Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Diese Immobilienanlagen gehören auf den MĂŒll

Von Gerd Kommer

16.01.2022Lesedauer: 3 Min.
HochhÀuser (Symbolbild): Offene Immobilienfonds sind zwar bei vielen beliebt, aber problematisch.
HochhÀuser (Symbolbild): Offene Immobilienfonds sind zwar bei vielen beliebt, aber problematisch. (Quelle: tampatra/getty-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Seit Jahrzehnten vertrauen viele Deutsche Finanzberatern, die ihr Geld in Immobilienfonds stecken. Dabei ist diese Anlage weder ertragreich noch besonders sicher. Warum die Produkte so schlecht sind.

Wenn es um Vermögensbildung und Geldanlegen geht, dann haben wir Deutschen einige merkwĂŒrdige Gewohnheiten. Dazu gehören:

  • unsere paranoide Liebe zu renditelosen, aber leider nicht risikolosen Bankguthaben,
  • unsere merkwĂŒrdige Leidenschaft fĂŒr die nur minimal profitableren, aber dafĂŒr noch risikoreicheren kapitalbildenden Lebensversicherungen,
  • unsere ungesunde Aversion vor Aktien, der renditestĂ€rksten aller Anlageformen
  • und nicht zuletzt unsere bizarre Sympathie fĂŒr Offene Immobilienfonds.

Warum bizarr, das zeige ich in diesem Beitrag.

Der "ETF-Papst"
Dr. Gerd Kommer ist seit mehr als 20 Jahren Bestsellerautor fĂŒr Investment-RatgeberbĂŒcher. Zugleich ist er GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Gerd Kommer Capital GmbH, einer digitalen Vermögensverwaltung, bei der Kunden bereits mit kleinen BetrĂ€gen starten können, sowie der Gerd Kommer Invest GmbH, einem Honorarberatungsunternehmen. In seiner t-online-Kolumne schreibt er gemeinsam mit seinen Kollegen Felix Großmann und Daniel Kanzler alle zwei Wochen ĂŒber sein Spezialgebiet: den langfristigen Vermögensaufbau mit ETFs.

Offene Immobilienfonds sind in Deutschland seit ĂŒber 60 Jahren ein populĂ€res Anlageprodukt, weil sie den Anbietern zufolge "das begrenzte Risiko der Sachwertanlage Immobilie" mit "soliden Langfristrenditen" verbinden.

Offene Immobilienfonds sind Investmentfonds, die an Privathaushalte vermarktet werden und die Anlegergelder in Immobilien investieren. Die Immobilien liegen zumeist in Deutschland oder in Westeuropa. Überwiegend handelt es sich um Gewerbeobjekte (BĂŒros, Handel, Logistik, Hotels, Kliniken, ParkhĂ€user), bei einigen wenigen auch um Wohnimmobilien.

JĂ€mmerliche Rendite, keine Zulassung in anderen LĂ€ndern

In Deutschland existieren aktuell ĂŒber 30 Offene Immobilienfonds, die zusammen erstaunliche neun Prozent des Anlagevolumens aller in Deutschland vertriebenen rund 9.000 Publikumsfonds einschließlich ETFs ausmachen. Lesen Sie hier acht GrĂŒnde, warum Sie ETFs kaufen sollten.

Zu dieser Art Fonds lassen sich zunĂ€chst zwei Dinge sagen: Erstens, ihre Renditen sind konsistent kĂŒmmerlich. Zweitens, sie sind in den beiden modernsten KapitalmĂ€rkten der Welt – den USA und Großbritannien – aus VerbraucherschutzgrĂŒnden nicht zum Vertrieb an Privatanleger zugelassen.

Beginnen wir mit den Renditen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige GefĂ€ngnis "Number Four", in dem wĂ€hrend der Apartheid in SĂŒdafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: WĂ€hrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ĂŒber Waffenlieferungen fĂŒr die Ukraine gestritten.


In der folgenden Tabelle werden die Renditen des grĂ¶ĂŸten europaweit anlegenden Offenen Immobilienfonds und des grĂ¶ĂŸten deutschlandweit anlegenden Offenen Immobilienfonds denen eines europaweit investierenden Immobilienaktien-ETFs gegenĂŒbergestellt.


Offener Immobilienfonds Europa Offener Immobilienfonds Deutschland Immobilien-Aktien-ETF

Deka Immobilien Europa UniImmo Deutschland iShares European Property Yield
ISIN DE0009809566 DE0009805507 IE00B0M63284
Dahinterstehende Bankengruppe Sparkassen Genossenschaftsbanken -
2021 (1 Jahr) – 3,0 % p.a. – 2,4 % p.a. 7,8 % p.a.
2012-2021 (10 Jahre) 2,1 % p.a. 2,2 % p.a. 9,9 % p.a.
  • Datenquellen: Comdirect, fondsprofessionell.de – nominale Renditen in Euro. Bei den Offenen Immobilienfonds wurde der anfĂ€ngliche Ausgabeaufschlag in Abzug gebracht. Steuern nirgendwo berĂŒcksichtigt.

Die Zahlen sind so klar und eindeutig, dass sich eine weitere Kommentierung eigentlich erĂŒbrigt. HinzufĂŒgen will ich lediglich, (a) dass die beiden gezeigten Offenen Immobilienfonds zu den besseren unter den gut 30 ihrer Gattung gehören und (b) dass auch lĂ€ngere ZeitrĂ€ume wie 15 oder 20 Jahre kein anderes Grundmuster zeigen.

Kurzum: Die Rendite von Offenen Immobilienfonds war im Vergleich zu der von Immobilienaktien-ETFs oder der eines globalen Aktien-ETFs ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume schon immer grottenschlecht.

Von wegen geringes Risiko

Wenn ein Investment A merklich schlechtere Langfristrenditen als ein Investment B hat, dann stellt sich die Frage nach den jeweiligen Risikograden. WĂ€re A deutlich risikoĂ€rmer, könnte sein RenditerĂŒckstand eventuell dadurch gerechtfertigt sein. TatsĂ€chlich glauben viele Anleger, die in Offene Immobilienfonds investieren, dass ihre schwachbrĂŒstigen, aber immerhin fast schwankungslosen Kurse ein Zeichen fĂŒr geringes Risiko, sprich hohe Sicherheit, seien.

Weit gefehlt. Die letzte große Immobilienkrise von 2004 bis 2010 fĂŒhrte trotz scheinbar geringer Kursschwankungen zum schlussendlichen Tod von etwa der HĂ€lfte der damals gut 40 Offenen Immobilienfonds.

Anleger erlitten oft hohe Verluste

Diese Fonds wurden nach zum Teil mehrjĂ€hrigem Siechtum zwischen 2009 und 2018 "abgewickelt", hĂ€ufig mit zweistelligen Verlusten fĂŒr die Anleger. Andere, am Ende nicht liquidierte Fonds waren ĂŒber Jahre hinweg "geschlossen", erlaubten also keine oder nur begrenzte AnteilsrĂŒckgaben, bevor sie wieder "öffneten".

Wer als Anteilseigner wĂ€hrend der "Einfrierung" trotzdem an sein Geld wollte, war gezwungen, seine Anteile mĂŒhselig auf dem ungeregelten, grauen SekundĂ€rmarkt mit oftmals dramatischen AbschlĂ€gen zu verĂ€ußern. FĂŒr einige Fonds beliefen sich diese Discounts zeitweilig auf ĂŒber 80 Prozent.

Immobilienkrisen geschehen regelmĂ€ĂŸig

In der nĂ€chsten schweren Immobilienmarktkrise wird diese Risikoillusion – fast nicht schwankende Kurse – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wieder von der RealitĂ€t gekillt werden. Solche Krisen geschehen im langfristigen Schnitt alle 15 bis 25 Jahre.

Wer sich genauer fĂŒr die technischen Details der ScheinstabilitĂ€t und den "falschen" Risikoausweis von Offenen Immobilienfonds interessiert, kann diese in einem kĂŒrzlich erschienenen Blog-Beitrag von meinem Kollegen Felix Großmann und mir nachlesen.

Weil die Gesetzgeber in LĂ€ndern mit höherem Privatanlegerschutzniveau, beispielsweise den USA, Großbritannien oder Frankreich, die Risikomessmethode bei deutschen Offenen Immobilienfonds zu Recht als unzulĂ€nglich einschĂ€tzen, sind solche Fonds in diesen und weiteren Staaten nicht zum Vertrieb an Verbraucher zugelassen.

Offene Immobilienfonds gehören in den MĂŒll

Die gute Nachricht: In den letzten zwei Jahren scheint sich in Deutschland das PflÀnzlein einer echten Aktienkultur zu entwickeln. Eine zwar noch kleine, aber nun wachsende Zahl von Haushalten investiert in diese ertragreichste aller Anlageklassen. Kapitalbildende Lebensversicherungen bekommen peu à peu das schlechte Image, das sie verdienen, und ihr Policen-Bestand schrumpft.

Weitere Artikel

Ohne lÀnger zu arbeiten
Nur so können Sie Ihren Lebensstandard im Alter halten
Eine volle FußgĂ€ngerzone in Berlin (Symbolbild): Wer im Alter seinen Lebensstandard halten will, sollte frĂŒh anfangen zu sparen.

Sichere Anlage?
So entzaubert die Inflation den Mythos Gold
Goldbarren (Symbolbild): Gold gilt als sicheres Investment, doch es bietet dennoch keinen perfekten Schutz bei steigender Inflation, schreibt Kolumnist Gerd Kommer.

Irrglaube bei Immobilien
Darum schĂŒtzt Sie Wohneigentum kaum vor der Inflation
Altbauten (Symbolbild): Wohneigentum schĂŒtzt kaum vor Inflation.


Wir machen also Fortschritte auf dem Weg, ein moderneres Privatanlegerland zu werden. Irgendwann wird dieser Fortschritt dazu fĂŒhren, dass Offene Immobilienfonds auch in Deutschland da enden, wo sie hingehören: im Ascheeimer der Geschichte der schlechten Finanzprodukte.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Eine Kolumne von Jessica Schwarzer
DeutschlandGroßbritannienUSA
Ratgeber Aktien










t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website