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Darum sind Paprika und Frühlingszwiebeln gerade so teuer

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 12.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Paprika: Für ein Kilogramm müssen Kunden zum Teil bis zu 9 Euro zahlen.
Paprika: Für ein Kilogramm müssen Kunden zum Teil bis zu 9 Euro zahlen. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Paprika kostet so viel wie lange nicht mehr.

8,95 Euro für ein Kilogramm Paprika, 1,25 Euro für einen Bund Frühlingszwiebeln: Wer dieser Tage in deutschen Supermärkten unterwegs ist, dürfte in der Obst- und Gemüseabteilung kaum seinen Augen trauen. Der Preis für manches Gemüse ist extrem gestiegen – so stark, dass es selbst jenen auffällt, die die sonst gängigen Euroangaben nicht im Kopf haben.

So kostete etwa eine einzelne große Paprika in einer Berliner Rewe-Filiale zuletzt 3,50 Euro. Im Netz berichten Nutzer von ähnlich hohen Preisen bei anderen Märkten und Discountern – auch bei Lauchzwiebeln: Statt wie um den Jahreswechsel 65 Cent kostete ein Bund zuletzt mehr als 1,20 Euro, also fast doppelt so viel.

Wie kann das sein? Warum sind einzelne Gemüsesorten momentan so teuer? Und wann fallen die Preise wieder?

Corona sorgt für höhere Erntekosten

"Die hohen Preise entstehen durch zwei Effekte. Einer hat kurzfristige Auswirkungen, der andere langfristige", sagt Hans-Christoph Behr, der bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (Ami) die Lieferketten für Obst und Gemüse beobachtet. Der langfristige Effekt kommt ihm zufolge bereits seit Beginn der Corona-Krise zum Tragen und hängt mit dem hohen Personalaufwand bei der Ernte zusammen.

"Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder Tests mit Ernterobotern gab, werden die meisten Früchte weiterhin per Hand geerntet." Sowohl hierzulande als auch in den südeuropäischen Ländern kommen dabei Saisonkräfte aus dem Ausland zum Einsatz, oft aus Osteuropa.

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Diese müssen die Farmbetriebe in Corona-Zeiten anders unterbringen, um die Hygieneauflagen und Abstandsregeln einzuhalten. Bei der Ernte selbst dürfen sie sich dann ebenfalls nicht zu nahe kommen, was zu längeren Erntezeiten und einer geringeren Produktivität führe.

Schlechtes Wetter in Spanien

Hinzu kämen die gestiegenen Transport- und Logistikkosten. Weintrauben, die etwa aus Indien stammen, werden verschifft, so Behr – und die Preise für die Container sind jüngst stark gestiegen. "In der Folge steigen die Gesamtkosten", so der Experte. "Und da besonders die Personalkosten einen sehr großen Anteil ausmachen, bekommen das die Verbraucher nicht nur mit ein paar Cent an der Kasse zu spüren."

Für die aktuell zu beobachtenden Spitzenpreise jedoch sorgen derweil weitere Faktoren. Der wichtigste: das zuletzt schlechte, kalte Wetter in Spanien und Nordafrika. "Wir befinden uns aktuell im Übergang von der spanischen zur mitteleuropäischen Ernte. In den deutschen und niederländischen Gewächshäusern ist die Paprika erst jetzt allmählich erntereif", sagt Behr. Das heißt: Der Großteil der Paprika kommt derzeit noch aus Spanien, oder, wie Rewe auf t-online-Anfrage mitteilte, aus Marokko.

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Dort lagen die Temperaturen im Januar und Februar deutlich unter dem saisonüblichen Durchschnitt, sagt Behr und verweist auf die Bilder vom komplett zugeschneiten Madrid vom Jahresanfang. "Die Gewächshäuser liegen zwar an den Küsten Spaniens, wo es milder ist", so der Experte. "Doch auch dort war es zu kalt. Die Paprika-Pflanze hat quasi Schnupfen bekommen und wuchs langsamer."

Geringes Angebot auf dem Weltmarkt

Die Folge: Die Ernte fiel kleiner aus, das Angebot ist knapper als sonst, die Preise steigen. In den offiziellen Zahlen der Ami, die die Durchschnittspreise für den Endverbraucher beobachtet und dokumentiert, sieht das im Falle des Kilopreises für rote Paprika so aus:

Seit Jahresbeginn ist der Preis laut Ami demnach von durchschnittlich 2,56 Euro je Kilo auf 7,12 Euro in der vergangenen Woche gestiegen – ein Plus von 178 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2020 stieg der Preis im gleichen 14-wöchigen Zeitraum von 2,48 Euro lediglich um 54 Prozent auf 3,83 Euro.

Ähnliches lässt sich, zum Teil weniger stark ausgeprägt, aber auch bei Gurken, Tomaten und Auberginen beobachten – und bei Lauchzwiebeln. Letztere stammt zwar vornehmlich aus dem heimischen Anbau in Deutschland, doch auch hier hat jüngst die Witterung für Probleme gesorgt.

Hersteller können höhere Preise durchdrücken

"Im Februar war es sehr kalt, es gab viel Frost", sagt Behr. Anders als in normalen Jahren ist die Frühlingszwiebel deshalb jetzt noch nicht erntereif, sodass die Einkäufer der großen Supermarktketten auf Angebote aus anderen Herkunftsländern zurückgreifen müssen, zum Beispiel Ägypten.

"Normalerweise sitzen die Märkte und Discounter am längeren Hebel", erklärt der Ami-Experte. Durch ihre Marktmacht könnten sie die Preise beim Einkauf bestimmen und auch drücken. "Doch wenn – wie aktuell – das weltweite Angebot knapper ist, sind es die Hersteller, die aufgrund der großen Nachfrage höhere Preise verlangen können."

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Die Spitzenpreise beim Gemüse dürften den Verbrauchern, je nach Sorte, noch einige Wochen begegnen. Dabei gilt: Je schneller die Frucht am Strauch und damit auch das Angebot wächst, desto schneller fallen auch die Preise. Nach dieser Logik bleiben also Paprika noch eine Weile länger teuer, Gurken, die schnell wachsen, dürften schon bald wieder billiger sein.

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