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Aldi: So kam es zum Bruch zwischen den Aldi-Brüdern


Streit im Familienunternehmen  

Das zertrennte die Aldi-Brüder

22.08.2021, 16:12 Uhr
Aldi: So kam es zum Bruch zwischen den Aldi-Brüdern. Karl und Theo Albrecht (Archivbild): Von den Gründern der Discounter-Dynastie existieren nur wenige Aufnahmen. (Quelle: dpa)

Karl und Theo Albrecht (Archivbild): Von den Gründern der Discounter-Dynastie existieren nur wenige Aufnahmen. (Quelle: dpa)

Deutschland ist ein Land der Familienunternehmen, sie machen ganze 90 Prozent aller Firmen aus. Doch in Familien wird häufig gestritten. Deutschlands größte Discounter-Kette ist dabei keine Ausnahme.

Deutschland lässt sich auf verschiedene Arten teilen: Manche sprechen vom Weißwurst-Äquator, andere ziehen die Grenze da, wo niemand mehr Karneval feiert. Aber die vielleicht entscheidende Grenzen verläuft vom Niederrhein über Mühlheim bis nördlich von Fulda entlang der Autobahn A45: die Trennung nach Aldi Nord und Süd.

Statistiken zufolge gehen rund 85 Prozent der Deutschen regelmäßig bei der Discounterkette einkaufen. Weltweit zählt Aldi zu den zehn größten Einzelhandelsgruppen. Zusammengerechnet gibt es über 11.000 Filialen von Aldi Nord und Süd. Gemeinsam betrieben werden die Geschäfte allerdings seit den 1960er-Jahren nicht mehr. Damals zerstritten sich die beiden Söhne des Gründers Karl Albrecht, Karl und Theodor. 

Was trennte die Aldi-Brüder?

Über das Zerwürfnis der Aldi-Brüder gibt es verschiedene Spekulationen. Am häufigsten wird davon berichtet, dass der Streit bei der Einführung von Tabakwaren in die Produktpalette ausbrach. Karl war gegen den Verkauf von Zigaretten, sein Bruder Theo hingegen wollte sie ins Sortiment aufnehmen.

Karl Albrecht (Archivbild): Der Bruder, der Aldi Süd gründete, verstarb am 16. Juli 2014 im Alter von 94 Jahren. (Quelle: Pressebild Aldi Süd)Karl Albrecht (Archivbild): Der Bruder, der Aldi Süd gründete, verstarb am 16. Juli 2014 im Alter von 94 Jahren. (Quelle: Pressebild Aldi Süd)

Aldi zerfiel kurzerhand in Nord und Süd. Damals gab es bereits 300 Aldi-Filialen mit einem Bruttoumsatz von rund 90 Millionen Mark. Die "gesunde Brüderkonkurrenz", wie es damals hieß, blieb bis zu Theos Tod im Jahr 2010 erhalten. 

Interessant zu wissen: 2003 nahm auch Aldi Süd Tabakwaren ins Programm auf – noch zu Lebzeiten beider Brüder.

Doch mit dem Tod der Aldi-Brüder ist der Streit in der Familie Albrecht nicht beendet. Im Gegenteil: Es gibt seitdem immer wieder Streit zwischen den Erben. Vor allem im Familienzweig von Theodor Albrecht gibt es Ärger. Seit sein Sohn Berthold im Jahr 2012 ebenfalls starb, streiten sich Bertholds Witwe Babette, die gemeinsamen fünf Kinder und Bertholds Bruder Theodor um das Erbe.

Das liegt auch daran, dass das Unternehmensvermögen in drei Stiftungen aufgeteilt ist, die Markus-, Lukas- und Jakobus-Stiftung. Bei großen Investitionen müssen alle drei Stiftungen zustimmen. Berthold hatte die Jakobusstiftung geführt; nach seinem Tod gibt es nun Streit darüber, wie viele Familienmitglieder im Vorstand sitzen dürfen.

Mehr zum Streit der Familie Albrecht lesen Sie hier

Wie entstand das Unternehmen Aldi?

Aldi ist eine deutsche Erfolgsgeschichte. Karl Albrecht senior und seine Frau Anna eröffneten 1913 in Essen-Schonnebeck einen Tante-Emma-Laden. Der wurde wenige Jahre später zum "Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht". Der Laden bestand bis 2020 als Aldi-Filiale weiter. 

Ein Einblick in die Beginne von Aldi: Die Mutter von Theodor und Karl Albrecht gründete 1914 einen Lebensmittelladen, ein Jahr zuvor hatte der Vater einen Backwarenhandel eröffnet. (Quelle: Getty Images/Pressebild)Ein Einblick in die Beginne von Aldi: Die Mutter von Theodor und Karl Albrecht gründete 1914 einen Lebensmittelladen, ein Jahr zuvor hatte der Vater einen Backwarenhandel eröffnet. (Quelle: Pressebild/Getty Images)

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die beiden Söhne des Gründers das Familienunternehmen. Ein steiler Aufstieg begann: Nur zehn Jahre später betrieben die Brüder bereits 100 Filialen. Der Name Aldi hielt 1962 Einzug. In den vergangenen Jahren führten die Aldi-Erben regelmäßig die Liste der reichsten Deutschen an.

Lustig: An zwei Orten in Deutschland können Kunden trotz der Trennung der Unternehmen in Nord und Süd direkt zwischen den beiden Aldi-Versionen wählen – in Gummersbach und Siegen gibt es jeweils eine Aldi-Nord- und eine Aldi-Süd-Filiale. 

Warum bekommt man so wenig von der Familie Albrecht mit?

Die Aldi-Familie steht seit Jahren immer in den Listen der reichsten Deutschen, doch Fotos und Medienauftritte sind selten. Die Urenkel von Karl Albrecht sind in der Öffentlichkeit quasi unbekannt. Auch der Rest der Albrecht-Dynastie lebt zurückgezogen. 

Eine Ausnahme sorgt dabei für Unmut: Witwe Babette zeigt sich im Gegensatz zum Rest der Familie gerne bei gesellschaftlichen Anlässen wie Partys und Kunstausstellungen. Das passt anderen Familienmitgliedern gar nicht.

Ein Grund für die Zurückhaltung der Familie dürfte die Entführung von Theo Albrecht im Jahr 1971 sein. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinz Joachim Ollenburg und der verurteilte Tresorknacker Paul Kron hatten sich ihr Opfer aus einem Buch über reiche Deutsche ausgesucht und lauerten ihm vor dem damaligen Firmensitz in Herten auf.

Die Entführung dauerte 17 Tage und wurde durch eine Zahlung von sieben Millionen Mark Lösegeld beendet. Die Täter wurden gefasst und zu jeweils achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Lösegeld wurde aber nie gefunden.

Welche Auswirkungen hatte der Aldi-Streit?

Die Trennung schadete dem Unternehmen kaum. Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd sind bei den Kunden beliebt. Vor allem die Einführung von "Non-Food Artikeln" wie Computern in den 1980er-Jahren verhalf Aldi endgültig zum Durchbruch.

Seitdem expandiert das Unternehmen weltweit, sogar auf dem umkämpften US-amerikanischen Markt kann sich die Discounterkette aus Deutschland behaupten. Gerade erst kündigte das Unternehmen an, 20.000 Arbeitskräfte einzustellen. Lesen Sie die ganze Geschichte hier

Weitere Filialen gibt es unter anderem in Portugal und Australien. Selbst in China ist Aldi vertreten, hier allerdings nur online. Im Jahr 2018 kündigten die beiden Unternehmen zudem an, künftig wieder mehr zusammenarbeiten zu wollen. 2020 berichtete das "Manager Magazin", dass bis 2022 eine Superfusion stattfinden solle, um Ressourcen zu bündeln. Bei Werbung und Sonderangeboten stimmen sich die Unternehmen bereits jetzt ab. 

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