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Was Habecks "bittere Nachricht" f├╝r Bauherren bedeutet

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 27.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Robert Habeck: Der Klimaminister k├╝ndigte ├╝berraschend einen KfW-F├Ârderstopp f├╝r energetische Sanierungen an.
Robert Habeck: Der Klimaminister k├╝ndigte ├╝berraschend einen KfW-F├Ârderstopp f├╝r energetische Sanierungen an. (Quelle: John Macdougall/Reuters-bilder)
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Von jetzt auf gleich hat Wirtschaftsminister Habeck die

Das Wichtigste im ├ťberblick


  • Welche F├Ârderungen betrifft der Stopp?
  • Warum hat Habeck die F├Ârderung gestoppt?
  • Platzt jetzt f├╝r Tausende der Traum vom Eigenheim?
  • Wird der Hausbau jetzt gar nicht mehr gef├Ârdert?
  • Was sollten Verbraucher tun, die ein Haus bauen oder sanieren wollten?

Es war eine Nachricht, die private Bauherren und die Immobilienwirtschaft in Aufregung versetzte: Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Gr├╝ne) k├╝ndigte am Montag ├╝berraschend an, die KfW-F├Ârderung energieeffizienter Geb├Ąude zu stoppen.

Experten bef├╝rchten nun, dass Zehntausende H├Ąuser nicht gebaut oder saniert werden k├Ânnen, weil sich die Eigent├╝mer auf die F├Ârderung durch den Staat verlassen hatten und ihnen jetzt das Geld fehlt.

Der F├Ârderstopp ist inzwischen so brisant, dass sich auch die Bauminister der L├Ąnder in einer Konferenz damit befassen wollen. t-online erkl├Ąrt, was hinter dem Ende der F├Ârderung steckt und was es f├╝r Sie als Immobilienbesitzer bedeutet.

Welche F├Ârderungen betrifft der Stopp?

Habeck hat die Bundesf├Ârderung f├╝r effiziente Geb├Ąude (BEG) der staatlichen F├Ârderbank KfW angepasst, sodass bestimmte Programme nicht mehr weiterlaufen ÔÇô zumindest vorerst. Mit dem Stopp k├Ânnen ab sofort keine neuen Antr├Ąge f├╝r BEG-Mittel mehr gestellt werden. Auch die Bewilligung von bereits gestellten Antr├Ągen wurde ausgesetzt.

Dies gilt f├╝r das sogenannte Effizienzhaus (EH) 55 im Neubau, das EH 40 im Neubau, das EH 40 plus sowie die energetische Sanierung. Je niedriger die jeweilige Zahl ist, desto energieeffizienter sind die Neubauten.

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Der KfW-Standard 55 meint etwa, dass ein Neubau nur 55 Prozent des Energiebedarfs hat wie ein vergleichbarer Neubau, der den Mindestanforderungen entspricht, also den Energiestandard 100 aufweist. Erreicht wird der Energiestandard beispielsweise durch zwei- oder dreifach verglaste Fenster, moderne ├ľl- oder Gaskessel oder eine Fassadend├Ąmmung.

Das Programm EH 50 w├Ąre ohnehin Ende Januar ausgelaufen, diese H├Ąuser seien inzwischen Standard beim Bau, so Habeck. Die ebenfalls betroffene F├Ârderung f├╝r die Kategorien EH 40 und EH 40 plus jedoch w├Ąren theoretisch noch weitergelaufen. G├Ąnzlich ausgenommen vom Stopp sind einmalige F├Ârderungen, etwa einer neuen Heizung.

Warum hat Habeck die F├Ârderung gestoppt?

Weil das Geld gefehlt hat. Allein die eingereichten und noch nicht bewilligten Antr├Ąge h├Ątten die verbliebenen Mittel um Milliardenbetr├Ąge ├╝berschritten, so Habeck.

Der Minister macht hier vor allem seinen Vorg├Ąnger Peter Altmaier (CDU) verantwortlich. Anfang November hatte das Wirtschaftsministerium angek├╝ndigt, dass die Neubauf├Ârderung des Effizienzhauses 55 Ende Januar 2022 auslaufe. Dies habe zu einem beispiellosen Antragsboom bei der KfW gef├╝hrt, so Habeck.

Insgesamt sei das F├Ârderprogramm mit 7,2 Milliarden Euro ├╝berzeichnet gewesen, das hei├čt: Diese Summe h├Ątte der Bund nachschie├čen m├╝ssen, um alle bislang gestellten Antr├Ąge zu bewilligen und auszuzahlen. Und das sind eine ganze Menge: Betroffen seien 24.000 Antr├Ąge, davon 22.000 von privaten Haushalten. Habeck sprach in dem Zusammenhang von "ungedeckten Haushaltsversprechen".

Robert Habeck r├Ąumte ein, der pl├Âtzliche F├Ârderstopp sei eine wirklich bittere Nachricht f├╝r die Antragsteller gewesen.
Robert Habeck r├Ąumte ein, der pl├Âtzliche F├Ârderstopp sei eine wirklich bittere Nachricht f├╝r die Antragsteller gewesen. (Quelle: Michele Tantussi/Reuters-bilder)

Als sicher gilt: Ohne den F├Ârderstopp w├Ąre die Summe weiter gestiegen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) habe es abgelehnt, weitere Haushaltsmittel freizugeben. Das sei wirtschaftlich richtig gewesen.

Dass der Fehler "abrupt brutal" korrigiert worden sei, sei "eine wirklich bittere Nachricht" und solle sich nicht wiederholen, sagte Habeck unl├Ąngst im Bundestag. Er k├╝ndigte Nachbesserung an (siehe unten).

Platzt jetzt f├╝r Tausende der Traum vom Eigenheim?

Das ist gut m├Âglich. Denn viele H├Ąuslebauer d├╝rften das Geld aus dem F├Ârderprogramm der KfW fest in die Finanzierung ihres Hausbaus eingeplant haben. Die KfW-F├Ârderung sah ein zinsg├╝nstiges Darlehen sowie einen Tilgungszuschuss vor. Das hei├čt: Ein Teil des Darlehens wurde dem Kreditnehmer erlassen.

Wie hoch der Tilgungszuschuss ist, h├Ąngt vom Energiestandard ab. Bei Neubauten nach Standard 55 liegt er bei maximal 15 Prozent der H├Âchstkreditsumme von 120.000 Euro, also bei 18.000 Euro. Bei anderen F├Ârderprogrammen ist er noch h├Âher: Beim Effizienzhaus 40 plus liegt der Tilgungszuschuss etwa bei maximal 37.500 Euro. Es geht also um ordentliche Summen, die nun wegfallen (siehe unten).

Moderne Mehrfamilienh├Ąuser in Baden-W├╝rttemberg (Symbolbild): Wegen des F├Ârderstopps k├Ânnten Zehntausende H├Ąuser nicht gebaut werden, so die Bef├╝rchtung der Immobilienwirtschaft.
Moderne Mehrfamilienh├Ąuser in Baden-W├╝rttemberg (Symbolbild): Wegen des F├Ârderstopps k├Ânnten Zehntausende H├Ąuser nicht gebaut werden, so die Bef├╝rchtung der Immobilienwirtschaft. (Quelle: imagebroker/imago-images-bilder)

Aktuell pr├╝fen Habeck und die KfW deshalb ein Darlehensprogramm f├╝r all jene, deren Antr├Ąge nicht bewilligt wurden. Damit solle "auf etwaige H├Ąrtef├Ąlle bei privaten Bauherren reagiert werden". Wann das allerdings steht, ist noch unklar.

"Der F├Ârderstopp kann ein ordentliches Loch in die Finanzplanung rei├čen", sagt Martin Brandis, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzbv). "Ich hoffe, dass Bauherren in den n├Ąchsten Wochen Bescheid bekommen, wie es f├╝r sie weitergeht."

Verband: 80.000 Wohnungen k├Ânnen nicht gebaut werden

Neben privaten Bauherren k├Ânnte der F├Ârderstopp vor allem Auswirkungen auf Immobilienunternehmen haben, die Wohnungen errichten. Laut dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW betrifft das vor allem den sozialen Wohnungsbau.

"Wir gehen davon aus, dass bundesweit bei unseren Mitgliedern rund 80.000 Wohnungen, vorwiegend Sozialwohnungen, die bereits konkret geplant waren, nun erst einmal nicht gebaut werden", sagte GdW-Hauptgesch├Ąftsf├╝hrerin Ingeborg Esser der Zeitung "Die Welt"

"Die Alternative ist, dass neue Wohnungen k├╝nftig nach einem deutlich schlechteren Energiestandard gebaut werden. Das bringt allerdings die Klimaziele in Gefahr und kann nicht im Interesse der Regierung sein", so Esser weiter. Ohne F├Ârderung m├╝sse sich die Politik "zwischen geringeren Mieten und mehr Klimaschutz entscheiden".

Nach Berechnungen der GdW-Mitgliedsunternehmen m├╝ssten ohne F├Ârderung die Kaltmieten bei Sozialwohnungen um 1,50 Euro pro Quadratmeter steigen, um den gleichen Energiestandard zu halten.

Wird der Hausbau jetzt gar nicht mehr gef├Ârdert?

Doch, vermutlich schon. Das Effizienzhaus-55-Programm wird zwar nicht mehr fortgesetzt, die strengeren Programme wahrscheinlich schon. Bei den EH-40-Neubauten soll es rasch eine Neuaufstellung geben.

Gemeinsam mit dem Bauministerium von Klara Geywitz (SPD) und dem Finanzministerium von Christian Lindner (FDP) werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet, "eine klimapolitisch ambitionierte, ganzheitlich orientierte F├Ârderung f├╝r neue Geb├Ąude, wie sie auch im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, aufzusetzen", erkl├Ąrte Habecks Ministerium. Allerdings ist noch unklar, wie das genau aussehen wird.

Die KfW-F├Ârderung f├╝r energetische Sanierungen soll demnach wieder aufgenommen werden, "sobald entsprechende Haushaltsmittel bereitgestellt sind". Zun├Ąchst will Habeck zudem ein Darlehensprogramm pr├╝fen lassen, f├╝r alle, die bereits einen Antrag gestellt haben (siehe oben).

Was sollten Verbraucher tun, die ein Haus bauen oder sanieren wollten?

Verbraucher sollten zun├Ąchst Ruhe bewahren, sagt Vzbv-Experte Martin Brandis ÔÇô auch wenn die Nachricht vom F├Ârderstopp sicherlich viele Bauherren "kalt erwischt" h├Ątte.

"Immobilienbesitzer m├╝ssen nun ihre Kalkulation ├╝berpr├╝fen", sagt er. Ob und wie ein Haus dann gebaut werde, h├Ąnge vom Einzelfall ab. "Gut m├Âglich, dass ein Neubau jetzt keine erh├Âhten Energiestandards mehr erf├╝llt, was kosteng├╝nstiger w├Ąre. F├╝r den Klimaschutz sind das aber keine guten Nachrichten", so Brandis.

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Martin Brandis, Energieberatung der Verbraucherzentrale.
Martin Brandis, Energieberatung der Verbraucherzentrale. (Quelle: Vzbv)

Auf Landesf├Ârderprogramm umsteigen als Alternative?

"Wenden Sie sich am besten an die Energieberatung der Verbraucherzentrale. Diese k├Ânnen Ihnen eine erste Orientierung geben." Allerdings: "Ich gehe von l├Ąngeren Wartezeiten aus, auf die sich Bauherrn einstellen m├╝ssen."

Wom├Âglich gebe es auch die Variante, auf ein Landesf├Ârderprogramm zu wechseln. "Einzelne Bundesl├Ąnder wie Nordrhein-Westfalen haben F├Ârderprogramme f├╝r energetische Ma├čnahmen. Das sollten Sie pr├╝fen."

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Und Menschen, die planen, einen Bestandsbau zu sanieren, k├Ânnten ├╝berlegen, eine Einzelma├čnahme f├Ârdern zu lassen, so Brandis, also beispielsweise eine Dachd├Ąmmung. Das k├Ânnte durchaus Sinn ergeben. "Doch auch das h├Ąngt vom Einzelfall ab", sagt er.

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Von Christine Holthoff
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