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So viele Milliarden horten die Deutschen

Von dpa
Aktualisiert am 28.03.2021Lesedauer: 3 Min.
MĂŒnzen und Scheine (Symbolbild): Wegen Corona geben viele Menschen deutlich weniger Geld aus.
MĂŒnzen und Scheine (Symbolbild): Wegen Corona geben viele Menschen deutlich weniger Geld aus. (Quelle: Kirchner-Media/imago-images-bilder)
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Die aktuelle Wirtschaftskrise hat seltsame Folgen: Die BĂŒrger horten Rekordsummen auf ihren Bankkonten. Doch einen Konsumboom erwartet niemand – auch wenn die Pandemie abklingt.

Deutschlands BĂŒrger haben in der Corona-Krise Unsummen an Geld gehortet. Doch weder Ökonomen noch die Finanzszene rechnen mit einem baldigen Konsumboom.


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Nach Zahlen der Bundesbank sind die Bankeinlagen der privaten Haushalte von Januar 2020 bis Januar 2021 um 182 Milliarden auf 1,73 Billionen Euro gestiegen, wie der im MĂ€rz-Monatsbericht enthaltenen Statistik zu entnehmen ist. Das MĂŒnchner Ifo-Institut schĂ€tzt die "Überschussersparnis" 2020 in seiner jĂŒngsten Konjunkturprognose auf 100 Milliarden Euro – und geht davon aus, dass diese Summe im ersten Quartal noch einmal steigt.

Mehr Geld lagert auf dem Konto

Die Corona-Wirtschaftskrise hat auf den ersten Blick die paradoxe Folge, dass viele BĂŒrger erheblich mehr Geld auf dem Konto haben als vor einem Jahr. Und ein Ende der KonsumzurĂŒckhaltung ist kurzfristig nicht in Sicht.

"Ich meine, dass wir auf Sicht bis Jahresmitte eine Ă€hnliche Situation haben werden wie im ganzen vergangenen Jahr", sagt JĂŒrgen Groß, PrĂ€sident des bayerischen Genossenschaftsverbands GVB, dem Dachverband der Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat. "Die Einlagen werden weiter wachsen, das zeigt sich schon in den ersten acht Wochen des neuen Jahres."

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Auf der Kreditseite zeigt sich das entsprechende Bild: "Die Verbraucherkredite waren rĂŒcklĂ€ufig, und die KontenĂŒberziehung ist sehr stark zurĂŒckgegangen", sagt Groß. "Dispokredite wurden kaum in Anspruch genommen." Nach dem Eindruck des GVB-Chefs wird das anhalten, "weil die Verunsicherung bei den Menschen extrem groß ist".

Woher kommt der Spareifer?

In Teilen sei der Spareifer unfreiwillig, sagen Bundesbank und Ökonomen ebenso wie Praktiker aus der Finanzbranche. "Die Kunden hatten deutlich weniger Möglichkeiten zum Konsumieren", sagt Christian Nau, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Kreditbereichs beim Online-Portal Check24. "Urlaubsreisen waren kaum möglich, auch grĂ¶ĂŸere Anschaffungen gar nicht so einfach."

Ein zweiter Grund: "Die Banken sind bei der Kreditvergabe an weniger bonitÀtsstarke Kunden vorsichtiger geworden", sagt Nau. "Manche haben Kredite nicht mehr bekommen, die sie vor der Krise noch bekommen hÀtten." Und als dritten Grund nennt auch Nau die verbreitete Verunsicherung.

Irgendwann werden die BĂŒrger beginnen, wieder mehr auszugeben – aber wann und wie viel? Alle befragten Fachleute rechnen damit, dass der Konsum wieder anzieht, wenn die Krise abklingt. "Allerdings nicht schlagartig mit einem Big Bang, genauso wenig, wie die Krise mit einem Big Bang vorĂŒbergehen wird", prophezeit Check24-Kreditmanager Nau.

"Das steht und fĂ€llt mit der Entwicklung der Infektionszahlen und den damit einhergehenden Lockerungen", meint Konsumforscher Rolf BĂŒrkl von der NĂŒrnberger GfK. "Es ist ein gewisser Nachholbedarf aufgelaufen, gerade wenn ich an Urlaub denke."

Urlaub wird wahrscheinlich teurer werden

Doch in manchen Bereichen lĂ€sst sich einmal Ausgefallenes oder Gestrichenes gar nicht aufholen: "Ich gehe nicht alle zwei Wochen zum Friseur, weil ich davor ein halbes Jahr gar nicht gehen konnte", nennt BĂŒrkl ein Beispiel. "Beim Urlaub ist durchaus möglich, dass die einen oder anderen vielleicht einmal mehr in den Urlaub fahren oder sich einen aufwendigeren Urlaub leisten, weil sie die finanziellen Mittel haben und sich etwas gönnen wollen."

Der Urlaub allerdings wird mutmaßlich teurer werden, wie nicht nur BĂŒrkl voraussagt. Die schwer getroffene Tourismusindustrie wird mit großer Wahrscheinlichkeit versuchen, einen Teil ihrer immensen Umsatzverluste durch Preiserhöhungen hereinzuholen.

"Nach der langen Pandemie wollen die Menschen bestimmt wieder gerne verreisen und mal was anderes sehen", sagt der Ökonom Markus Demary vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

"Hier ist die Zahlungsbereitschaft vermutlich stark gestiegen, da nach einer Pandemie viele keinen Urlaub zu Hause machen wollen, so dass die Kunden auch bei gestiegenen Preisen noch verreisen wollen." Selbst bei höheren Preisen werde hier die Nachfrage vermutlich steigen, sagt der Fachmann fĂŒr Geldpolitik und FinanzmĂ€rkte, der höhere Preise unter anderem noch fĂŒr Friseurbesuche und Konzertkarten erwartet.

"Vertrauen kann auch eine BĂŒrde sein"

Ersehnt wird ein Ende der Pandemie jedenfalls nicht nur von Hoteliers oder Kinobesitzern, sondern auch von den Banken, fĂŒr die die vielen zusĂ€tzlichen Milliarden auf den Konten ihrer Kundschaft eine unwillkommene Last sind.

"Vertrauen kann auch eine BĂŒrde sein", klagte kĂŒrzlich Ulrich Reuter, PrĂ€sident des bayerischen Sparkassenverbands, ĂŒber den Kundenzuspruch. Denn die Banken mĂŒssen die Gelder ihrerseits anlegen, was wegen der anhaltenden Negativzinsen sehr teuer ist.

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FĂŒr die nĂ€here Zukunft gilt in Sachen Konsum, was fĂŒr die Pandemie insgesamt gilt: VerlĂ€ssliche Vorhersagen sind unmöglich. "Ob es tatsĂ€chlich zu zusĂ€tzlichen Konsumausgaben im nennenswerten Umfang kommt, ist allerdings fraglich", schreibt Ifo-Konjunkturforscher Timo WollmershĂ€user in seiner FrĂŒhjahrsprognose.

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  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff, Nele Behrens
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