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Börse reagiert positiv auf EU-Gipfel – Ökonomen sind uneins


750-Milliarden-Fonds beschlossen  

Börse reagiert positiv auf EU-Gipfel – Ökonomen sind uneins

21.07.2020, 12:21 Uhr | fls, dpa, rtr, t-online

Börse reagiert positiv auf EU-Gipfel – Ökonomen sind uneins. Ein Händler an der Frankfurter Börse (Archivbild): Der Dax ist am Dienstagvormittag gestiegen. (Quelle: imago images/Sepp Spiegl)

Ein Händler an der Frankfurter Börse (Archivbild): Der Dax ist am Dienstagvormittag gestiegen. (Quelle: Sepp Spiegl/imago images)

Erstmals seit Februar hat der Dax die Marke von 13.300 Punkten geknackt. Auslöser für diese Entwicklung sind auch die in Brüssel beschlossenen 750 Milliarden Euro, mit denen sich die EU gegen die Corona-Krise stemmt.

Die Einigung der EU-Staats- und Regierungschefs über den Corona-Wiederaufbaufonds treibt die Kurse an der Börse hoch. Nicht zuletzt durch den Optimismus, den Anleger aus dem beschlossenen Paket ziehen, hat der deutsche Leitindex Dax seinen Corona-Einbruch inzwischen fast vollständig überwunden. Deutschlands führende Wirtschaftsexperten sind derweil geteilter Meinung über das größte Haushalts- und Finanzpaket in der Geschichte der EU.

Der Dax übersprang am Dienstag erstmals seit Februar wieder die Marke von 13.300 Punkten. Bis zur Mittagszeit stieg das Börsenbarometer um 2,03 Prozent auf 13.311,28 Punkte.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax legte um 1,35 Prozent auf 27.485,01 Zähler zu. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 rückte zugleich um 1,7 Prozent vor.

Volkswirte bewerten die Beschlüsse unterschiedlich

Bei den Ökonomen stieß das EU-Paket auf ein geteiltes Echo. Zwar loben die meisten, dass die EU mit dem Beschluss des Pakets bewiesen hat, auch in der Krise handlungsfähig zu sein.

Die Folgen jedoch, eine de-facto-Vergemeinschaftung von Staatsschulden beurteilen sie unterschiedlich. t-online.de dokumentiert die wichtigsten Stimmen im Wortlaut:

Gabriel Felbermayr ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. (Quelle: imago images/Phototek)Gabriel Felbermayr ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. (Quelle: Phototek/imago images)

  • Gabriel Felbermayr, Präsident Institut für Weltwitschaft (IfW):

"Es handelt sich um einen historischen Paradigmenwechsel. Es geht ganz klar in Richtung Fiskalkompetenz der EU. Eine Stabilisierung der Konjunktur geht von dem Programm nicht aus. Dafür kommen die Auszahlungen zu spät. Die Tilgung der Schulden wird das EU-Budget über Jahrzehnte belasten. Der Druck wird steigen, der EU neue Finanzierungsquellen zu erschließen. Für die Nettozahler, besonders für Deutschland, wird die EU-Mitgliedschaft teurer."

  • Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW):

"Die Ergebnisse und Beschlüsse zu einem europäischen Wiederaufbaufonds sind ein größerer Erfolg, als es zunächst scheint. Es handelt sich nicht bloß um Transfers und Kredite, die die von der Corona-Pandemie gerissenen wirtschaftlichen Löcher stopfen sollen. Das Programm könnte der Grundstein sein für eine europäische Fiskalunion. Auch wenn hierzulande viele erst einmal jammern werden, ist der getroffene Kompromiss ein großer Gewinn, gerade auch für Deutschland."

Clemens Fuest ist Präsident des Münchner Ifo-Instituts. (Quelle: imago images/Sven Simon)Clemens Fuest ist Präsident des Münchner Ifo-Instituts. (Quelle: Sven Simon/imago images)

  • Clemens Fuest, Präsident der Münchner Ifo-Institut:

"Mit der Einigung auf einen Fonds für die wirtschaftliche Erholung hat die EU ein wichtiges Zeichen der Solidarität, der Handlungsfähigkeit und des weit reichenden Wandels gesetzt. Die EU zeigt damit, dass sie sich tiefgreifend verändert. Sie gibt gleichzeitig einen Vertrauensvorschuss an die Empfängerländer. Die wirtschaftliche Erholung wird jedoch nur funktionieren, wenn die betroffenen Länder selbst erhebliche Reformanstrengungen unternehmen."

  • Friedrich Heinemann, Ökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung:

"Europa kann den 'Sparsamen Vier' dankbar für viele wichtige Detailkorrekturen sein. So werden dem Rat mehr Rechte für die Überwachung der Mittelverwendung eingeräumt. Auch fließt das Geld schneller als ursprünglich vorgesehen. Trotz all dieser Fortschritte sollte man sich keinen Illusionen hingeben.

Das Problem fehlender Wettbewerbsfähigkeit und geringer Wachstumsperspektive in Ländern wie Italien kann nicht mit Transfers und Krediten aus Brüssel gelöst werden. Hier helfen nur umfassende Reformen der Arbeitsmärkte, der öffentlichen Verwaltung und des Bildungs- und Innovationssystems. Eine große Gefahr ist, dass der kurzfristige EU-Geldsegen nun den Reformstau sogar verlängert."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters, dpa
  • DIW-Pressemitteilung

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