Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Unternehmen >

Telekom in Frankreich: Ex-Managern droht Haft

In den Suizid gemobbt  

Ex-Telekom-Managern in Frankreich droht Haft

19.12.2019, 17:03 Uhr | AFP

Telekom in Frankreich: Ex-Managern droht Haft . Demonstranten vorm Pariser Kriminalgericht während des Prozesses gegen Didier Lombard: Insgesamt sollen 39 Mitarbeiter bedrängt worden sein. (Quelle: imago images/Le Pictorium)

Demonstranten vorm Pariser Kriminalgericht während des Prozesses gegen Didier Lombard: Insgesamt sollen 39 Mitarbeiter bedrängt worden sein. (Quelle: Le Pictorium/imago images)

Von 2008 bis 2009 musste die französische Telekom Stellen abbauen. Für dieses Ziel soll ein Ex-Manager seine Angestellten in den Suizid getrieben haben. Ein Gericht entscheidet über seine Schuld.

Zehn Jahre nach einer beispiellosen Suizid-Serie bei der französischen Telekom müssen mehrere ehemalige Manager mit Haftstrafen rechnen. Das Urteil des Pariser Strafgerichts im Mobbing-Prozess gegen den früheren France-Télécom-Chef Didier Lombard sowie sechs weitere Manager wird am Freitag verkündet. Die Staatsanwaltschaft hat ein Jahr Haft für Lombard und zwei weitere Verantwortliche gefordert, vier andere sollen für acht Monate ins Gefängnis. Dem Konzern droht zudem eine Geldbuße von 75.000 Euro.

Durch "organisiertes Mobbing" sollen Lombard und die anderen Manager bei dem Umbau des Unternehmens nach der Privatisierung so viel Druck gemacht haben, dass sich eine Reihe von Mitarbeitern das Leben nahm. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück.

Stellenabbau durch Psychoterror

Die Manager sollen in den Jahren 2008 und 2009 bei France Télécom eine Atmosphäre geschaffen haben, die viele Mitarbeiter in die Verzweiflung trieb. Gewerkschaften sprachen von einer "außergewöhnlichen Brutalität" in dem Unternehmen, das heute Orange heißt.

Unter Leitung von Unternehmenschef Lombard sowie seines Stellvertreters Louis-Pierre Wenes mussten damals 22.000 der rund 120.000 Mitarbeiter gehen. Lombard sagte laut Zeugen vor Managern, er werde den Stellenabbau durchziehen, "ob durch das Fenster oder durch die Tür".

Bei dem Prozess geht es um insgesamt 39 bedrängte Mitarbeiter. In 19 Fällen gehen die Richter von einem Suizid aus, zwölf weitere versuchten, sich das Leben zu nehmen, die restlichen waren wegen Depressionen zum Teil arbeitsunfähig.

Arbeitsbedingungen mit Absicht verschlechtert

"Ich fühlte mich wie ein Parasit", sagte ein Telekom-Mitarbeiter in dem Prozess aus. Er wurde an einen Arbeitsplatz 450 Kilometer von seiner Familie versetzt. Als Zivilklägerin trat eine Frau auf, deren Vater sich 2011 vor einem Telekom-Laden in Mérignac in Westfrankreich selbst angezündet hatte. "Mit dem Tod meines Vaters haben sie ihr Firmenziel erreicht", sagte sie in Richtung der Angeklagten.

Die Staatsanwältin Françoise Benezech sagte in ihrem Plädoyer, die früheren Manager seien geradezu "besessen" vom Ziel des Stellenabbaus gewesen. Sie hätten die "Arbeitsbedingungen gezielt verschlechtert", um die Menschen zur Kündigung zu treiben.

Die Gewerkschaften bei der Telekom wollen ein "Modellurteil" erreichen. Sie waren im Namen der Beschäftigten vor Gericht gezogen. "Wir hoffen auf Gefängnisstrafen", sagt Patrick Ackermann von der Gewerkschaft SUD-PTT.

Stellenabbau hat französische Telekom gerettet 

Die Verteidigung plädierte hingegen dafür, "kein Exempel" in dem Prozess zu statuieren. "Bei einem Drama sucht man einen Verantwortlichen", sagte die Anwältin von Ex-Telekomchef Lombard. "Das ist Rache, nicht Gerechtigkeit."

Lombard selbst rechtfertigte sein Handeln mit ökonomischen Zwängen und dem Konkurrenzdruck in der Branche. Ohne den Stellenabbauplan "würde es die französische Telekom heute nicht mehr geben", betonte er vor Gericht.

Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Unternehmen

shopping-portal