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Baufinanzierungen boomen trotz höheren Zinsen fĂŒr Kredite

Von dpa
Aktualisiert am 08.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Das seit Jahren gut laufende GeschÀft mit Baukrediten bekam im vergangenen Jahr mit der Corona-Pandemie einen Schub.
Das seit Jahren gut laufende GeschÀft mit Baukrediten bekam im vergangenen Jahr mit der Corona-Pandemie einen Schub. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Die starke Nachfrage nach Immobilien hat den Boom bei Baufinanzierungen im Corona-Krisenjahr 2020 weiter angefacht. Das NeugeschÀft der Banken und Sparkassen in Deutschland mit Baukrediten wuchs auf den Rekord von 273 Milliarden Euro nach 263 Milliarden Euro 2019.

Demnach betrug der Bestand der an private Haushalte ausgegebenen Baufinanzierungen von Banken und Sparkassen knapp 1,4 Billionen Euro, zeigt eine neue Studie der Beratungs- und WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft PwC Im Jahr zuvor hatte der Kreditbestand bei 1,3 Billionen Euro gelegen. Allerdings haben sich die Konditionen von Baukrediten zuletzt verschlechtert. Das bedeutet fĂŒr ImmobilienkĂ€ufer höhere Kosten.

Interesse an Immobilien trotz Widrigkeiten ungebrochen

Das seit Jahren gut laufende GeschÀft mit Baukrediten bekam im vergangenen Jahr mit der Corona-Pandemie einen Schub, zeigt die am Donnerstag veröffentlichte Studie, die der dpa vorliegt. Das Wachstum des Kreditbestands beschleunigte sich demnach 2020 auf 6,6 Prozent pro Jahr. Nur im Juni habe es wegen des ersten Lockdowns einen DÀmpfer gegeben. 2019 hatten niedrige Bauzinsen und höhere Immobilienpreise den Baukreditbestand um 5,7 Prozent steigen lassen.

"Trotz steigenderImmobilienpreiseund der wirtschaftlichen Unsicherheit ist das Interesse von Privatkunden an Immobilien ungebrochen", sagt Tomas Rederer, Partner und Kreditexperte bei PwC Deutschland. "Die Konditionen fĂŒr Baufinanzierungen dĂŒrften mittelfristig attraktiv bleiben und die Nachfrage weiter anheizen."

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In der Pandemie hat die Nachfrage nach Wohnungen und HÀusern weiter angezogen. Viele Menschen legen in Zeiten von Lockdowns und Homeoffice Wert auf ein schönes Zuhause mit mehr Platz, zudem sind die Zinsen niedrig und es mangelt an Anlagealternativen. Das treibt die Preise: ImmobilienkÀufer mussten 2020 im Schnitt 7,4 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr, zeigten Daten des Statistischen Bundesamts.

Kredite fĂŒr ImmobilienkĂ€ufer haben sich verteuert

Viele WohnungskÀufer sichern sich der PwC-Studie zufolge die niedrigen Zinsen auf lange Sicht: Die durchschnittliche Laufzeit neuer Baukredite lag demnach erstmals bei mehr als elf Jahren. Da die Immobilienpreise vielerorts steigen und nicht jeder entsprechend mehr Eigenkapital aufbringen kann, wÀchst oft auch das Kreditvolumen.

ImmobilienkĂ€ufer brachten im vergangenen Jahr noch einen Eigenkapitalanteil von 20 Prozent mit, zeigen Daten des Baufinanzierers HĂŒttig & Rompf. Das waren vier Punkte weniger als 2016. Im Schnitt zahlten Eigennutzer Kaufpreise von 493.000 Euro.

Seit Jahresbeginn haben sich Kredite fĂŒr ImmobilienkĂ€ufer jedoch verteuert. Die Zinsen fĂŒr zehnjĂ€hrige Darlehen stiegen in den vergangenen zwei Monaten um fast 0,2 Prozentpunkte und liegen nun im Schnitt bei rund 0,9 Prozent, beobachtet der MĂŒnchner Baufinanzierer Interhyp Die Zinsen kletterten mit dem allgemeinen Renditeniveau an den Börsen, etwa bei Bundesanleihen. Investoren erwarten deutlich höhere Inflationsraten, da sie auf ein Abklingen der Corona-Pandemie und eine Konjunkturerholung setzen. Auch die teils enormen Staatshilfen, etwa in den USA, dĂŒrften die Inflationsraten antreiben.

Baugeld ist gĂŒnstig und wird es bleiben

"Insgesamt hat sich der Baufinanzierungsmarkt von den TiefststĂ€nden um ein ganzes StĂŒck erhöht", sagt auch Ditmar Rompf, Vorstandschef des Konkurrenten HĂŒttig & Rompf. Je lĂ€nger die Zinsbindung, desto höher sei die Steigerung. Die Frankfurter FMH Finanzberatung sieht aktuell Standardkonditionen von 0,81 Prozent bei zehnjĂ€hrigen Baukrediten. JĂŒngst habe sich daran nicht mehr viel geĂ€ndert.

ImmobilienkĂ€ufer könnten weiter gĂŒnstig finanzieren, meint Mirjam Mohr, VorstĂ€ndin PrivatkundengeschĂ€ft bei Interhyp. Ein Blick auf frĂŒhere Jahre, als Zinsen von vier Prozent und mehr nicht selten waren, relativiere den Anstieg. "Baugeld ist noch immer sehr gĂŒnstig und wird es mit Blick auf die Auswirkungen der Pandemie und Geldpolitik bleiben."

TatsĂ€chlich halten die EuropĂ€ischen Zentralbank und die US-Notenbank Fed trotz höherer Inflationsaussichten an einer lockeren Geldpolitik fest. Das dĂ€mpfe die Anleiherenditen, meint FMH-Immobilienexperte Max Herbst. Er rechnet im Zuge einer steigenden Inflation aber damit, dass die Zinsen fĂŒr zehnjĂ€hrige Baukredite im Jahresverlauf ĂŒber die Marke von einem Prozent steigen.

Das bedeute begrenzte Mehrkosten fĂŒr ImmobilienkĂ€ufer. Bei einem Darlehen von 250.000 Euro, zehn Jahren Laufzeit und drei Prozent Tilgung ergebe sich eine Differenz von 4500 Euro gemessen an aktuellen Konditionen. Kaufinteressenten könnten das gelassen sehen und sollten keinen Vertrag ĂŒbereilt abschließen, meint Herbst. "Wenn eine Finanzierung an 4500 Euro scheitert, ist es besser, sie kommt erst gar nicht zustande."

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