem Klub.

Neben Lewandowski, SĂŒle, Alaba und Boateng gab es in den vergangenen Jahren weitere Beispiele fĂŒr Spieler, die etwas irritiert wurden. Manuel Neuer zum Beispiel. Denn im Sommer 2020 holte Salihamidzic den fast zehn Jahre jĂŒngeren Alexander NĂŒbel zum FC Bayern. NĂŒbel sollte im Schatten Neuers zur Nummer eins der Zukunft aufgebaut werden. Doch Neuer hatte daran wenig Interesse. Schließlich war er von einem Karriereende weit entfernt.

Das Ergebnis: NĂŒbel bekam kaum EinsĂ€tze, war verĂ€rgert, weil ihm bei den Vertragsverhandlungen mit Salihamidzic etwas anderes versprochen wurde, und verließ den Klub auf Leihbasis. JĂŒngst sagte er bei einer Medienrunde ĂŒber eine RĂŒckkehr nach MĂŒnchen: "Wenn Manuel (Neuer, Anm. d. Red.) noch da sein sollte, wird das, glaube ich, nichts mehr."

Alexander NĂŒbel: Der Ex-Schalker will nicht im Schatten Neuers stehen.
Alexander NĂŒbel: Der Ex-Schalker will nicht im Schatten Neuers stehen. (Quelle: Sammy Minkoff/imago-images-bilder)

Projekte mit anderen Talenten wie Fiete Arp (inzwischen bei Zweitligist Kiel), Michael Cuisance (inzwischen bei Serie-A-Absteiger Venedig) oder Tiago Dantas (inzwischen bei CD Tondela, Portugal) gingen schief.

Das Thema Trainer

Wer beim Fall Lewandowski und der fehlenden WertschÀtzung den Gedanken "schon wieder" in den Sinn bekam, hatte diesen wohl auch am Mittwoch im Kopf, als in der "Sport Bild" von einem "Brodeln" zwischen Salihamidzic und Julian Nagelsmann die Rede war.

Manager und Trainer seien sich uneinig in Transferfragen. Nagelsmann bekĂ€me seine WĂŒnsche nicht erfĂŒllt und sei daher "frustriert". SĂ€tze, die schon bei Nagelsmanns VorgĂ€nger Hansi Flick fielen. Auch Flick war sich mit Salihamidzic in Fragen der Kaderplanung uneinig. Statt seinen Wunschspielern bekam der Erfolgstrainer die Wunschspieler Salihamidzics. Die Differenzen mĂŒndeten letztendlich im vorzeitigen Ende von Flicks Zeit in MĂŒnchen. Inzwischen ist er Bundestrainer.

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Hasan Salhamidzic (l.) und Julian Nagelsmann: Sie sind sich derzeit uneinig ĂŒber geeignete Transfers zum Rekordmeister.
Hasan Salhamidzic (l.) und Julian Nagelsmann: Sie sind sich derzeit uneinig ĂŒber geeignete Transfers zum Rekordmeister. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

Aber: Laut "Spox" und "Goal" sind die Meinungsverschiedenheiten zwischen Salihamidzic und Nagelsmann rein inhaltlich, nicht persönlich. Von einem belasteten VerhÀltnis kann (noch) nicht die Rede sein.

Wenn man einem Bericht der "Abendzeitung" jedoch Glauben schenken mag, wird die Zahl der UnterstĂŒtzer des Sportvorstands im Klub kleiner. Seine Rolle werde "nun immer öfter hinterfragt". Die Skepsis wĂ€chst. Vor zwei Jahren dominierte der FC Bayern den europĂ€ischen Fußball, gewann die Champions League und spielte dabei Klubs wie den FC Barcelona an die Wand.

Inzwischen sind einige der damaligen SchlĂŒsselspieler weg, der Ersatz schlug kaum ein. Bayern ist schwĂ€cher geworden, auch weil der Klub bei den Königstransfers zu oft daneben liegt. Lucas HernĂĄndez (80 Millionen Euro), Leroy SanĂ© (60 Millionen Euro) oder Dayot Upamecano (42 Millionen Euro) wurden ihrer Summe bisher nicht gerecht. Auch in der Breite weist der Kader SchwĂ€chen auf, weil Ersatzspieler wie Bouna Sarr, Marcel Sabitzer oder Omar Richards bislang nicht die nötige QualitĂ€t zeigten.

Wer ist hier der Chef?

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch: Nicht alle Transfers, die Salihamidzic tĂ€tigte, waren schlecht. Alphonso Davies beispielsweise kam fĂŒr nur zehn Millionen Euro nach MĂŒnchen und entpuppte sich als Spieler von Weltklasse-Format. Eric Maxim Choupo-Moting wurde ablösefrei verpflichtet und ordnete sich als Lewandowski-Ersatz gut ein. Als ganz Europa Tanguy Nianzou jagte, bekam Salihamidzic den Zuschlag, ohne viel Geld nach Paris ĂŒberweisen zu mĂŒssen.

Doch bei der Jagd nach den Stars von morgen macht Bayern in der Kaderplanung auch Fehler. Denn QualitĂ€t ist nicht der einzige entscheidende Faktor. Auch die Hierarchie ist wichtig. Gerade ein Klub wie der FC Bayern braucht FĂŒhrungsspieler in allen Mannschaftsbereichen. Und vor allem in der Abwehr fehlt ein echter Chef. Seit dem Abgang von David Alaba ist der einzige AnfĂŒhrer in der letzten Reihe Manuel Neuer, der Torwart. In der Kette vor ihm fehlte jemand, der fĂŒr Ordnung in der Abwehrreihe sorgt.

Alphonso Davies sagte kĂŒrzlich in einem Interview mit ESPN ĂŒber Ex-Kollege Alaba: "David war immer kommunikativ. Ich musste die richtige Positionierung und so noch lernen. Als ich neu war, hatte ich den Hang dazu, nur auf den Ball zu schauen. Er hat immer auf mich geachtet. (...) Noch heute habe ich manchmal seine Stimme im Hinterkopf, die sagt: 'Phonzy, Phonzy'."

Alphonso Davies: Der Kanadier hat auf der Außenbahn nur bedingten Einfluss auf die Defensive.
Alphonso Davies: Der Kanadier hat auf der Außenbahn nur bedingten Einfluss auf die Defensive. (Quelle: Philippe Ruiz)

Lucas HernĂĄndez, Benjamin Pavard, Niklas SĂŒle und Dayot Upamecano sind alle gute Verteidiger, aber (noch) keine AnfĂŒhrer. Joshua Kimmich wĂ€re so einer, wird aber im Mittelfeld gebraucht. Davies selbst versucht laut eigener Aussage, mehr FĂŒhrung zu ĂŒbernehmen, hat aber auf der Außenbahn nur begrenzt Einfluss.

Mit Antonio RĂŒdiger beispielsweise war ein Verteidiger aus der Kategorie "Leadertyp" ablösefrei zu haben, doch wirklich bemĂŒht hatte sich Bayerns Chefetage um den Nationalspieler eher nicht. Er geht nun wohl zu Real Madrid, zu David Alaba.

Die letzte Chance?

Die Liste der Dinge, die zuletzt unglĂŒcklich beim FC Bayern liefen, wird lĂ€nger. Irritierte Stars, falsche Transfers und unsaubere Hierarchien fĂŒhren dazu, dass der Druck auf die "neuen Bosse" Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn grĂ¶ĂŸer wird. Besonders Salihamidzic ist jetzt gefordert – und muss liefern. Die kommende Transferperiode ist seine letzte Chance.

Denn in der kann er entweder einen erfolgreichen Umbruch einleiten oder selbst noch mehr ins Visier der Kritik geraten. Bei den Fans hat er lĂ€ngst nicht mehr das Ansehen wie zu Triple-Zeiten. Mit guten Transfers und einer erfolgreichen nĂ€chsten Saison kann er dieses zurĂŒckgewinnen und ein Statement setzen.

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Schafft er das nicht, könnte Uli Hoeneß' Satz aus seiner ersten Pressekonferenz wieder in den Vordergrund rĂŒcken. "Was wir brauchen ist ein Mann, der das Vertrauen des Trainers, der Spieler und der Fans hat." Doch vielleicht ist das dann nicht mehr "ein Mann wie Hasan".

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