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EZB-Zinsentscheid: Wir müssen die höhere Inflation aushalten


Wir müssen die steigenden Preise aushalten

  • Florian Schmidt
Ein Kommentar von Florian Schmidt

Aktualisiert am 10.06.2021Lesedauer: 2 Min.
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Einkäufe im Supermarkt: Auch die Lebensmittelpreise stiegen zuletzt an.
Einkäufe im Supermarkt: Auch die Lebensmittelpreise stiegen zuletzt an. (Quelle: imago-images-bilder)
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Trotz steigender Preise belässt die Europäische Zentralbank den Leitzins auf Null. Das mag unpopulär sein – ist aber richtig.

Wir merken es beim Tanken, an der Supermarktkasse und im Restaurant: Die Preise ziehen an, Vieles wird teurer, am Monatsende bleibt weniger Geld auf dem Konto als gewohnt.

Kaum verwunderlich macht diese Entwicklung vielen Menschen Angst. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für t-online ergab: Rund 70 Prozent der Deutschen bereitet die Inflation Sorgen. Mehr als die Hälfte der Befragten befürworten zudem, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erhöht.

Tatsächlich hängen beide Dinge eng miteinander zusammen. Als Währungshüterin für den Euro kann die EZB den Preis des Geldes und seine Menge steuern. Hebt sie die Zinsen an, macht sie die Kreditaufnahme unattraktiver. Kauft sie weniger Staatsanleihen, wächst die Geldmenge langsamer. Beides sorgt – auf dem Papier – dafür, dass weniger Geld im Umlauf ist und die Inflation zurückgeht.

Die Entscheidung der EZB ist richtig

Doch wäre ein solcher Schritt gegenwärtig sinnvoll? Sollte die EZB angesichts der steigenden Preise jetzt schon eingreifen?

Sicher nicht. Die jüngste Entscheidung des EZB-Rates vom Donnerstag ist absolut richtig: Der Leitzins, so beschloss es das Gremium um Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde, bleibt auf null, die EZB kauft weiter im großen Stil Staatsanleihen, um so den Regierungen in der Corona-Krise finanzielle Spielräume zu verschaffen.

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Das mag unpopulär sein, ist ökonomisch aber – noch – sinnvoll. Denn: Bei der derzeitigen Teuerung handelt es sich aller Voraussicht nach um ein Ausnahmephänomen, ausgelöst durch die Corona-Krise.

Eine höhere Inflation ist vorübergehend nicht schlimm

Nachdem die Wirtschaft im Zuge der Pandemie vergangenes Jahr global einbrach, erleben wir derzeit eine Aufholjagd. Vielen Menschen dürstet es danach zu reisen, nicht wenige holen den Kauf eines Autos nach oder wagen nun zum Ende der Pandemie, ein eigenes Haus zu bauen.

All das sorgt dafür, dass die Nachfrage nach etlichen Waren und Gütern wächst. Von Rohstoffen wie Holz und Öl bis hin zu Bier und Pommes in der Kneipe – marktwirtschaftlich ist es völlig normal, dass die Preise steigen, wenn viele Leute auf einmal dieselben Dinge kaufen wollen.

Vor allem aber ist diese Entwicklung auch nicht schlimm. Denn wie bei jeder Aufholjagd gilt auch bei einer wirtschaftlichen Erholung: Irgendwann nimmt sie ein Ende. Die meisten Ökonomen rechnen damit, dass sich die Inflation in Deutschland nach einem Preisanstieg von bis zu 2,4 Prozent im laufenden Jahr ab 2022 wieder auf 1,7 Prozent einpendeln wird.

Steigende Preise gehen mit Wachstum einher

Unter diesem Gesichtspunkt ist die aktuelle Teuerungsrate sogar eine Chance. In den vergangenen zehn Jahren nämlich lag die Inflation deutlich unterhalb von zwei Prozent, dem von der EZB angepeilten Niveau, das für Preisstabilität und Wachstum zugleich sorgt. Steigt sie jetzt kurzfristig über zwei Prozent, gleicht das die schwache Entwicklung der vergangenen Jahre also etwas aus.

Deshalb gilt: Wir müssen die steigenden Preise vorübergehend aushalten – und sie gar als gutes Omen für mehr wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand betrachten. Für Ängste ist später noch genug Zeit.

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Verwendete Quellen
  • Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung
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  • Florian Schmidt
  • Peter Schink
Von Florian Schmidt, Peter Schink
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