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EZB-Entscheid: Steigen jetzt auch die Zinsen auf dem Sparbuch?


Steigen jetzt auch die Zinsen auf dem Sparbuch?

  • Florian Schmidt
Von Anna Sophie Kühne, Florian Schmidt

Aktualisiert am 08.09.2022Lesedauer: 4 Min.
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Logo der Sparkasse an der Fassade einer Filiale in Berlin (Archivbild): Für Sparer sind die steigenden Zinsen gute Nachrichten, dennoch könnten sich andere Vermögensanlagen mehr lohnen. (Quelle: Dirk Sattler via www.imago-images.de)
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Die EZB hebt die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte an – und damit so drastisch wie nie zuvor. t-online erklärt, was der historische Schritt für Sie bedeutet.

Die Europäische Zentralbank geht in die Eisen. Im Kampf gegen die Inflation hebt sie Zinsen so stark an wie noch nie in ihrer Geschichte: Die Zinsen in der Eurozone steigen mit dem Beschluss vom Donnerstag um 0,75 Prozentpunkte. t-online erklärt die Hintergründe der EZB-Entscheidung und welche Konsequenzen die Zinserhöhung für Sparer, Anleger, Verbraucher hat.

Was ist überhaupt der "Leitzins"?

Der "Leitzins" der EZB bestimmt, wie hoch die Zinsen für Sparer und Kreditnehmer in der Eurozone ausfallen. Klassischerweise bezeichnet das Wort den sogenannten "Refinanzierungszinssatz" der EZB.

Gemeint ist damit der Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken, also Sparkassen und private Kreditinstitute wie die Deutsche Bank, Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Hebt die EZB den Leitzins an, müssen die Banken mehr Geld für ihre Kredite bei der Zentralbank zahlen – was sie wieder hereinholen, indem sie die höheren Zinsen an ihre Kunden weiterreichen.

Neben dem Leitzins fürs Kreditgeschäft gibt es den ebenso wichtigen "Einlagezins". Seine Höhe bestimmt, wie viel Prozent Zinsen die Geschäftsbanken für Geld bekommen, das sie bei der Zentralbank parken. Auch diesen Prozentsatz reichen die Banken an ihre Privat- und Geschäftskunden weiter, und zwar in Form von Sparzinsen.

Bis vor Kurzem galt dabei die Besonderheit, dass der Einlagezins der EZB negativ war, die Banken also fürs Geldparken bei der Zentralbank Gebühren bezahlen mussten. Diese Negativzinsen bekamen in den vergangenen Jahren immer öfter auch Privatkunden zu spüren.

Sinkt durch die höheren Zinsen jetzt die Inflation?

Nein, zumindest nicht sofort. Schon die Zinsschritte in den vergangenen Monaten haben gezeigt: Leichte Zinserhöhungen der EZB hatten kurzfristig kaum einen sichtbaren Effekt auf die Teuerungsrate. Auch in den kommenden Monaten rechnen Ökonomen damit, dass sich die Inflation eher noch erhöht.

Die Hoffnung der Währungshüter ist allerdings, dass höhere Zinsen die Inflation langfristig drücken, so wie es die volkswirtschaftliche Theorie besagt. Demnach sorgen steigende Zinsen dafür, dass Kredite teurer werden. Gleichzeitig steigt für viele Menschen der Anreiz, ihr Geld lieber auf dem Konto zu sparen. Beides hat zur Folge, dass Verbraucher und Firmen weniger Geld ausgeben, die Nachfrage nach Waren sinkt und die Händler die Preise nicht mehr so leicht erhöhen können – die Inflationsrate also fällt.

Zudem, und das ist eigentlich noch viel wichtiger, will die Zentralbank mit einem höheren Leitzins signalisieren, dass sie die Inflation ernst nimmt und alles dafür tut, dass sie mittelfristig eine Teuerungsrate von zwei Prozent pro Jahr erreicht. Wenn ihr das genügend Menschen glauben, gehen die Inflationserwartungen zurück, wodurch die Lohnforderungen von Arbeitnehmern geringer ausfallen.

Die Folge: Die Lohn-Preis-Spirale, in der höhere Preise aufgrund höherer Gehälter entstehen, hört sich auf zu drehen. Die Inflation geht zurück.

Warum erhöht die EZB die Zinsen immer nur scheibchenweise?

Weil jede Zinserhöhung die Wirtschaft ausbremst, einen Abschwung zur Folge haben kann. Der Grund: Es wird teurer, sich Geld zu leihen – und Investitionen werden damit für Unternehmen weniger rentabel und attraktiv. Auch die Produktion geht aufgrund der sinkenden Nachfrage zurück, da die Haushalte angesichts höher Zinsen eher sparen.

Gleichzeitig muss die EZB die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bremsen. Um beides zu vereinen – Zinsen rauf, Konjunktur nicht abwürgen –, gehen die Währungshüter vorsichtig vor.

Bei ihren Zinsentscheidungen muss sich die EZB zudem an der Geldpolitik anderer Zentralbanken, insbesondere der US-amerikanischen Fed orientieren. Wenn die amerikanischen Währungshüter – wie zuletzt geschehen – die Zinsen erhöhen, geraten ihre europäischen Kollegen unter Zugzwang: Denn sind die Zinsen in den USA bedeutend höher, zieht es Anleger weg von den europäischen Märkten in die USA. Dies stärkt den Dollar. Da wichtige Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, verteuern diese sich für die europäischen Länder wiederum.

Bekomme ich jetzt wieder Zinsen aufs Sparkonto?

Ja, wenngleich auch nicht besonders viel. Einige Banken werben bereits jetzt mit speziellen Neukundenangeboten um Sparer. Das Vergleichsportal "Verivox" ermittelte, dass Tagesgeldsparer derzeit von bis zu 0,55 Prozent Zinsen profitieren können. Beim zweijährigen Festgeld zahlten deutsche Banken heute bis zu viermal so hohe Zinsen wie noch zu Beginn des zweiten Quartals.

Sparer sollten sich von dem steigenden Zins aber nicht zu sehr täuschen lassen: Denn unter Berücksichtigung der Inflationsrate dürfte am Ende noch immer ein Minus vor der Vermögensentwicklung stehen, der Realzins also negativ sein. Daher könnte es sich weiterhin lohnen, das Geld an der Börse anzulegen – zum Beispiel in einem ETF. Wie das geht, lesen Sie hier.

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Worauf muss ich achten, wenn ich nun einen Kredit haben will?

Was für Sparer gilt, hat auch Auswirkungen für Kreditnehmer: Die Zinsen für Endkunden werden in den kommenden Monaten weiter anziehen. Bereits in den vergangenen sechs Monaten ist die Finanzierung teurer geworden, wie eine Auswertung des Vergleichsportals "Verivox" ergab: Demnach stiegen die durchschnittlichen Zinsen von 5,14 Prozent im März auf 6,62 Prozent im August.

Insbesondere diejenigen, deren Immobilienkredite jetzt auslaufen, könnten vor großen Problemen stehen. Sie haben beim Kauf der Immobilie möglicherweise mit einer länger andauernden Niedrigzinsphase gerechnet und müssen nun die gestiegenen Finanzierungskosten stemmen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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