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Nach dem Bungeesprung kam die Höhenangst

Eine Wette mit Folgen  

Nach dem Bungee-Sprung kam die Höhenangst

06.09.2016, 15:05 Uhr | Sonja Nowack

Nach dem Bungeesprung kam die Höhenangst . Der Bungeesprung sollte für Jörg Blessing ein Vergnügen sein - stattdessen löste er Ängste aus (Symbolbild).  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Bungeesprung sollte für Jörg Blessing ein Vergnügen sein - stattdessen löste er Ängste aus (Symbolbild). (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für die einen ist es der ultimative Kick, für andere der absolute Alptraum: Bungee-Jumping. Jörg Blessing aus Darmstadt hatte keine Scheu, als er den Sprung ins Leere wagte. Ihn überfiel die Angst erst nach dem Bungee-Sprung und sie begleitet ihn bis heute.

Jörg Blessing war 25 Jahre alt als er im Sommer 1994 mit seinem Arbeitskollegen eine Wette abschloss. Ein Möbelhaus aus der Umgebung bot auf einer Veranstaltung Bungee-Jumping an. Derjenige von den beiden, der sich nicht traute herunterzuspringen, sollte den Sprung des anderen bezahlen. "Ich sah das locker. Ich dachte, das gibt ein kurzes Kribbeln im Bauch und das war’s", erzählt der heute 47-Jährige. Doch er lag falsch.

Todesangst kam während des Sprungs

Als Maler und Lackierer stand Jörg oft auf Gerüsten, Höhe war er gewohnt. "Als es in diesem kleinen Korb immer höher ging, wurde mir etwas mulmig", erzählt er. Das Seil wurde an seinem Knöchel festgebunden und er bekam die Anweisung, kopfüber in die Richtung einer kleinen Matte zu springen, die 70 Meter weiter unten in einem engen Hof lag. Der Helfer zählte herunter: Fünf, vier, drei, zwei, eins – und Sprung.

"Ich habe die Augen zugemacht und dann sah ich vor meinem inneren Auge Bilder meines bisherigen Lebens", sagt Jörg Blessing. Er bekam Todesangst. "Ich habe mich verkrampft und als ich unten ankam, war mir schwummerig. Es war wie ein Rausch, den ich vorher noch nie hatte." Am nächsten Tag hatte er sogar Muskelkater im Bauch, so sehr hatte er sich verkrampft.

Extremereignisse können Ängste auslösen 

Für Psychotherapeut Uwe Wetter aus Euskirchen ist das ein ungewöhnlicher Fall. "Höhenangst hat man normalerweise vorher, wenn jemand zum Beispiel auf einer zwei Meter hohen Leiter Schweißausbrüche bekommt." Dennoch könne ein solches Extremereignis dazu führen, dass Ängste entstehen. "Durch die hormonelle Ausschüttung ist der Körper in einer Ausnahmesituation und das Gleichgewichtsorgan gibt Angstsignale an das Gehirn weiter", so Wetter. "Eine grenzwertige Erfahrung, in der jemand um sein Leben fürchtet, kann der Auslöser für eine Angstentwicklung sein."

So war es auch bei Jörg Blessing. Von nun an bekam er schon beim Anblick eines Karussells auf Volksfesten feuchte Hände und Schweißausbrüche. Panorama-Ausblicke aus einem Helikopter kann er sich nicht mehr ansehen – nicht mal im Fernsehen. Zur Höhenangst kam auch noch die Platzangst hinzu. "Wenn ich in kleinen Autos sitze, fühle ich mich unwohl", berichtet er. Selbst die Enge in einem Flugzeug kann ihm so zu schaffen machen, dass er einmal sogar das Flugzeug kurz vor dem Start verlassen musste. Er hielt es einfach nicht mehr aus.

In hohe Gebäude geht Jörg kaum noch 

Maler-und Lackierer ist er mittlerweile nicht mehr. Mit der Höhenangst habe das aber nichts zu tun, sagt er. "Lampen auswechseln ist für mich kein Problem. Free-Fall-Tower auf dem Rummelplatz oder hohe Gebäude meide ich aber lieber." Doch das ist laut Psychotherapeut Wetter genau das falsche Verhalten. "Durch Vermeidung wird die Angst immer wieder bestätigt und vergrößert sich", sagt er.

Angst-Situationen bloß nicht vermeiden

Wetter rät, sich die Hilfe eines Therapeuten zu holen und gemeinsam das Erlebte aufzuklären und zu verstehen. Das Ziel einer Therapie ist es, einen anderen Zugang zur Angst zu finden. Der Patient kann sich Schritt für Schritt an die Höhe gewöhnen und somit seine Angst überwinden.

"Grundsätzlich ist es besser, sich den Ängsten zu stellen und sich damit zu konfrontieren. Man soll sich klar machen: Ängste sind nichts Außergewöhnliches. Im Gegenteil, es ist eine normale Reaktion, die uns vor Leichtsinnigkeit schützt." Der Patient kann in einer Therapie lernen, angstauslösende Automatismen aufzulösen und seine Ängste zu regulieren. 

Eine Therapie möchte Jörg Blessing bisher nicht machen. Auf leichtsinnige Wetten lässt er sich jedoch nicht mehr ein.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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