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Steigende Kapitalmarktzinsen – was heißt das fĂŒr Sparer?

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Ein Ehepaar sortiert Finanzunterlagen (Symbolbild): Die Rendite zehnjÀhriger Bundesanliehen ist wieder positiv.
Finanzunterlagen (Symbolbild): Die Rendite zehnjÀhriger Bundesanleihen ist wieder positiv. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Erstmals seit 2019 erhalten Anleger wieder eine positive Rendite, wenn sie dem Staat Geld leihen. Die Kapitalmarktzinsen der zehnjÀhrigen Bundesanleihen steigen. Ist die Zinswende jetzt eingelÀutet?

Das Wichtigste im Überblick


  • Was sind Bundesanleihen?
  • Warum ist die Rendite wieder positiv?
  • Welche Folgen hat das fĂŒr Deutschlands Schulden?
  • Was heißt das fĂŒr Sparer und Anleger?
  • Sollte ich jetzt Bundesanleihen kaufen?

Die steigende Inflation macht sich immer stĂ€rker an den KapitalmĂ€rkten bemerkbar. Am Mittwoch war der Zins fĂŒr zehnjĂ€hrige Bundesanleihen erstmals seit knapp drei Jahren wieder leicht positiv. Die Rendite stieg am Vormittag bis auf 0,008 Prozent.


Kurz erklÀrt: Was ist eigentlich Inflation?

Die Redaktion Wirtschaft und Finanzen erklĂ€rt in fĂŒnf Bildern die Inflation und wie diese sich auf Verbraucher auswirkt.
Folgen der Inflation bemerken die Verbraucher meist zuerst im Supermarkt.
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Es ist das erste Mal seit Mai 2019, dass zehnjĂ€hrige Bundesanleihen wieder positiv rentieren. Die Wertpapiere gelten an den MĂ€rkten als richtungsweisend. Doch was sind Bundesanleihen eigentlich? Und was bedeutet der aktuelle Zinsanstieg fĂŒr mich als Sparer? t-online erklĂ€rt es Ihnen.

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Was sind Bundesanleihen?

Eine Bundesanleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier, das der Staat herausgibt, um sich zu finanzieren. Konkret funktioniert eine Anleihe also wie ein Kredit an einen Staat, fĂŒr den Anleger einen Zins erhalten.

Kauft ein Anleger einen solchen Kredit, leiht er folglich dem Staat Geld. In der Fachsprache nennt man das Kaufen einer Anleihe auch "zeichnen". Auch Firmen können Anleihen auf den Markt bringen.

Die in dem Papier festgelegten Zinsen werden jĂ€hrlich ausgeschĂŒttet. Die Laufzeit von Staatsanleihen betrĂ€gt oft zehn Jahre. Es gibt jedoch auch kĂŒrzere und lĂ€ngere Laufzeiten. Mehr zu Staatsanleihen lesen Sie hier.

Warum ist die Rendite wieder positiv?

Seit FrĂŒhjahr 2019 rentierten die zehnjĂ€hrigen Bundesanleihen bei unter null Prozent – also negativ. Das heißt: Investoren, die diese Anleihe zeichnen, leihen dem Staat Geld und zahlen dafĂŒr sogar.

Der Grund: Der Staat steht bei Anlegern hoch im Kurs, da seine BonitĂ€t von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet wird. Das signalisiert KĂ€ufern von Bundesanleihen ein sicheres Investment mit sehr geringer Ausfallwahrscheinlichkeit.

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Aber warum ist die Rendite nun gestiegen? Ausgangspunkt dafĂŒr sind die USA. Dort wird von der Notenbank Federal Reserve angesichts der hohen Inflation von derzeit sieben Prozent ein deutliches Gegensteuern erwartet. An den MĂ€rkten wird fĂŒr dieses Jahr mit bis zu vier Zinsanhebungen der Fed gerechnet.

Auch der Staatsanleihenkauf durch die Notenbank, der in der Corona-Krise deutlich ausgeweitet wurde und die Rendite drĂŒckte, soll wieder zurĂŒckgefahren werden. Die Fed hat bereits Ende vergangenes Jahr den Einstieg ins sogenannte Tapering verkĂŒndet, also das ZurĂŒckfahren der AnleihenankĂ€ufe.

Damit sinkt die Nachfrage auf dem Markt nach Staatsanleihen wieder – die Rendite steigt. In den USA betrĂ€gt der Zins fĂŒr zehnjĂ€hrige Staatsanleihen aufgrund der strafferen Haltung der Notenbank Fed bereits rund 1,9 Prozent.

EZB ist mit Zinsanstieg zurĂŒckhaltend

Aufgrund der hohen Bedeutung der US-FinanzmÀrkte pflanzt sich der Zinsauftrieb in viele andere Volkswirtschaften fort. In der Eurozone wird von der EuropÀischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr allerdings noch keine Zinserhöhung erwartet.

Daher rechnen Experten auch nicht mit einem starken Anstieg der Kapitalmarktzinsen in Deutschland. Solange die WĂ€hrungshĂŒter an ihrer Grundhaltung festhalten, dĂŒrften die Renditen der Bundesanleihen ihren US-Pendants nur mit gebremstem Tempo folgen, erwartet Anleiheexperte Elmar Völker von der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg.

Welche Folgen hat das fĂŒr Deutschlands Schulden?

FĂŒr den deutschen Staat sind steigende Kapitalmarktzinsen schlechte Nachrichten. Denn der Bund finanziert einen Teil seiner Ausgaben ĂŒber neue Schulden. In diesem Jahr will sich der Staat etwa 403 Milliarden Euro von Investoren leihen, davon etwa 56 Milliarden ĂŒber konventionelle Anleihen mit zehnjĂ€hriger Laufzeit.

Steigende Zinsen bedeuten fĂŒr den Staat wie auch fĂŒr private Schuldner jedoch eine höhere Zinsbelastung. Allerdings ist die Staatskasse seit Jahren durch die extrem niedrigen und teils negativen Zinsen erheblich entlastet worden. Der jetzige Anstieg der Kapitalmarktzinsen dĂŒrfte also kaum Auswirkungen haben.

"Um die Finanzen von Christian Lindner brauchen wir uns auch bei diesen Renditen keine Sorgen zu machen. Kredite werden langsam wieder etwas teurer oder – besser gesagt – etwas weniger gĂŒnstig", sagte etwa ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Sollten Renditen weiter steigen, wird das zum Problem fĂŒr verschuldete Staaten

Das sieht SteuerschĂ€tzer und Experte des Kieler Instituts fĂŒr Weltwirtschaft (IfW), Jens Boysen-Hogrefe, Ă€hnlich. "Dass die Nulllinie jetzt ĂŒberschritten wurde, hat fĂŒr sich genommen keine große Bedeutung, insbesondere nicht fĂŒr die TragfĂ€higkeit der öffentlichen Finanzen", sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Sollte sich der Trend aber manifestieren und die Renditen weiter zunehmen, dĂŒrfte die Defizitfinanzierung zunehmend problematisch werden, befĂŒrchtet der Ökonom. "Dies gilt dann nicht nur fĂŒr den Bund, sondern fĂŒr die öffentlichen Finanzen im gesamten Euroraum", sagte Boysen-Hogrefe. Viele Euro-LĂ€nder wie Italien sind stĂ€rker verschuldet als Deutschland.

FDP-Haushaltspolitiker Otto Fricke macht der Renditeanstieg daher Sorgen. "Der zusÀtzliche Puffer im Haushalt, den es in den letzten Jahren immer gegeben hat, fÀllt jetzt weg", sagte er. Das werde sich im Jahresverlauf immer stÀrker auswirken. "Ich erwarte, dass sich die Zinsausgaben 2022 mindestens verdoppeln werden, allerdings von niedrigem Niveau kommend."

Allerdings sind sich Experten noch uneins, ob dieser Trend der anziehenden Zinsen tatsĂ€chlich dauerhaft ist – und wenn, wie schnell die Renditen ansteigen (siehe oben).

Was heißt das fĂŒr Sparer und Anleger?

Nicht viel. FĂŒr Sparer ist der Zinsanstieg nicht mehr als ein kleiner Hoffnungsschimmer. Denn abzĂŒglich der hohen Inflation von in Deutschland zuletzt mehr als fĂŒnf Prozent bringen die Papiere real, also unter dem Strich, Verluste ein. Das heißt: Trotz der aktuell positiven Rendite sollten Sparer eher keine Bundesanleihen kaufen (siehe unten).

"FĂŒr Sparer wird sich wohl nichts verĂ€ndern", konstatierte auch ING-Chefökonom Brzeski. Hauptgrund dafĂŒr: Die EZB will ihren Leitzins in diesem Jahr ungeachtet der hohen Inflation auf dem Rekordtief von null Prozent halten. "Eine Leitzinserhöhung sehe ich erst Anfang 2023", sagte er.

FĂŒr Anleger, die auf Aktien setzen, heißt der Anstieg ebenfalls zunĂ€chst sehr wenig. Sollte sich der Trend steigender Renditen fĂŒr Anleihen aber manifestieren und die EZB auch die Zinsen anheben, könnten die Kurse am Aktienmarkt fallen.

FĂŒr Kreditnehmer wie Bauherren ergeben sich jedoch eher negative Konsequenzen, da die Kapitalmarktzinsen die Kosten von Baudarlehen beeinflussen. Steigen die Bundesrenditen, erhöhen sich auch meist die Hypothekenzinsen – allerdings ausgehend von derzeit sehr niedrigem Niveau.

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Sollte ich jetzt Bundesanleihen kaufen?

Nein, besser nicht. Denn Bundesanleihen bringen immer noch kaum Rendite. Der Zins lag gerade einmal bei 0,008 Prozent – nominal. Zieht man davon noch die aktuell hohe Inflation ab, verlieren Anleger also.

Bundesanleihen galten zwar lange Zeit auch fĂŒr private Anleger als Sicherheitsanker im Depot, die mögliche Risiken durch Aktien abfedern. Doch durch die negative Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen wurden sie sehr unattraktiv. Fraglich ist, wie sie sich weiter entwickeln. Mehr zu Anleihen als Anlageobjekt lesen Sie hier.

Statt auf Bundesanleihen sollten Anleger besser auf eine breit gestreute Aktienanlage setzen. Das geht am gĂŒnstigsten und einfachsten ĂŒber sogenannte ETFs. Das sind computergesteuerte Fonds, die einen ganzen Aktienindex wie den Dax nachbilden – Sie investieren also in alle Firmen, die in dem Index gelistet sind. Lesen Sie hier mehr zu ETFs.

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So streuen Sie das Risiko breit. Daten aus der Vergangenheit zeigen dabei: Wer ĂŒber Jahrzehnte, etwa fĂŒrs Alter, anlegt, bei dem tendiert das Verlustrisiko auch gegen null.

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