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Schulden machen schamhaft

spiegel-online, Spiegel Online

Aktualisiert am 29.12.2011Lesedauer: 4 Min.
Tabuthema Insolvenz: Vielen wachsen die Schulden ├╝ber den Kopf
Tabuthema Insolvenz: Vielen wachsen die Schulden ├╝ber den Kopf (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Geld weg, Konto leer, Ruf ruiniert: Der Schritt in die Insolvenz ist oft der letzte Ausweg eines ├ťberschuldeten. In der Selbsthilfegruppe "Anonyme Insolvenzler" tauschen sich Betroffene diskret ├╝ber ihr Schicksal aus - denn der finanzielle Ruin bedroht viele auch mit dem gesellschaftlichen Aus.

Der Bankautomat rattert und wirft Scheine aus. Eigentlich nichts Besonderes. Doch Anna W. kann kaum glauben, dass sie wieder Geld hat. Bis vor kurzem hatte die Rentnerin ├╝berhaupt kein Konto, musste sogar eine Woche lang von 20 Euro leben. Und stand pl├Âtzlich ohne Wohnung auf der Stra├če - zwei Wochen vor Weihnachten. "Es war die H├Âlle", sagt die Frau heute.

Zahl der Privatinsolvenzen auf Rekordniveau

Anna W. war pleite - wie rund 140.000 andere Menschen in Deutschland. Seit der Wirtschaftskrise ist die Zahl der Privatinsolvenzen auf Rekordniveau. Die Hamburger Wirtschaftsauskunft B├╝rgel prognostiziert, dass die Zahlen auch 2011 trotz sinkender Arbeitslosenzahlen ├Ąhnlich hoch bleiben werden. "Neu ist aber, dass zunehmend ├Ąltere Bundesb├╝rger in finanzielle Bedr├Ąngnis geraten", hei├čt es in dem Bericht - passend zur Debatte um Altersarmut und niedrige Renten. Die h├Ąufigsten Gr├╝nde f├╝r die Schulden: Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, gescheiterte Selbst├Ąndigkeit, Trennung vom Partner.

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Anna W. ist raus aus den Schulden und will ihre Erfahrungen teilen - bei den "Anonymen Insolvenzlern", einer Selbsthilfegruppe f├╝r zahlungsunf├Ąhige Menschen. Mit dem, was im Privatfernsehen bei Sendungen wie "Raus aus den Schulden" gezeigt wird, hat das nichts zu tun: Rund um einen n├╝chternen Konferenztisch, in einem gro├čen B├╝rokomplex im Hamburger Norden, sitzen die Privatinsolvenzler - rund 15 M├Ąnner und Frauen jeden Alters. Keiner muss seinen Namen nennen oder wird vorgef├╝hrt wie im TV, Verschwiegenheit ist garantiert - nur so l├Ąsst sich offen sprechen. Alle verbindet das Schicksal, von der Gesellschaft aufs Abstellgleis gedr├╝ckt zu werden.

Selbsthilfegruppe "Anonyme Insolvenzler" gegr├╝ndet

2007 gr├╝ndete Attila von Unruh den ersten Gespr├Ąchskreis in K├Âln. Das Format ist einmalig und gefragt, mittlerweile gibt es zehn Selbsthilfegruppen der "Anonymen Insolvenzler" in Deutschland und ├ľsterreich. Gr├╝nder Unruh war selbst Betroffener: Ein Teilhaber seiner Eventmarketing-Agentur ging pleite, und Unruh musste finanziell daf├╝r mit seinem Privatverm├Âgen geradestehen. "Viele Betroffene f├╝hlen sich schuldig und ziehen sich zur├╝ck", sagt Unruh. "Da versuchen wir einzugreifen". Das Gef├╝hl, versagt zu haben, begleitet die Mittellosen.

Scheitern ist eines der letzten gro├čen Tabus in Deutschland. Um der Kritik ihrer Mitmenschen auszuweichen, bauen sich viele der Insolvenzler ein Doppelleben auf. Sie erfinden Ausreden, um nicht zugeben zu m├╝ssen, dass sie kein Geld f├╝rs Kino oder Restaurant haben.

"Wir sind doch keine Verbrecher"

Doch auf Dauer klappt die Taktik nicht: In der Anonymit├Ąt der Gruppe erz├Ąhlen die Betroffenen von der Einsamkeit. Davon, wie es ist, Freunde zu verlieren. "Wir sind doch keine Verbrecher, werden aber so behandelt", sagt eine Teilnehmerin.

Denn viele Mitglieder der Selbsthilfegruppe sind indirekt in die Insolvenz geraten - durch windige Gesch├Ąftspartner, Krankheit oder schlechte Zahlungsmoral von Kunden. Die meisten von ihnen waren selbstst├Ąndig, hatten ein gut laufendes Gesch├Ąft, bis dann pl├Âtzlich etwas schief lief. Mit den Protagonisten aus dem Privatfernsehen, die mit ihrem Geld nicht umgehen k├Ânnen, haben sie nichts zu tun.

Entschuldung im Ausland

Sechs Jahre dauert die Entschuldungsphase in Deutschland. Eine lange Zeit, in der die Insolvenzler besonders sparsam leben und so viele Schulden wie m├Âglich abstottern m├╝ssen - die sogenannte Wohlverhaltensperiode. Gelingt es ihnen, folgt die Restschuldbefreiung. Danach kommen noch mal drei Jahre mit negativem Schufa-Eintrag. Das macht es den Betroffenen schwer, wieder durchzustarten. Attila von Unruh kritisiert die lange Wohlverhaltensperiode: "Dadurch geht der Wirtschaft ein riesiges Potential verloren."

Unruh setzt sich f├╝r eine Halbierung der Laufzeit von sechs auf drei Jahre ein, die auch von der Bundesregierung diskutiert wird. "So k├Ąmen die Leute schneller wieder zur├╝ck in die Wirtschaft und damit ins soziale Leben." Davon h├Ąlt der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen wenig: "Das k├Ânnte die Leute dazu animieren, mehr Schulden zu machen", sagt Verbandssprecher Marco Weber. Denn es sei meist so, dass in der letzten H├Ąlfte der sechs Jahre der Gro├čteil der Schulden zur├╝ckgezahlt werde. Halbiere sich die Zeit, m├╝ssten die Gl├Ąubiger noch mehr Forderungen abschreiben.

Bessere Bedingungen auf der Insel

Dass es auch andere M├Âglichkeit gibt, wieder solvent zu werden, wei├č Karl-Heinz H. dank der Selbsthilfegruppe: Der ├╝berschuldete Rentner will im kommenden Jahr von Hamburg nach England umziehen. Nach EU-Recht kann ein Deutscher auch dort ein Insolvenzverfahren beginnen. Denn dort ist man schon nach rund einem Jahr raus aus den Schulden. Voraussetzung: Der Wohnsitz befindet sich in dem entsprechenden Land, und man hat dort einen festen Job.

Im Internet werden in zahlreichen Foren die Vor- und Nachteile von Auslands-Entschuldungen diskutiert. Dort gibt es aber genauso wenig Fachberatung wie in der Selbsthilfegruppe. Neben England sind auch Frankreich und Belgien beliebte L├Ąnder, um die Insolvenz zu durchlaufen.

Doch der "Insolvenz-Tourismus" ├Ąrgert die ausl├Ąndischen Gerichte. Gleichzeitig bereichern sich einige deutsche Anw├Ąlte mit dubiosen Angeboten an den Entschuldungswilligen. Und auch der Inkasso-Unternehmen-Sprecher Marco Weber findet es nicht gerecht, wenn Menschen Schulden im eigenen Land machen und sich dann im Ausland verh├Ąltnism├Ą├čig schnell davon entledigen. Doch Attila von Unruh h├Ąlt diese M├Âglichkeit f├╝r eine legitime Alternative.

Materielles gewinnt neuen Wert

Die Insolvenz machte aus ihnen andere Menschen, da sind sich die "Anonymen Insolvenzler" sicher. Sie fanden heraus, wer ihre wahren Freunde sind, und lernten, auch kleine Dinge zu sch├Ątzen. F├╝r Anna W. war es schon ein "Luxusanfall", als sie sich 200 Gramm Krabben und einen Piccolo g├Ânnte - Belohnung f├╝r die ├╝berstandene Insolvenz.

Noch heute scheut sie den Gang zum Briefkasten. Nur mit Herzklopfen schafft sie es dorthin, wo lange Zeit nur Mahnungen und Forderungen auf sie warteten. "Jetzt kann doch nix mehr kommen", beruhigt sie ein Teilnehmer der Selbsthilfegruppe. "Ja, eigentlich schon", sagt Anna W. und blickt zu Boden.

ratgeber.t-online.de: Privatinsolvenz: Worauf Sie achten sollten

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