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Explodiert der Kupferpreis? Minenarbeiter drohen mit Streik

Begehrter Rohstoff wird knapper  

Wie ein Streik in Chile den Kupferpreis in die Höhe treiben könnte

03.08.2021, 12:58 Uhr
Explodiert der Kupferpreis? Minenarbeiter drohen mit Streik. Die Kupfermine im chilenischen Ort Escondida (Archiv): Die Mine fördert 5 Prozent des weltweiten Kupferbedarfs, nun droht der teuerste Streik der Gewerkschaftsgeschichte. (Quelle: imago images/Construction Photography)

Die Kupfermine im chilenischen Ort Escondida (Archiv): Die Mine fördert 5 Prozent des weltweiten Kupferbedarfs, nun droht der teuerste Streik der Gewerkschaftsgeschichte. (Quelle: Construction Photography/imago images)

Minenarbeiter in Chile sind sauer: In der weltgrößten Kupfermine drohen nun Streiks und die könnten Wochen dauern. Das würde den Kupferpreis nach oben schnellen lassen und auch die deutsche Industrie treffen.

Die ersten Anlageexperten spekulierten am Wochenanfang bereits auf steigende Kupferpreise – dabei ist das Edelmetall bereits seit Wochen sehr gefragt und erreichte bereits im April sein Zehnjahreshoch, im Mai sogar ein neues Allzeithoch. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um mehr als 50 Prozent zugelegt.

Doch damit nicht genug: Spekulanten gehen davon aus, dass der Preis weiter in die Höhe schießen könnte. Der Grund? Unzufriedene Arbeiter in Chile. Tatsächlich könnte der Arbeitskampf in dem südamerikanischen Land bedeutend für den Kupferpreis und damit auch für die deutsche Wirtschaft sein. 

Kupfer

4,27 USD+43,65%
Aktuelles ChartZeitraum 1 Jahr16.09.2021COMEX Globex
Kupfer Rohstoff
Hoch
4,81
Zwischenwert Hoch / Mittel
4,32
Mittel
3,83
Zwischenwert Mittel / Tief
3,35
Tief
2,86
Okt '20Jan '21Apr '21Jul '21

In der weltgrößten Mine Escondida in Chile haben sich die Mitarbeiter bei einer Abstimmung der Gewerkschaft mit überragenden Mehrheit für einen Streik ausgesprochen. Von 2.175 Minenarbeiter lehnten 2.164 das Angebot des Minenbesitzer BHP Group Ltd. ab. 

28 Prozent des weltweiten Kupferbedarfs kommt aus Chile

Die Gewerkschaft fordert einen einmaligen Corona-Bonus für die Mitarbeiter, die auch während der Pandemie die Mine bearbeitet haben, bessere Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten, einen Bonus gemessen an dem Umsatz und der Fördermenge der Mine und dieselben  Bildungsvorzüge für die Arbeiterkinder wie sie die Kinder der Vorgesetzen genießen. 

Die Arbeiter beklagen, dass BHP ihnen in keinem Punkt entgegengekommen sei. Das Unternehmen betont gegenüber dem Wallstreet Journal dagegen, ihr Angebot würde die aktuellen Bedingungen der Arbeitgeber verbessern und Vorzüge in Bereichen bieten, die den Arbeitern sehr wichtig seien. 

Die Mine Escondida produziert 5 Prozent des weltweiten Bedarf an Kupfer. Das Land Chile ist mit einem Anteil von 28 Prozent an der Weltproduktion der weltweit größte Kupferlieferant. Die Kupferproduktion macht 10 bis 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des südamerikanischen Landes aus. Ein Großteil des Rohstoffs wird nach China, dem Land mit dem weltweit größten Verbrauch, exportiert und kommt über verarbeitete Produkte, etwa in Elektrotechnik, nach Europa.

Kupfer ist gefragter denn je – und wichtig für die E-Mobilität

Ob es tatsächlich zu Streiks kommt, ist noch nicht gewiss. Laut Gesetz müssen die Arbeiter für bis zu zehn Tage weiter arbeiten, in denen ein Mediationsprozess zwischen Arbeitern und Konzern stattfindet. 

Eine solche Mediation plant BHP nun nach eigenen Angaben zu starten. Experten schätzen, dass es entscheidend ist, ob die Arbeiter nach diesen zehn Tagen tatsächlich die Mine verlassen. Dann könnte es zu erheblichen Folgen für den Kupferpreis kommen – und auch die Weltwirtschaft dürfte das spüren. Denn die Industrie verwendet das Edelmetall vielfältig. 

Für die Wind- und Solarenergie ist der Rohstoff essentiell und auch die Autoindustrie ist immer mehr auf das Edelmetall angewiesen. Denn: In einem E-Auto ist fast viermal so viel Kupfer verbaut wie in einem Verbrenner. Zudem sind die Bauindustrie und der Maschinenbau auf Kupfer angewiesen.

Der letzte Streik dauerte 44 Tage

Und der Rohstoff ist knapp. Zwischen zwei und drei Jahre dauert es, um die Kapazität einer existierenden Mine zu erhöhen, bis zu acht Jahre, um eine neue zu erschließen. Bei einem Streik können die Konzerne also nicht ohne Weiteres auf andere Minen ausweichen. 

Und ein solcher ist trotz Mediation nicht undenkbar: Bereits 2017 streikten die Minenarbeiter – und kehrten 44 Tage lang nicht zur Arbeit zurück. Bei dem klaren Abstimmungsergebnis über die letzte Tarifrunde scheint die Richtung auch dieses Jahr klar zu sein.

"Teuerster Konflikt in der Gewerkschaftsgeschichte" droht

Sollte BHP den Mitarbeitern nicht entgegenkommen, droht mitten in der Pandemie – die ohnehin zu einer Knappheit beim Rohstoff Kupfer führt – der komplette Stillstand in der weltweit größten Kupfermine.

Das macht auch die Gewerkschaft in einem Statement deutlich: Wir hoffen, dass diese überwältigende Abstimmung ein entscheidender Weckruf ist, damit BHP substantielle Diskussionen initiiert, um eine zufriedenstellende Einigung zu erreichen", schreibt die Gewerkschaft. Nur so könnte ein "langanhaltender" Konflikt verhindert werden, der der "teuerste in der Geschichte der Gewerkschaft" werden könnte.

Verwendete Quellen:

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