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Drohende Lieferengpässe: Diese Produkte sind wohl betroffen

Drohende Lieferengpässe  

Diese Produkte werden bald deutlich teurer

16.07.2021, 12:55 Uhr
Drohende Lieferengpässe: Diese Produkte sind wohl betroffen. Containerschiffe im Hamburger Hafen (Archivbild): Die Lieferketten sind seit Monaten durcheinandergewirbelt. (Quelle: dpa/Daniel Reinhardt)

Containerschiffe im Hamburger Hafen (Archivbild): Die Lieferketten sind seit Monaten durcheinandergewirbelt. (Quelle: Daniel Reinhardt/dpa)

Schon seit Monaten verzögern sich Warenlieferungen, ein Stau in Südchina setzt dem Welthandel nochmals zu. Experten warnen nun vor Engpässen in Deutschland. Zu Weihnachten könnte es Probleme geben – und hohe Preise.

Zugegeben: Mitte Juli denken die wenigsten Menschen bereits an die Weihnachtszeit. Allerdings könnte das dieses Jahr anders aussehen.

Denn die ersten Händler und Experten warnen bereits davor, dass es zu Weihnachten leer werden könnte in Deutschlands Regalen – und auch im Onlinehandel. Prominentestes Beispiel ist Gabriel Felbermayr, Top-Ökonom und Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Er kennt den Welthandel gut und auch das Problem, das den Lieferketten zusetzt.

"Das Weihnachtsgeschäft bahnt sich wegen der langen Vorlaufzeiten schon jetzt an. Und China ist für den Gabentisch in deutschen Wohnzimmern der wichtigste Lieferant", sagte Felbermayr jüngst im Interview mit t-online. "Wegen der Lieferengpässe dürften im Dezember die Regale in vielen Geschäften leerer sein als sonst."

Lieferketten sind durcheinander geraten

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie sind die weltweiten Lieferketten schwer durcheinandergeraten. Denn in Ostasien, aber auch in den USA erholt sich die Wirtschaft nach Corona deutlich stärker als etwa in Europa, die Nachfrage dort zieht entsprechend an.

Die Folge dieser Entwicklung: Viele Container stecken an Standorten fest, an denen sie niemand gebrauchen kann – und fehlen dadurch andernorts oder müssen teuer zurückgeschickt werden.

Zuletzt kam ein Stau im südchinesischen Meer hinzu, nachdem es in der Metropolregion Guangzhou, der "Fabrik der Welt", zu einem Corona-Ausbruch gekommen war. Daraufhin wurde der wichtige Hafen Yantian von Shenzhen wochenlang heruntergefahren. "Was in China passiert, ist dramatisch. Das sind schmerzhafte Einschnitte für die Weltwirtschaft", sagte Ökonom Felbermayr. "Wenn einer der größten Häfen der Welt wegen eines Corona-Ausbruchs herunterfährt, holpert der Warenverkehr auch an anderen Orten."

Diese Produkte sind wohl betroffen

Welche Produkte von der Lieferkrise betroffen sind, lässt sich derweil kaum abschätzen. Auch Wirtschaftsvertreter und Verbände, mit denen t-online gesprochen hat, tun sich schwer damit.

Wahrscheinlich ist aber, dass die Krise die ganze Bandbreite an Waren aus Asien, also Spielzeugautos, Laptops oder Konsolen trifft. Es mangelt nicht nur an Containern.

Auch Rohstoffe oder Vorprodukte, die für die Herstellung entscheidend sind, fehlen – oder müssen teuer eingekauft werden; Mikrochips, Holz, Kunststoff, um nur einige Beispiele zu nennen. Daher könnten auch Kartons oder Verpackungen knapp werden.

"Wir sollten es schaffen, die Engpässe auszugleichen"

Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie, versucht derweil zu beruhigen. "Die Industrie setzt alles daran, dass Weihnachten nicht ausfällt." Beinahe täglich gäbe es Krisensitzungen, um über die aktuelle Situation zu sprechen. 

"Wir sollten es schaffen, die Engpässe auszugleichen", sagt er, auch weil man notfalls auf Luftfracht oder die Schiene umsteigen könnte. "Die Preise werden aber sicher anziehen – und zwar nicht nur bei Spielzeugen, sondern quer über alle Branchen."

Auch Ökonom Felbermayr befürchtet: "Wenn es in Asien Lieferprobleme gibt, spüren wir das auch im Preis." Bei Geschenken, die stark nachgefragt werden, Elektronikgeräte wie Fernseher oder Spielkonsolen, "werden wir sicherlich einen Preisanstieg von bis zu 20 Prozent sehen", sagte er.

Engpässe bei Fahrrädern

Brobeil betrachtet die aktuellen Entwicklungen daher mit Sorge. "Wir erwarten, dass sich die Lage erst Anfang 2023 entspannt." Auch Fahrräder könnten bald knapp werden, vielerorts müssen bereits Kunden auf weit entfernte Shops umsteigen, um ihr Wunschbike zu bekommen.

"Von dem Gedanken, ihr spezielles Rad zu erhalten, sollten sich Kunden in den nächsten Wochen eher verabschieden", sagt Hans-Peter Obermark vom Verband des Deutschen Zweiradhandels.

"Bestimmte Modelle mit bestimmten Konfigurationen werden sicher nicht zu bekommen sein." Sein Rat an Kunden daher: "Schauen Sie einmal nach links und rechts – und machen Sie sich frühzeitig Gedanken über ein mögliches neues Rad."

Ikea verknappt sein Angebot

Neben Rädern, Spielzeugen und Elektroartikeln könnten aber auch Möbel oder Dekoartikel knapp werden. Die "Wirtschaftswoche" berichtete am Freitag, Ikea werde wegen Lieferengpässen im kommenden Geschäftsjahr 2022 sein Angebot einschränken. Geplant sei "eine Reduzierung des gesamten Sortimentvolumens in Europa um rund fünf Prozent und in Nordamerika um rund vier Prozent", sagte eine Unternehmenssprecherin dem Blatt.

Nach Branchenschätzungen verkauft der weltweit größte Möbelkonzern demnach derzeit rund 12.000 Artikel in den Einrichtungshäusern. Damit würde Ikea auf bis zu 600 Artikel verzichten. Beim Möbel- und Dekoanbieter Butlers zeichne sich ab, dass Artikel "zeitweise ausverkauft sein werden", sagte Geschäftsführer Wilhelm Josten der "Wirtschaftswoche".

Und der Discounter Aldi Süd befürchtet, dass es "in den kommenden Wochen vereinzelt zu Lieferverzögerungen bei Aktionsartikeln" kommen kann. Auch die Baumarktkette Hornbach und der Schuhhändler Deichmann spüren laut "Wirtschaftswoche" die Störungen in den Lieferketten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Interview mit Gabriel Felbermayr
  • Gespräch mit Ulrich Brobeil
  • Gespräch mit Hans-Peter Obermark
  • Mit Material der Nachrichtenagentur AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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