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Goldpreis: Manipulationen und Betrug? Die große Gold-Lüge

Für t-online.de von DER AKTIONÄR

Die große Gold-Lüge  

Manipulationen und Betrug?

06.03.2014, 11:11 Uhr | Der Aktionär

Goldpreis: Manipulationen und Betrug? Die große Gold-Lüge. Goldpreis wird langfristig steigen (Quelle: imago images)

Der Goldpreis unter Druck: Das Edelmetall interessiert die Investoren momentan nicht (Quelle: imago images)

Verschwörungstheorie - nichts weiter. Das hat man noch vor einigen Wochen gehört, wenn man behauptet hat, der Goldpreis sei manipuliert, die Bewegungen bisweilen irrational. Und jetzt? Jetzt wird immer klarer, es war weit mehr als eine Verschwörungstheorie. Die Finanzaufseher in Großbritannien und Deutschland haben das Goldpreis-Fixing in London unter die Lupe genommen. Ein Gold-Experte prognostiziert dennoch einen kräftig steigenden Goldpreis.

Ein offizielles Ergebnis liegt zwar noch nicht vor, aber die "Financial Times" meldete in der vergangenen Woche, dass die Beratungsgesellschaft Fideres das Goldpreis-Fixing im Zeitraum zwischen Januar 2010 und Dezember 2013 genau unter die Lupe genommen hat. Das erschreckende Ergebnis: Jeder zweite festgestellte Goldpreis in London war möglicherweise manipuliert.

Goldman und Gold - eine wirklich verzwickte Beziehung

Dieses Beispiel zeigt: Nicht alles, was von Experten und Analysten ins Reich der Mythen verwiesen wird, ist tatsächlich auch ein Mythos. Auf der anderen Seite sollte auch das, was Analysten gerade zum Thema Gold sagen, genau hinterfragt werden.

Ein Beispiel: Trotz der Rallye von rund zehn Prozent seit Jahresbeginn bleiben vor allem die Analysten der meisten US-Banken ausgesprochen pessimistisch für die weitere Entwicklung des Goldpreises. Insbesondere die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs haben sich einen Namen als ausgesprochene Gold-Bären gemacht. Chef-Rohstoffanalyst Jeffrey Currie hat ein Ziel von 1050 Dollar je Unze für das Jahresende ausgegeben.

Höchste Zeit also, sein Gold zu verkaufen, möchte man zumindest auf den ersten Blick meinen. Doch was für den gemeinen Kunden von Goldman Sachs gilt, gilt offensichtlich nicht für Goldman Sachs selbst. Obwohl die Hausmeinung ungebrochen pessimistisch ist, kauft die Bank selbst hinter den Kulissen Gold - in Form von ETFs.

Im vierten Quartal haben sie ihren Anteil am größten börsennotierten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, um 77,2 Millionen Dollar aufgestockt. Das entspricht einem Plus von 21 Prozent. "Goldman Sachs ist damit der viertgrößte Investor in diesem Gold-ETF", sagt Goldexperte Uwe Bergold im Interview mit dem "Aktionär".

Aktien steigen, Gold fällt?

Zuerst einmal ist das verwirrend: Aber vielleicht stören sich die Investmentbanker ja auch nur an der Begründung der Analysten. Diese verweisen nämlich auf eine wirtschaftliche Erholung und auf florierende Aktienmärkte. Das wiederum würde einem Engagement in Gold die Luft aus den Segeln nehmen. Eine negative Asset-Korrelation also: Steigen Aktien, dann fällt Gold.

Zugegeben: Zunächst erscheint das logisch. Bei Gold wird immer wieder der Versicherungsgedanke "Safe haven" angeführt. Gold soll dann besonders attraktiv sein, wenn eine Geldentwertung, Staatspleiten oder gar eine Währungsreform drohen. Geht es wirtschaftlich bergauf, steigen Aktien, dann sinkt die Versicherungsprämie. Gold müsste dann eigentlich billiger werden. Doch auch wenn nahezu alle Gold-Bären dieses Argument gebetsmühlenartig wiederholen - richtig wird es damit dennoch nicht.

Dies zeigt schon ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Seit dem Jahr 2000 gibt es wesentlich mehr Jahre, in denen sich Aktien und Gold parallel entwickelt haben, als solche, in denen es eine entgegengesetzte Entwicklung gab. Eine wirkliche Regel lässt sich dabei sicher nicht erkennen. Das liegt daran, dass Gold nicht nur eine Versicherung ist, sondern auch ein Rohstoff, dessen Preis sich nach Faktoren wie Produktionskosten, Angebot und Nachfrage bestimmt - und bei Gold ganz wichtig: über die Preisbildung an der Rohstoffbörse Comex.

Der West-Ost-Transfer

Aber, wird der eine oder andere einwenden, im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach Gold doch massiv eingebrochen. Doch ist das so? Richtig ist: Vor allem institutionelle Investoren haben sich aus mit Gold hinterlegten ETFs zurückgezogen. Dadurch haben ETFs im vergangenen Jahr rund 881 Tonnen auf den Markt geworfen. "Wir haben einen signifikanten Wechsel im Verhalten der ETFs gesehen", sagt Marcus Grubb, Manager beim World Gold Council. Aber dieses Gold fand einen neuen Abnehmer: China.

Und das führte dazu, dass die Nachfrage seitens der Schmuckindustrie und die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 3863,5 Tonnen gestiegen ist. Zum Vergleich: Die jährliche Goldproduktion weltweit beläuft sich auf etwa 2700 Tonnen. Die Schlagzeile "Die Nachfrage nach Gold ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent eingebrochen", die vor zwei Wochen zu lesen war, bezieht sich auf genau diese 3863,5 Tonnen abzüglich der 881 Tonnen der ETF-Verkäufe. An dieser Stelle fällt einem wieder eine alte Weisheit ein: Statistik ist wie ein Bikini, zeigt viel, aber verhüllt das Wesentliche.

Die Krux mit den Produktionskosten

Apropos das Wesentliche: Das Wesentliche bei Minenunternehmen waren noch vor wenigen Jahren die Reserven. Sprich: Auf wie viel Gold sitzt das Unternehmen? Mittlerweile hat sich das gewandelt. Der Blick der Anleger richtet sich immer stärker auf die Produktionskosten.

Und eine Frage wird kontrovers diskutiert: Kann der Goldpreis unter die durchschnittlichen Produktionskosten der großen Produzenten fallen? Diese liegen derzeit bei 1150 bis 1200 Dollar je Unze Gold. Und da die meisten Analysten noch niedrigere Kursziele sehen, gehen sie wie selbstverständlich davon aus, dass der Kurs da runterrutschen kann. Die Argumentation: Gold wird anders als die meisten anderen Rohstoffe nicht verbraucht. Selbst wenn Minen infolge gesunkener Preise schließen müssten, käme es zu keinem Mangel bei Gold, da nahezu das gesamte Gold, das jemals gefördert worden ist, noch vorhanden ist.

Das klingt logisch. Allerdings muss man bedenken, dass das Gold, das bei den Zentralbanken gelagert ist, praktisch dem Markt entzogen ist. Das Gleiche gilt auch für den Schmuck, der in heimischen Schatullen und Nachtkästchen lagert – und das dürfte der überwiegende Teil des Goldes sein, das jemals produziert wurde.

Genau aus diesem Grund raten Experten wie David Morgan, Herausgeber von "The Morgan Report", dazu, Gold und Silber zu kaufen, wenn der Preis sich den Produktionskosten nähert. "Beide Edelmetalle notieren nahe oder noch unter ihren Produktionskosten. Jedes Mal, wenn Sie unter diesen Produktionskosten kaufen und dann Geduld haben, werden Sie gute Gewinne machen", sagte er in einem Interview mit dem DAF Deutsches Anleger Fernsehen.

Kein schlechter Vorschlag: Die zittrigen Hände haben im vergangenen Jahr den Goldmarkt verlassen. Und das Edelmetall strebt seit Jahresanfang - allen Unkenrufen und Halbwahrheiten zum Trotz - wieder nach oben.

Experte sieht Goldpreis langfristig bei 5000 Dollar

Uwe Bergold nannte im "Aktionär"-Interview kurz- bis mittelfristige Goldpreis-Ziele von 1480 bis 1500 Dollar. "Das ist eine wichtige Schlüsselmarke. Gelingt der Ausbruch über diese Schwelle, sehe ich den Preis schnell bei 1900 Euro und langfristig - Ende des Jahrzehnts - bei über 5000 Euro." Das Problem sei nicht der Goldpreis an sich, sondern die Kaufkraft, die dahintersteckt. Es herrsche eine Korrelation zwischen dem Goldpreis und den Zentralbankenwachstum, deren Bilanzen werden immer weiter steigen. Demnach könne auch der Goldpreis langfristig nur weiter steigen.

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