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Bewerbungsmythen im Experten-Check

Von dpa
Aktualisiert am 08.02.2021Lesedauer: 3 Min.
Was ist bei einer Bewerbung gew├╝nscht, was nicht? Dazu existiert viel Halbwissen.
Was ist bei einer Bewerbung gew├╝nscht, was nicht? Dazu existiert viel Halbwissen. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Metzingen/N├╝rnberg (dpa/tmn) - Wenn es um das Thema Bewerbung geht, glauben viele Menschen, bestens Bescheid zu wissen - und sind mit guten Ratschl├Ągen schnell bei der Hand. Ist ja wohl klar, dass eine Bewerbung ein Foto braucht! Und blo├č nie erw├Ąhnen, dass man in der Freizeit gerne beim Freiklettern ist!

Im Endeffekt entscheiden aber nat├╝rlich Personalfachkr├Ąfte und andere Verantwortliche beim Arbeitgeber dar├╝ber, wer eingestellt wird und wer nicht. Zeit ein paar g├Ąngige Irrglauben zu entmystifizieren.

Annahme 1: Wer nicht alle Anforderungen erf├╝llt, braucht sich nicht zu bewerben.

In der Regel ist das Quatsch. "Es gilt die Daumenregel, wenn man etwa 70 Prozent der Anforderungen aus der Bewerbung erf├╝llt, lohnt sich eine Bewerbung", erkl├Ąrt Deborah Dudda-Luzzato. Sie leitet die Fachgruppe Recruiting, Employer Branding und Social Media beim Bundesverband der Personalmanager (BPM).

F├╝r Robindro Ullah, Autor, Speaker und Recruiting-Experte, besteht da ein grunds├Ątzliches Problem bei Stellenausschreibungen: "Firmen neigen h├Ąufig dazu, Anforderungskataloge zu ├╝berfrachten und nicht zwischen unbedingt notwendigen und "nachr├╝stbaren" Anforderungen zu unterscheiden". Teilweise existierten in Stellenausschreibungen auch Anforderungen, die seit Jahren nicht hinterfragt worden sind.

Heinz Ostermann vom Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) erg├Ąnzt: "Gerade weil man auch Kompetenzen haben kann, die f├╝r die Stelle passen und derer man sich gar nicht bewusst ist, lohnt sich generell immer der Versuch."

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Annahme 2: Bewerbungsbilder sind nach wie vor beliebt und entscheidend

Hier gehen die Meinungen auseinander. "Bewerbungsbilder sind immer eine gute Sache, solange sie professionell sind - und blo├č keine Selfies", findet Heinz Ostermann, der im BAP Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung ist.

Aber auch die Profilbilder in Online-Karrierenetzwerken wie Xing und Linkedin tragen zum ├Âffentlichen Auftritt des Bewerbers bei und k├Ânnen als Bewerbungsfoto eine Bewerbung abrunden.

Deborah Dudda-Luzzato bewertet dies ganz anders: "Professionelle Fotoshootings f├╝r Bewerbungsbilder verschwenden Zeit und Geld. Wie der Bewerber oder die Bewerberin aussieht, interessiert uns nicht."

Annahme 3: Die meisten Jobs werden intern oder ├╝ber Beziehungen vergeben

"Wenn das stimmen w├╝rde, w├Ąren ja alle Headhunter und Personaler arbeitslos", meint Ostermann. "Allerdings ist es kein Mythos, dass Unternehmen gerne intern Stellen besetzen, denn so kennen sie schon die St├Ąrken und Schw├Ąchen des Bewerbers und k├Ânnen sicher sein, dass dieser wiederum das Unternehmen sehr gut kennt."

Je niedriger die Hierarchiestufe, desto eher komme es vor, dass eine pers├Ânliche Beziehung, auch "Vitamin B" genannt, eine Rolle spielt: "Wenn ein Gabelstapler einen Kumpel als neuen Kollegen empfiehlt, kann es schon sein, dass der Freund eher die Stelle bekommt."

Dudda-Luzzato betont, dass die Erfahrungen und der Lebenslauf des Kandidaten z├Ąhlen: "Wenn man die Anforderungen nicht erf├╝llt, bringen auch gute Beziehungen nichts."

Annahme 4: Eine Bewerbung kurz vor Jahresende bringt ohnehin nichts

Die Personalexperten sehen das eher pragmatisch. "Die Welt endet weder an Weihnachten noch an Silvester, deswegen ist das Statement eindeutig ein Mythos", stellt Ostermann klar. Zum Jahresende hin ist die Personalabteilung h├Âchstens im Urlaub und der Bewerbungsprozess kann etwas l├Ąnger dauern als ├╝blich. "So lange eine Stelle ausgeschrieben ist, sollte man sich bewerben." Ist die Ausschreibung allerdings schon einige Monate alt, k├Ânne es gut sein, dass die Stelle schon besetzt ist und die Ausschreibung vergessen wurde.

Auch Robindro Ullah sieht beim Jahreswechsel eher noch die Chance, beim Recruiting-Plan des Unternehmens im Folgejahr ber├╝cksichtigt zu werden.

Annahme 5: Bewerbungen laufen nur noch komplett online

"Das ist richtig", sagt Dudda-Luzzato. "In einigen wenigen Branchen gibt es noch Offline-Bewerbungen mit Bewerbungsmappen, wie in der Logistikbranche oder der Lebensmittelbranche."

Generell empfiehlt sie aber, sich immer elektronisch zu bewerben. So erreiche eine Bewerbungsmappe auch in Homeoffice-Zeiten das B├╝ro und es gebe eine schnellere R├╝ckmeldung auf die Bewerbung.

"Dar├╝ber hinaus haben Unternehmen viele Anforderungen mit der Datenschutzgrundverordnung erhalten, deren Erf├╝llung in einer Online-Welt den meisten leichter von der Hand geht", erkl├Ąrt Recruiting-Spezialist Ullah.

Annahme 6: Personalfachkr├Ąfte haben No-Gos

Bei der Erw├Ąhnung von Extremsportarten als No-Gos muss Dudda-Luzzato lachen: "Da achtet keiner drauf. Extravagante Hobbys sind uns egal." Da sie in der Modebranche t├Ątig ist, k├Ânne sie sagen, dass in der Branche etwa auch auff├Ąllige T├Ątowierungen durchaus unerheblich sind.

Es kommt also meist auf die Stelle und das Aufgabengebiet an. Wenn man eine bestimmte T├Ątigkeit anstrebt, sollten aber das allgemeine Freizeitverhalten und der Social Media-Auftritt dazu passen. Je nach Stelle und Position sollte man m├Âglichst wenig "angreifbar" sein, r├Ąt Ostermann. Was beispielsweise in einem Job in der Logistik unerheblich ist, kann f├╝r eine F├╝hrungsposition unpassend sein.

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