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Evergrande: Elektroauto-Tochter hat Geldprobleme


Evergrande-Krise  

Analysten senken Wachstumsprognose für China

28.09.2021, 15:53 Uhr | rtr, t-online

Evergrande: Elektroauto-Tochter hat Geldprobleme. Eine Passantin geht an einem Gebäudekomplex von Evergrande in Peking vorbei: Die Krise des Immobilienkonzerns wirkt sich bereits auf die Wachstumsprognosen für China aus.  (Quelle: imago images)

Eine Passantin geht an einem Gebäudekomplex von Evergrande in Peking vorbei: Die Krise des Immobilienkonzerns wirkt sich bereits auf die Wachstumsprognosen für China aus. (Quelle: imago images)

Die Krise des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande zieht weitere Kreise. Mittlerweile hat auch die Elektroauto-Tochter des Unternehmens Geldprobleme und Analysten senken ihre Wachstumsprognosen für China. 

Die Analysten der US-Bank Citi haben wegen der Schuldenprobleme des Immobilienkonzerns Evergrande ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in China gesenkt. Die Experten gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in der Volksrepublik nächstes Jahr nur um 4,9 Prozent statt um 5,5 Prozent wächst, wie sie am Dienstag in einem Researchbericht erklärten.

Auch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte halten die Analysten nächstes Jahr für möglich. "Der Wachstumsdruck könnte eine verhaltene geldpolitische Lockerung auslösen inklusive einer Zinssenkung." Die Citi-Experten stuften auch ihre Prognosen für mehrere chinesische Aktienindizes zurück. 

Investoren hoffen auf Staatshilfe

Bei Investoren steigt unterdessen die Hoffnung auf staatliche Hilfen für den Evergrande. Die chinesische Zentralbank signalisierte Unterstützung für private Anleger, denen Evergrande Milliarden schuldet. Zudem drängt die Regierung Insidern zufolge staatseigene Immobilienfirmen, Teile des strauchelnden Konzerns zu übernehmen.

Analysten der US-Bank Citigroup rechnen wegen der Schuldenprobleme von Evergrande mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum in China. Evergrande steht bei Kunden, Banken und Anlegern mit mehr als 300 Milliarden Dollar in der Kreide und ist in Zahlungsverzug geraten.

Zuletzt war bekannt geworden, dass auch der E-Auto-Tochter des Unternehmens, New Energy Vehicle Group, das Geld ausgeht. Mitarbeiter und Lieferanten seien nicht pünktlich bezahlt worden. Ob der geplante Verkauf des Unternehmens weiter möglich sei, ist unklar. Denn der Börsenwert ist drastisch eingebrochen. 

Die People's Bank of China (PBOC) nannte zwar Evergrande nicht beim Namen, versprach aber, die Rechte und Interessen von privaten Immobilieninvestoren zu wahren. Sie werde Geldpolitik "flexibel, zielgerichtet und angemessen" gestalten sowie ein stabileres Kreditwachstum und eine angemessene Liquidität im Markt gewährleisten. Die Zentralbank pumpte weitere Milliarden in den Finanzmarkt.

Auf einen Kommentar der Regierung oder der Notenbank haben Investoren seit Tagen gewartet. An den Börsen machte sich deshalb Erleichterung breit. Die gebeutelten Evergrande-Aktien legten in Hongkong um 4,7 Prozent zu. Auch Titel von anderen Immobilienkonzernen waren gefragt.

Insider: Teilverkäufe an Staatsfirmen statt direkter Hilfe

Mehrere Insider aus der Regierung und von Aufsichtsbehörden sagten der Nachrichtenagentur Reuters, der Staat werde aller Voraussicht Evergrande nicht direkt mit Kapital unter die Arme greifen. In Peking hoffe man vielmehr darauf, dass Teilverkäufe an staatseigene Immobilienfirmen wie China Vanke und China Jinmao Holdings das Risiko sozialer Unruhen senkten. Für Evergrande arbeiten rund 200.000 Menschen, mehrere Millionen werden jährlich rekrutiert für Bauprojekte. Wütende Investoren hatten vor ein paar Wochen die Evergrande-Zentrale gestürmt und ihr angelegtes Geld zurückverlangt.

"Evergrande wird zwar wohl in den nächsten Wochen Insolvenz anmelden, aber die chinesischen Behörden werden alle Hebel in Bewegung setzen, um Ansteckungseffekte zu vermeiden und Instabilität abzuwenden", sagte Analyst Robin Usson vom Vermögensverwalter Federated Hermes. Zahlreiche Firmen im ganzen Land verteilt würden in die Pflicht genommen, um mögliche Schockwellen aufzufangen.

Einen "Lehman-Moment", den einige Analysten fürchten, werde es nicht geben, sagte Usson. Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2009 hatte weltweit Banken zu Fall gebracht, viele Institute mussten vom Staat gestützt werden.

Finanzaufsicht will gründliche Untersuchung einleiten

Für Zuversicht sorgte auch der Plan der Stadt Shenzhen, die Tochter Evergrande Wealth zu durchleuchten. Die Finanzaufsicht wolle eine gründliche Untersuchung einleiten, hieß es in einem Brief an Anleger, in den Reuters Einsicht hatte. Zudem forderte die Behörde Evergrande auf, sich um Rückzahlungen an Anleger zu bemühen.

Der Präsident der Förderbank Asian Development Bank (ADB), Masatsugu Asakawa, sagte, China habe ausreichende geldpolitische Möglichkeiten zur Stützung des Finanzsystems und zur Vermeidung von Dominoeffekten. "Ich glaube nicht, dass die Schwierigkeiten einer einzigen Firma eine globale Krise auslösen werden, wie sie durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers verursacht wurde", sagte Asakawa. Finanzielle Folgen für Kunden von Evergrande und die haushaltspolitische Lage von chinesischen Lokalprovinzen seien aber nicht auszuschließen.

Um herauszufinden, welche Banken in welchem Ausmaß von einem möglichen Evergrande-Kollaps betroffen sein könnten, verlangt die Zentralbank in Hongkong Auskünfte der Kreditinstitute, wie Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete. Sie hätten 24 Stunden Zeit für eine Rückmeldung an die Aufsichtsbehörde. Wie Daten der Researchfirma Morningstar zeigten, gehören zu den Anleihegläubigern von Evergrande unter anderem BlackRock, die Royal Bank of Canada sowie die Schweizer Bank UBS Group und der Vermögensverwalter Ashmore.

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