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Weniger Datenklau am Geldautomaten

Von dpa
Aktualisiert am 20.12.2021Lesedauer: 3 Min.
"Skimming"- Technik: Kriminelle montieren VorsatzgerÀte (o) an den Kartenschlitz des Geldautomaten, um die Kartendaten auszulesen.
"Skimming"- Technik: Kriminelle montieren VorsatzgerÀte (o) an den Kartenschlitz des Geldautomaten, um die Kartendaten auszulesen. (Quelle: Thomas Frey/dpa/Archivbild./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Weniger FĂ€lle, weniger Schaden: Der Datenklau
an Geldautomaten in Deutschland wird immer mehr zum Auslaufmodell.
Von Januar bis einschließlich November des laufenden Jahres summierte
sich der Bruttoschaden infolge des AusspÀhens von Kartendaten und
Geheimnummer (PIN) auf gerade noch 330.000 Euro, wie die Frankfurter
Einrichtung Euro Kartensysteme auf Anfrage mitteilte.

In den ersten elf Monaten 2020 hatte der Schaden infolge solcher
"Skimming"-FĂ€lle bei etwas mehr als einer Million Euro gelegen, im
Gesamtjahr 2020 waren es rund 1,06 Millionen Euro. Der englische
Begriff "Skimming" bedeutet "abschöpfen" oder "absahnen".

Die Schadenssumme sinkt seit Jahren: 2019 hatten sich die SchÀden
infolge des AusspÀhens von Daten von Bankkunden in Deutschland noch
auf etwas mehr als 1,4 Millionen Euro belaufen. Im Jahr 2013 waren es
11,3 Millionen Euro, 2012 und 2011 sogar jeweils 34 Millionen Euro.

VerdrÀngt Sicherheit den Trend?

Den rĂŒcklĂ€ufigen Trend erklĂ€rt die Finanzbranche vor allem damit,
dass massiv in Sicherheit investiert wurden. So setzt Deutschland
seit Jahren auf die EMV-Technik. Dabei sind Bezahlkarten mit einer
Art Mini-Computer ausgestattet, die Karte wird bei jedem Gebrauch auf
Echtheit geprĂŒft.

Weltweit gibt es nur noch wenige LĂ€nder, in denen Bezahlkarten mit
relativ leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerĂŒstet und LesegerĂ€te
im Handel auf Magnetstreifen ausgelegt sind. Im Grunde können
Kriminelle nur dort gefÀlschte Karten auf Basis von in Deutschland
geklauten Daten zum Einkaufen nutzen.

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"Das GeschĂ€ftsmodell Skimming ist fĂŒr die BetrĂŒger nicht mehr
interessant", folgert Margit Schneider von Euro Kartensysteme. "Allzu
oft treffen sie nun auch im außereuropĂ€ischen Ausland auf EMV-fĂ€hige
Geldautomaten und Terminals, an denen KartenfÀlschungen ohne EMV-Chip
nicht mehr eingesetzt werden können."

Kriminelle nutzen gefĂ€lschte TĂŒröffner

Um illegal an Daten von Bankkarten zu kommen, manipulieren Kriminelle
zum Beispiel den Schlitz am Geldautomaten - oder sie versuchen, ĂŒber
gefĂ€lschte TĂŒröffner an die Daten zu gelangen. Mitunter wird die
Eingabe der PIN auch mit Mini-Kameras gefilmt oder ĂŒber einen
gefÀlschten Tastaturaufsatz gespeichert.

Auf diese Weise manipulierten Kriminelle in Deutschland von Januar
bis einschließlich November 2021 nach Angaben von Euro Kartensysteme
116 Mal Geldautomaten. Im Vorjahreszeitraum hatte es bundesweit 134
solcher "Skimming"-FĂ€lle gegeben, im Gesamtjahr 2020 waren es 152.
Dabei können einzelne Automaten mehrfach angegriffen worden sein.

Die mit Abstand meisten FĂ€lle wurden im laufenden Jahr in Bayern
gezÀhlt (55). Eine zweistellige Zahl an Skimming-Angriffen auf
Geldautomaten gab es den Angaben nach außerdem in Baden-WĂŒrttemberg
(26), Niedersachsen (13) und Hessen (11).

Kartendubletten auf Grundlage von hierzulande gestohlenen Daten
wurden vor allem in den USA (78 Prozent Schadensanteil) eingesetzt,
außerdem in Indien (11 Prozent). Dank internationaler Abkommen kann
sich die hiesige Kreditwirtschaft inzwischen fast die gesamte
Schadenssumme zurĂŒckholen. Denn fĂŒr SchĂ€den aus betrĂŒgerischen
GeschĂ€ften mit geklauten Kartendaten mĂŒssen jeweils die LĂ€nder mit
den niedrigsten Sicherheitsstandards aufkommen.

Kein finanzieller Nachteil?

Verbraucher in Deutschland, die Opfer von Skimming geworden sind,
mĂŒssen normalerweise keinen finanziellen Nachteil fĂŒrchten. In der
Regel ersetzen Geldinstitute solche SchÀden - vorausgesetzt, die
Kunden sind sorgfÀltig mit ihrer Bankkarte und PIN umgegangen.

WĂ€hrend der Datenklau an Geldautomaten rĂŒcklĂ€ufig ist, haben
Automatensprengungen Hochkonjunktur: Im Jahr 2020 stieg die Zahl
solcher Angriffe auf Geldautomaten in Deutschland zum Vorjahr um fast
ein FĂŒnftel von 349 auf 414. Dies war nach Angaben des
Bundeskriminalamts (BKA) der höchste Wert seit Beginn der
statistischen Erfassung im Jahr 2005. In den meisten FĂ€llen (256)
blieb es demnach aber beim Versuch. Insgesamt erbeuteten die TĂ€ter
nach BKA-Angaben 17,1 Millionen Euro. Zudem richteten sie mit ihrer
rabiaten Methode der illegalen Geldbeschaffung zudem Sachschaden im
mittleren zweistelligen Millionenbereich an.

In die Millionen gehen auch die SchÀden durch Diebstahl oder Verlust
von Zahlungskarten. Hierbei registrierte Euro Kartensysteme von
Januar bis einschließlich November des laufenden Jahres eine
Steigerung auf 12 505 FĂ€lle (Vorjahreszeitraum: 9682). Der
Bruttoschaden durch Verlust und Diebstahl von Karten stieg von rund
14,2 Millionen Euro auf gut 16,4 Millionen Euro. Viele Verbraucher
machen es Kriminellen leicht, weil sie trotz aller Warnungen Karte
und PIN zusammen im Geldbeutel aufbewahren.

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